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Interview mit Sönke Wortmann: „Ich möchte die Welt ein kleines bisschen besser machen“

Sönke Wortmann, Little SharksCopyright: Sönke Wortmann, Little Sharks
Wortmann am Set: „Wenn Burt Reynolds einen Wutanfall bekommt, ist man machtlos“ (Copyright: Sönke Wortmann, Little Sharks)

2. Mai 2010

Deutscher Film down under: In fünf australischen Städten veranstaltet das Goethe-Institut dieser Tage das Audi Festival of German Films. Mit dabei ist in diesem Jahr Sönke Wortmann. Im Interview spricht der Regisseur über Botschaften, Wutanfälle und – natürlich – Fußball.

Herr Wortmann, Sie machen seit über 20 Jahren Filme. Welcher davon ist Ihnen selbst der liebste?

Wortmann: Das ist wohl Das Wunder von Bern. Bei dem Film habe ich das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und auch produziert. Der Film erzählt eine Folge von Ereignissen bei der Fußballweltmeisterschaft 1954, als es die westdeutsche Mannschaft nicht nur gegen alle Erwartungen ins Finale schaffte, sondern es auch noch gewann. Fast jeder war anfangs gegen das Projekt und hat uns gewarnt. Sport sei nichts für die Leinwand. Aber der Film wurde ein großer Erfolg in Deutschland – und auch international.

Welche Botschaften wollen Sie Ihren Zuschauern mit Ihren Filmen vermitteln?

Lassen Sie mich dazu den italienischen Regisseur Bernando Bertolucci zitieren: „Ich sende keine Botschaften, das überlasse ich der Post.“ Aber ich könnte kein leidenschaftlicher Filmemacher sein, wenn ich nicht glauben würde, dass ich mit dem, was ich tue, die Welt zumindest ein kleines bisschen besser mache.

Letztes Jahr lief in Deutschland Ihr Film „Die Päpstin“ an. Waren Sie zufrieden mit den Kritiken und den Besucherzahlen?

Wie so viele meiner Kollegen habe ich irgendwann aufgehört, Kritiken zu lesen. Viel wichtiger sind die Zuschauer – und nicht nur im Fall der Päpstin haben mich die Besucherzahlen und die Zuschauerreaktionen sehr glücklich gemacht.

Was war die größte Herausforderung, vor der Sie bislang am Set standen?

Ich versuche böse Überraschungen so weit wie möglich im Vorfeld auszuschließen, indem ich mich sehr gut vorbereite. Manche Filme sind bereits seit Jahren in Planung und Vorbereitung, wenn ich mit den Dreharbeiten beginne. Aber wenn Burt Reynolds am Set plötzlich aus heiterem Himmel einen Wutanfall bekommt, wie es bei den Dreharbeiten zu Der Himmel von Hollywood passierte, ist man machtlos.

Wer ist Ihr Vorbild als Regisseur?

Billy Wilder hat alle Genres meisterhaft beherrscht – von der Komödie über den Thriller bis hin zum Psychodrama. Manche mögen’s heiß ist schlicht eine der besten Komödien aller Zeiten. In Zeugin der Anklage mit Marlene Dietrich kann man sehen, wie er es schafft, Charaktere und Spannung gleichermaßen zu entwickeln. Und in Das Apartment beweist Wilder, wie gut er die komischen und die tragischen Seiten des Alltags beobachtet. Mein Lieblingsfilm ist jedoch Der Pate von Francis Ford Coppola, und zwar die Teile eins und zwei.

Dem deutschen Film wurde lange Zeit keine allzu große Bedeutung zugemessen. Wie beurteilen Sie ihn heute?

Zum Glück ist der deutsche Film inzwischen um einiges vielfältiger, als er es über lange Zeit war. Deutsche Filmemacher sind mutig genug, sich an alle Genres zu wagen, politische Thriller ebenso wie Komödien. Als ich meine Karriere Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger begonnen habe, machten deutsche Produktionen 5 bis 6 Prozent dessen aus, was hierzulande im Kino gezeigt wurde. Heute sind es 25 Prozent. Das liegt vor allem an dem Ansehen, das beim Publikum stark gestiegen ist. Dass deutsche Filmemacher immer öfter Preise abräumen – von Cannes bis Los Angeles –, sorgt zudem für einen größeren internationalen Erfolg.

Sie begleiten jetzt das Deutsche Filmfestival in Australien. Was haben Sie sonst noch für Pläne für dieses Jahr?

Ich freue mich sehr auf Australien. Der Schauspieler David Wenham, der auch in Die Päpstin mitgespielt hat, hat mir versprochen mir seine Heimatstadt Sydney zu zeigen. Aber wir haben noch ein zweites gemeinsames Ziel in diesem Jahr: Wir planen, am 13. Juni in Durban zu sein, wenn Australien gegen Deutschland spielt. Natürlich sind wir auch dort, wenn beide Mannschaften im Finale wieder aufeinander treffen.

Die Fragen stellte Klaus Krischok, Leiter des Goethe-Instituts in Sydney
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