Goethe in Südamerika: Deutschlernen in La Paz

Goethe-Institut La Paz: Alles, was Deutschland an Kultur zu bieten hat (Foto: Christian Nusch)
4. November 2010
13 Institute, acht Goethe-Zentren, 24 Kulturgesellschaften – das Goethe-Institut ist in Südamerika präsent wie nie zuvor. In der bolivianischen Hauptstadt La Paz ist das deutsche Kulturinstitut bereits seit 45 Jahren aktiv. Dort wird allerdings nicht nur Deutsch gelehrt, sondern auch die deutsche Kultur in ihrer Vielseitigkeit vorgestellt. Von Katharina Nickoleit
Die neuen Kurse haben angefangen, und im Goethe-Institut in Boliviens Hauptstadt La Paz herrscht ein reges Kommen und Gehen. Die meisten Schüler, die sich in dem hübschen, denkmalgeschützten weißen Altbau zum Deutschunterricht anmelden, sind Anfang 20. So wie Cyntia Ablas: „Ich möchte gerne meinen Master in Deutschland machen, und damit ich mich um einen Studienplatz und ein Stipendium bewerben kann, mache ich hier einen Deutschkurs.“ Die 22-Jährige ist eine von rund 500 Kursteilnehmern, die sich jedes Jahr für einen Deutschkurs am Goethe-Institut in La Paz einschreiben. Wie fast überall in Südamerika ist Goethe auch in Bolivien die einzige Einrichtung, in der Erwachsene Deutsch lernen können.
Alles, was Deutschland an Kultur zu bieten hat
Deutschkurse sind aber bei weitem nicht das Einzige, was das Goethe-Institut in La Paz anbietet. Mindestens ebenso wichtig ist die Kulturarbeit. Cyntia fand vor allem das Konzert einer deutschen Jazzgruppe großartig. Die Palette an Kulturveranstaltungen ist so breit, wie das Kulturangebot in Deutschland: eine Gerhard Richter-Ausstellung mit Originalen im Nationalmuseum – sicherlich in La Paz einer der kulturellen Höhepunkte des Jahres 2009. Ein Seminar zum Thema Migration, geleitet von einem deutschen Professor. Ein Workshop mit einer Graffiti-Künstlerin aus Leipzig, dessen krönender Abschluss das Gestalten einer öffentlichen Wand in La Paz ist. „Es geht uns nicht nur darum zu zeigen, was es an klassischer Kunst aus Deutschland gibt, sondern wir möchten genauso die deutsche Gegenwarts- und Subkultur vorstellen“, erklärt Sigrid Savelsberg, die Leiterin des Goethe-Institutes in Bolivien. Als urdeutsche Einrichtung fördert das Goethe-Institut auch Künstler, die sich mit deutschem Kulturgut beschäftigen. „Es gab da zum Beispiel einen Regisseur, der ein Theaterstück von Roland Schimmelpfennig inszenieren wollte. So etwas unterstützen wir natürlich.“ Und manchmal geht es auch um ganz Praktisches: Beispielsweise in einem Seminar, in dem die Teilnehmer lernen, wertvolle historische Dokumente zu restaurieren.Regionale Zusammenarbeit
Zur Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit veranstaltet das Goethe-Institut allein in La Paz jedes Jahr zwischen 40 und 50 Kulturevents, zu denen Künstler und Intellektuelle aus Deutschland eingeladen werden. Damit sich die Kosten für die Veranstaltungen im Rahmen halten, werden die Besuche vom Goethe-Institut in São Paulo koordiniert, das für die Gäste immer eine Rundreise zu mehreren Instituten in Südamerika organisiert.
Fotostrecke: Sehenswertes in und um La Paz
Die Institute in Brasilien, Argentinien und Chile sind wesentlich größer als die Dependance in Bolivien, und erreichen auch einen noch erheblich größeren Kreis an Menschen, die sich für Deutschland und seine Kultur und Sprache interessieren. Alles in allem verzeichnen die Goethe-Institute in Südamerika jährlich rund 21.000 Einschreibungen für ihre zweimonatigen Deutschkurse – rund 8.400 Menschen lernen so jedes Jahr Deutsch, die meisten belegen gleich mehrere Kurse hintereinander. Und das Interesse daran, Deutsch zu lernen, nimmt durch die Globalisierung überall in Südamerika zu.
Neben Deutschkursen und Kulturarbeit ist die Weiterbildung von südamerikanischen Deutschlehrern eine weitere große Aufgabe der Goethe-Institute. „Wir veranstalten Seminare und schicken Lehrer mit Stipendien nach Deutschland, damit sie auf dem Laufenden bleiben, was sich in Deutschland tut und in ihrem Unterricht ein aktuelles Deutschlandbild vermitteln können“, erklärt Sigrid Savelsberg. „Denn nichts ist langweiliger als ein Lehrer, der immer nur davon erzählt, wie es vor 20 Jahren ausgesehen hat.“










