Laptop, Smartboard, Powerpoint: "Schule interaktiv"

Die Europaschule Bornheim war 2005 bereit, ihren Lernalltag mit neuen Medien zu verändern. Deshalb wurde sie neben drei anderen Schulen von der Deutschen Telekom Stiftung für das Projekt "Schule interaktiv" ausgewählt. Die Schule stellte sich pädagogisch, organisatorisch und personell neu auf. Der Kraftakt hat sich für alle Beteiligten gelohnt.
Jutta Heimann-Feldhoff unterrichtet Deutsch in der zehnten Klasse der Gesamtschule Bornheim. Ein Autorenporträt muss erstellt und im Vortrag präsentiert werden. Die Aufgabe ist klassisch, die Lösung modern. Denn die Schülerinnen und Schüler sollen im Internet recherchieren und ihre ausführliche Präsentation am Computer erarbeiten. Und sie sollen die Handreichungen für ihre Mitschüler zum Herunterladen im digitalen Kursforum abgelegen. Hierfür stehen Laptop, Internet, Powerpoint, Beamer und Smartboard bereit. Jeder muss selber überlegen, welches Medium wofür am besten geeignet ist – und wie viele Medien sinnvoll für die Aufgabe eingesetzt werden können.
Heimann-Feldhoff ist nicht nur Deutsch- und Mathematiklehrerin. Sie sitzt auch in der fächerübergreifenden Steuerungsgruppe des Projektes "Schule interaktiv", das mediengestützte Unterrichtskonzepte sowie deren sinnvollen Einsatz entwickeln und erproben soll. Um die individuelle Förderung von Kindern mit neuester Technik zu unterstützen und dadurch zu Medienkompetenz zu erziehen, stellte die Deutsche Telekom Stiftung ab 2005 für drei Jahre rund 1,9 Millionen Euro zur Verfügung. Neben der Gesamtschule Bornheim gehören das Wöhlergymnasium aus Frankfurt am Main, das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Leipzig und die 56. Mittelschule in Leipzig zu den beteiligten Schulen. Ausgewählt wurden sie, weil ihre Leitungen mit der Unterstützung des Lehrerkollegiums im Rücken den Mut zum Wandel aufbrachten. Laptops, Scanner, digitale Kameras und Beamer, aber auch ein Systemadministrator gehören seitdem zum Schulalltag.
Mut zum Wandel
"Durch den Einsatz neuer Medien werden Schülerinnen und Schüler aktiver – auch beim Denken", sagt Heimann-Feldhoff. Da ein Problem etwa im Mathematikunterricht allen gleichzeitig präsentiert und durch geeignete Software Lösungshilfen gegeben würden, gelange "jeder Schüler in individueller Weise und in Grenzen auch in individueller Zeit zum Ziel. "Mit "Schule interaktiv" treten Schüler und Lehrer in ein ganz neues Arbeitsverhältnis: möglichst ohne Frontalunterricht und mit nachhaltigem Lernerfolg. Der Lehrer ist kein Wissensvermittler mehr, sondern Koordinator, Moderator und Partner, dem auch ein Schüler einen "Kniff" im Umgang mit neuer Software zeigen kann. Zusätzlich übernimmt die Schule mehr Verantwortung bei der Vermittlung von Medienkompetenz, die zu den Schlüsselqualifikationen zählt. In Bornheim bekommen schon Fünftklässler eine Einführung in Internetrecherche, in der auch das Thema Sicherheit aufgegriffen wird. Im Kunstunterricht, der in der Europaschule einen großen Stellenwert genießt, lernen Schüler, was Bildmanipulation bedeutet, indem sie mit Laptop, Internet und Bildbearbeitungsprogrammen Raffaels Gemälde "Die heilige Familie" analysieren und verfremden. Mit jedem Schuljahr sollen die Schülerinnen und Schüler so besser in der Lage sein, Medien sinnvoll auszuwählen, Medienbeiträge selbst zu gestalten, die Beiträge anderer zu beurteilen und Medieneinflüsse kritisch zu hinterfragen.
Auch Lehrer mussten lernen
In Bornheim hat der Weg zur interaktiven Schule vor allem auch dem Kollegium viel abverlangt. Bei einigen Lehrerinnen und Lehrern schloss das die Bereitschaft, die Scheu vor moderner Technik abzulegen, ausdrücklich mit ein. Mit Erfolg: In der Europaschule sind die Computer im Lehrerzimmer, auf denen auch ein neues Verwaltungsprogramm des Schulnetzwerkes läuft, das der Transparenz und besseren Zusammenarbeit aller dienen soll, ständig belegt.
"Die Arbeit an der Schule hat sich tief greifend geändert", betont Jutta Heimann-Feldhoff. Das betreffe die Raumnutzung und die Stundenplanstruktur, aber auch die Kommunikation: "Das Wichtigste ist für mich der große, auch fächerübergreifende Austausch, der sich durch den Einsatz neuer Medien ergeben hat, und die daraus resultierende Zusammenarbeit von Kollegen und Kolleginnen. Insofern trägt das Projekt zu einer Schulentwicklung im Ganzen bei." Und auch der stellvertretende Schulleiter Christoph Becker, zugleich auch Projektkoordinator von "Schule interaktiv", zieht nach drei Jahren mit überdurchschnittlichem Arbeitsaufwand ein positives Resümee: "Es gab bei uns zwar vorher das Fach Informatik, aber jetzt sind alle Fächer einbezogen und die Medien kommen flächendeckend zum Einsatz.".
Unterstützung durch die Wissenschaft
Partner auf diesem neuen Weg, Lehren und Lernen, Organisation und Kommunikation aller Beteiligten in der Schule zu verändern, ist beim Projekt "Schule interaktiv" die Technische Universität Darmstadt. Ein wissenschaftliches Team unter Leitung von Professor Werner Sesink beobachtet die Entwicklung, diskutiert gemeinsam mit den Schulen – und kommentiert, welche Anregungen von den Lehrerinnen und Lehrern kommen. Für Sesink hat sich die "interaktive Schule" nach drei Jahren als sehr erfolgreich erwiesen: "Die Schulen sind hochreflexiv geworden. Schulentwicklung ist als Thema fest verankert." Aber er verhehlt auch nicht, dass es schwierig ist, Evaluation als Instrument für Weiterentwicklung im Kollegium durchzusetzen: Es bleibe die Aufgabe, für die eigene Beurteilung im Sinne von Selbstvergewisserung unter Lehrerinnen und Lehrern mehr Akzeptanz zu erzielen.
Ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Kompetenzen aus den vergangenen drei Jahren geben die vier Modellschulen ab Mitte 2008 in einer so genannten Tandemphase an weitere Kooperationsschulen weiter. Für die Transfer- und Übergangsphase stellt die Deutsche Telekom-Stiftung bis 2010 noch einmal 1,6 Millionen Euro zur Verfügung.
arbeitet als freie Journalistin in Bonn
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Juni 2008











