Musikalisches Miteinander: Jetzt wird’s babylonesk!

Screenshot aus dem Kutiman-Video
25. September 2012
Ja, ja, das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, das wissen wir. Und Teamwork ist ohnehin unglaublich wichtig. Aber wie soll es funktionieren, wenn die Teamplayer gar nicht wissen, dass sie zusammenarbeiten? So! Von Jörg Süßenbach
Trans-, inter-, multi- oder hyperkulturelles musikalisches Miteinander? Schon bei dem Versuch, passende Begriffe für Austauschprozesse zwischen Musikern unterschiedlicher kultureller Herkunft zu identifizieren, wird es schwierig.
Mein Tipp des Monats
Einmal im Monat präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle eine Kulturempfehlung. Reihum bitten wir die Experten aus den verschiedenen Fachbereichen des Goethe-Instituts um ihren ganz persönlichen Tipp. Ob Klassiker oder Neuheit, Geheimtipp oder Hochkultur – gefragt ist, was gefällt.
Nicht weniger herausfordernd ist die Bestimmung von Kriterien zur Bewertung dieses Geschehens. Ist die Durchdringung der Musik des anderen seriös und intensiv genug gewesen? Ist das hörbar? War der Umgang respektvoll? Gab es einen Austausch auf Augenhöhe oder dominierte die eine die andere Seite? Welche Rolle spielte Geld und Copyrights? Muss nicht der Prozess viel stärker gewichtet werden als das Ergebnis? Wird diese Karte aber möglicherweise zu schnell gespielt, wenn es darum geht unbefriedigende Resultate zu legitimieren ...?
Einmal im Monat präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle eine Kulturempfehlung. Reihum bitten wir die Experten aus den verschiedenen Fachbereichen des Goethe-Instituts um ihren ganz persönlichen Tipp. Ob Klassiker oder Neuheit, Geheimtipp oder Hochkultur – gefragt ist, was gefällt.
Vor dem Hintergrund der dynamisch zunehmenden Möglichkeiten sich heute ohne Aufwand Musik fremder Provenienz aneignen zu können, sind dies auch und gerade für die Musikarbeit des Goethe-Instituts wichtige Fragen. Ganz erschöpft von diesen anspruchsvollen Reflexionen des eigenen Tuns stolperte ich unlängst über dieses Video:
Ein langhaariger Youngster daddelt in seinem Übungsraum ein wenig am Schlagzeug herum, um dann in einem hypernervösen Drum’n’Bass-Groove zu landen. Cut. Soloeinsatz der Tsouras (Bouzoukifamilie), gespielt in einem griechischen Jungszimmer. Cut. Jetzt beide gemeinsam. Cut. Ein Synthesizer schaltet sich ein und grundiert das Geschehen mit Basstönen. Cut. Unterstützung durch eine Dame an der Kirchenorgel. Im Verlauf weitere Auftritte von Daburkas, Heerscharen exotischer analoger Synthies, Drummaschinen, Sequenzern und anderem, garniert mit Mawal-Gesängen und alles verbunden durch ein Metrum und durch ein borduntonartiges harmonisches Grundgerüst.
DJ Kutiman ist der Mann, der unabhängig voneinander ins Netz gestellte Amateurvideos miteinander verbindet – eine trans-, inter-, multi-, hyperkulturelle, clever synchronisierte, babyloneske Bricolage. Großartig – auch ohne Dialog auf Augenhöhe und tiefe Durchdringung der Musik des jeweils anderen durch die Interpreten.
Jörg Süßenbach leitet seit 2004 Bereich Musik am Goethe-Institut. Davor war er als Musiker, Musiklehrer, Dramaturg, Pressereferent, Hochschuldozent, Musikjournalist und Leiter eines Kulturbetriebs in der Schweiz und in Deutschland tätig. Auf Trab halten ihn zwei Kinder, in Form die täglichen Fahrradfahrten ins Goethe-Institut und bei Laune Berge, gute Bücher und Filme. Und natürlich anspruchsvolle und/oder anregende Musik jedwelcher Herkunft.










