Mehr Wettbewerb und Profilbildung – die deutsche Wissenschaftslandschaft

Die Exzellenzinitiative für Spitzenforschung an Hochschulen hat eine neue Dynamik in die deutsche Wissenschaftslandschaft gebracht. Außeruniversitäre Forschungsinstitute spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle. Doch das meiste Geld für Forschung und Entwicklung stammt aus der Wirtschaft.„RWTH 2020: Meeting Global Challenges. The Integrated Interdisciplinary University of Technology“ – so heißt das Zukunftskonzept, mit dem sich die beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (RWTH) Aachen für die nächste Runde der Exzellenzinitiative beworben hat. Es soll einen Prozess weiterführen, der schon vor einigen Jahren begonnen hat. Denn bereits 2007 konnte die Universität mit ihrem ähnlich lautenden Hochschulentwicklungskonzept punkten und wird seitdem für fünf Jahre mit insgesamt 180 Millionen Euro gefördert. „Für uns ist die Exzellenzinitiative ein wichtiges Instrument zur Weiterentwicklung unserer Hochschule“, sagt Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen.
Die Hochschule hat ganz unterschiedliche Maßnahmen umgesetzt: Unter anderem wurde eine Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich ins Leben gerufen, außerdem wurde die interdisziplinäre Forschung gestärkt. Auch sei es der Universität gelungen, Wissenschaftler aus dem Ausland zu gewinnen, etwa im Fachbereich Physik oder für eine Graduiertenschule mit dem Namen „Aachen Institute for Advanced Study in Computational Engineering Science“ (AICES): „Ohne die zusätzlichen Mittel wäre das gar nicht möglich gewesen“, so Ernst Schmachtenberg. Überzeugen konnte die Hochschule beim Elite-Wettbewerb auch mit weiteren Exzellenzclustern und Graduiertenschulen – und der Aachener Rektor hofft, auch mit den Fortsetzungs- und Neuanträgen für die nächste Runde Erfolg zu haben: „Dann hätten wir die einmalige Chance, unser wissenschaftliches Profil noch weiter zu schärfen.“
Exzellenzinitiative soll Leuchttürme der Wissenschaft fördern
2005 wurde die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Spitzenforschung an Universitäten zu fördern. Rund 2 Milliarden Euro flossen in einer ersten Runde in neun Zukunftskonzepte, 39 Graduiertenschulen und 37 Exzellenzcluster. 2012 geht der Elite-Wettbewerb in eine neue Runde. Das Budget wurde noch einmal um gut ein Drittel aufgestockt auf 2,7 Milliarden Euro. Durchgeführt wird sie vom Wissenschaftsrat und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – eine der größten Forschungsförderorganisationen in Deutschland. Der Wettbewerb soll dazu dienen, Leuchttürme in der deutschen Forschungslandschaft zu fördern, was laut DFG-Präsident Matthias Kleiner durchaus gelungen ist: „Die Exzellenzinitiative hat das deutsche Hochschul- und Wissenschaftssystem nachhaltiger verändert als alle anderen Programme der vergangenen Jahrzehnte.“ 2012 werden die Gewinner der neuen Runde bekannt gegeben, die Förderung startet dann im November.
Auch wenn die Exzellenzinitiative die prominenteste Maßnahme ist, die durch die DFG gefördert wird: Mit rund 433 Millionen Euro machte sie 2010 nur etwa 16 Prozent des gesamten Fördervolumens der DFG aus. Mit etwa 894 Millionen Euro flossen weitaus mehr Gelder in die Einzelförderung von Wissenschaftlern. 546 Millionen Euro gingen außerdem an Sonderforschungsbereiche, in denen Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen universitären Fachbereichen zusammenarbeiten.
Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
Eine bedeutende Rolle in der Wissenschaftslandschaft in Deutschland spielen auch die außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die auch an vielen geförderten Projekten der Exzellenzinitiative beteiligt sind. Zu ihnen zählen die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer-Institute, die Leibniz-Gemeinschaft oder die Helmholtz-Gemeinschaft. 2009 investierten die außeruniversitären Forschungseinrichtungen laut Statistischem Bundesamt insgesamt 9,9 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Das waren 6,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Die Helmholtz-Gemeinschaft zum Beispiel verfügt über ein Budget von rund 3,3 Milliarden Euro. Die etwa 31.000 Wissenschaftler der 17 Forschungszentren forschen in sechs Bereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. „Die Helmholtz-Mission ist es, Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch strategisch-programmatisch ausgerichtete Spitzenforschung zu leisten“, sagt Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, „dabei forschen wir zusammen mit nationalen und internationalen Partnern und vor allem mit den Universitäten“.
Offenbar mit Erfolg: Wissenschaftler der Helmholtz-Gemeinschaft wurden schon mehrfach mit einem Nobelpreis ausgezeichnet. 2008 bekam Harald zur Hausen den Nobelpreis für Medizin für seine Entdeckung, dass Gebärmutterhalskrebs durch Virusinfektionen ausgelöst wurde. Das hatte er am Deutschen Krebsforschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft erforscht. 2007 ging der Nobelpreis für Physik an Peter Grünberg vom Helmholtz-Forschungszentrum in Jülich für seine Entdeckung des Riesenmagnetwiderstandes, der für die Datenspeicherung genutzt wird.
Wirtschaft ist die stärkste Säule
Das meiste Geld für Forschung und Entwicklung geben in Deutschland allerdings die Unternehmen aus. Mit einem Anteil von zwei Dritteln an den Ausgaben bilden sie seit Jahren die größte Säule im Bereich Forschung und Entwicklung. 2009 wendeten sie laut Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft rund 45,3 Milliarden Euro für die interne Forschung und Entwicklung auf. Dazu kamen Forschungsaufträge in Höhe von 4,4 Milliarden Euro. Diese gingen nicht nur an Hochschulen oder außeruniversitäre Forschungseinrichtungen im Inland, sondern zunehmend auch an Unternehmen außerhalb von Deutschland.
Zudem steigt die Bedeutung von Dienstleistungsunternehmen, etwa im Bereich der Softwareentwicklung: „Heute findet sich bereits gut 15 Prozent des Personals für Forschung und Entwicklung in dieser Branche“, sagt Gero Stenke, Geschäftsführer der Wissenschaftsstatistik gGmbH des Stifterverbandes, die die Erhebungen zu den Forschungsaktivitäten der Unternehmen durchführt, „Anfang der 1990er-Jahre waren es nur fünf Prozent.“
arbeitet als freie Bildungsjournalistin, Dozentin und Moderatorin in Köln.
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November 2011
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