Wissenschaft und Bildung in Deutschland – Hintergrund

Die deutschen Hochschulen. Ein Überblick

Studenten im Hörsaal; © Johann Saba/Universität BonnStudenten im Hörsaal; © Johann Saba/Universität BonnAn rund 350 öffentlichen und privaten Hochschulen in Deutschland lernen und forschen gegenwärtig gut zwei Millionen Studierende. Annähernd zehn Prozent sind sogenannte „Bildungsausländer“: Studierende ohne deutschen Schulhintergrund. Im gemeinsamen europäischen Hochschulraum mit den gestuften Studiengängen zum Bachelor, Master und Doktor wird das Angebot in Lehre und Forschung immer internationaler.

Die deutsche Hochschullandschaft ist vielfältig differenziert. Sie umfasst rund sechzig oft weltbekannte Kunst- und Musikhochschulen, rund 120 Universitäten mit häufig langer Tradition und seit rund dreißig Jahren inzwischen mehr als 160 Fachhochschulen (FH).

Der Unterschied zwischen den beiden nichtmusischen Hochschultypen: In der FH-Ausbildung werden von Anfang an Verbindungen zur Praxis geschaffen, während Uni-Studenten tiefer in die theoretischen Grundlagen eindringen müssen. Fachhochschulen sind in der Regel Spezialhochschulen beispielsweise für Wirtschaft, Technik oder etwa Erziehung und Sozialarbeit, während die Universitäten durchweg breiter aufgestellt sind – je nach Universität buchstäblich von A wie Astronomie bis Z wie Zoologie. Die Mehrheit aller Studierenden sind Frauen.

Universität Bonn; © Dr. Thomas Mauersberg

Staatlich und privat

Die deutschen Hochschulen werden herkömmlich und bis heute weit überwiegend vom Staat unterhalten; das heißt vom jeweiligen Bundesland, in dem die Ausbildungsstätte liegt. Dabei ist die Forschungsförderung weitgehend wettbewerblich organisiert. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Selbstverwaltungsorganisation der Hochschulen, spielt hier eine Hauptrolle. Sie wird von der Bundesregierung mit einem Pauschalbetrag von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr gefördert.

Daneben stärken Bund und Länder in gemeinsamen „Exzellenzinitiativen“ seit 2005/06 gezielt Spitzenuniversitäten mit Milliarden. Hinzu kommen mehr und mehr auch thematische Wettbewerbe in einzelnen Bundesländern zum Beispiel für neue Technologien. Die globale Steuerung der jeweiligen Uni oder FH obliegt – auch dies ganz im Sinne des Wettbewerbs – ihrem „Hochschulrat“ mit Mitgliedern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München; © LMU MünchenKnapp ein Viertel der Hochschulen ist privat, aber staatlich anerkannt. Typischerweise handelt es sich bei den „Privaten“ um Fachhochschulen mit dem Schwerpunkt in Lehre und Ausbildung, neuerdings auch mit Fortbildungs-Programmen für Berufstätige. Nur wenige Privatanbieter sind mit Universitäten gleichgestellt. Knapp die Hälfte wird von den großen christlichen Kirchen getragen, etwa für soziale Berufe. Bislang gehen rund 100.000 beziehungsweise nur knapp fünf Prozent aller Studierenden auf die nichtstaatlichen Hochschulen.

Kein Wunder: Viele nehmen hohe Studiengebühren, mitunter mehrere zehntausend Euro im Jahr. Hingegen verlangen staatliche Institutionen höchstens fünfhundert Euro pro Semester, und auch das nur in wenigen Bundesländern.

Neu: Bachelor und Master

Deutsche Forschungsgemeinschaft; © DFGZentrale Herausforderung aller deutschen Hochschulen ist die Studienreform mit der Einführung der internationalen Abschlüsse Bachelor und Master. Auf diese Neuerung haben sich die Staaten der Europäischen Union (und Anrainer) schon 1999 verständigt, um einen „gemeinsamen europäischen Hochschulraum“ zu schaffen. Dabei ist hochschulpolitisch noch weitgehend ungeklärt, wie vielen Bachelor-Absolventen der Übergang zum Masterstudium offen sein soll: jedem, sagen die einen in Deutschland, nur jedem Dritten sagen die anderen. Rein praktisch wird die Frage derzeit durch „Zielvereinbarungen“ zwischen der einzelnen Hochschule und dem zuständigen Ministerium beantwortet.

Dabei gelten praktisch für alle Studiengänge örtliche Zulassungsbeschränkungen (Numerus clausus) zugunsten der Bewerber mit den besten Schulnoten oder Erstabschlüssen. Studierende klagen oft (lautstark) über die Arbeitsbelastung der neuen Studienangebote und die studienbegleitenden Prüfungen. Ausländische Interessierte unterstützt der Deutsche Akademische Austauschdienst durch einen freiwilligen Studierfähigkeitstest (www.testAS.de).

Studenten mit Dozenten im Hörsaal; © Frank Homann/Universität Bonn

Inzwischen haben fast vier von zehn Absolventen eines Jahrgangs einen der gestuften Grade, gut dreißig Prozent den Bachelor und sieben den Master. Dabei unterscheiden sich die Titel (anders als traditionelle Diplom-Abschlüsse) nicht mehr danach, ob sie an einer Uni oder FH erworben wurden. Die alten Studiengänge etwa zum Magister sind weitgehend Auslaufmodelle. Allerdings „klemmt“ die Innovation bei einer Reihe von Fächern, die herkömmlich zu einem Staatsexamen führen: etwa in der Medizin, den Rechtswissenschaften oder in der Lehrerbildung. Vor allem Berufsverbände befürchten, der Bachelor könnte als Subprime-Abschluss ihr Berufsbild etwa im Gesundheits- oder Rechtswesen beschädigen.

Studierendengehalt

Absolventen der Universität Bonn; © Volker Lannert/ Universität BonnJeder Student, der durch seine in Deutschland lebende (und arbeitende) Familie finanziell nicht überdurchschnittlich gestellt ist, hat einen gesetzlichen Anspruch auf „Bundesausbildungsförderung“, die Erwerbsarbeit neben dem Studium unnötig macht. Nur aus dem Ausland direkt zugewanderte Studienbewerber haben keinen Anspruch darauf. Die staatliche Hilfe – zum Teil als Darlehen, zum Teil als sozialpolitischer Zuschuss – reicht bis weit in die soziale Mittelschicht.

Zudem kümmern sich offizielle „Studentenwerke“ an jeder Hochschule um kostengünstiges Wohnen, Essen und den Krankenversicherungsschutz für jeden Studierenden. Ferner wirken gesetzlich vorgesehene oder unabhängige Zusammenschlüsse von Hochschülern an der Selbstverwaltung der Alma Mater mit – mit hoher Motivation und manchmal auch sehr lebhaftem Einsatz.

Hermann Horstkotte
arbeitet als Bildungsjournalist in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Oktober 2011

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