Bücher übersetzen –
Brücken schlagen

Arbeitsstipendien für Übersetzer Foto (Ausschnitt): © Colourbox

Arbeitsstipendien für Übersetzer

Das europäische Übersetzer-Residenzprogramm des Goethe-Instituts in Kooperation mit der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen bietet professionellen Literaturübersetzern aus dem Ausland ein Arbeitsstipendium in Deutschland an.

Ziel des Aufenthalts ist es, sich in ruhiger, konzentrierter Atmosphäre der Arbeit an einem aktuellen Projekt aus dem Bereich der deutschsprachigen Belletristik zu widmen. Die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. stellt hierfür eine Wohnung auf dem Gelände ihres Seminarzentrums Gut Siggen an der Ostsee (Schleswig-Holstein) zur Verfügung. Ein weiterer Arbeits- und Wohnort ist das Stipendiatenhaus der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen in der Gartenstadt Dresden-Hellerau.

Bitte beachten Sie unsere aktuelle Ausschreibung für die Stipendien 2018.
Bewerbungsschluss ist der 28. Februar 2018.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Bewerbungsseite.

Bewerbungsformular

Stipendiumsorte

Frische Seeluft oder prachtvolle Barockarchitektur, Natur oder Stadtleben – die beiden Stipendiumsorte Dresden-Hellerau und Gut Siggen sind durchaus unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen eine freundliche, offene Atmosphäre und die Möglichkeit zum konzentrierten Arbeiten. Wir stellen sie näher vor.

Seminarzentrum Gut Siggen - Aussicht vom Haupthaus Impressionen Gut Siggen Seminarzentrum Gut Siggen - Aussicht vom Haupthaus | Foto: © Fria Hagen
Siggen gehört zu den ältesten Gütern in Ostholstein. Seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Das Herrenhaus von 1784 wurde mehrfach umgebaut und die Wirtschaftsgebäude wurden 1934 nach einem Brand neu errichtet. Seit 1970 nutzt die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. das Seminarzentrum verstärkt für ihre Aktivitäten. Hier finden u.a. Sommerakademien, Konzerte, Alumnitreffen und Tagungen statt. Das hochmoderne neue Seminargebäude komplettiert seit 2007 das architektonisch sehr reizvolle Ensemble.

Gut Siggen liegt abgeschieden und ruhig – ungefähr 20 km östlich von Oldenburg in Holstein, 70 km nördlich von Lübeck und 70 km östlich von Kiel. In nur 15 Minuten erreicht man zu Fuß den Ostseestrand, der gute Bademöglichkeiten bietet.

Übersetzerwohnung Gut Siggen Übersetzerwohnung Gut Siggen | Foto: © Kirsten Haarmann Die Übersetzerin / der Übersetzer ist in einer 45 Quadratmeter großen Wohnung direkt auf dem Gut untergebracht. Die Wohnung verfügt über zwei Schlafräume mit jeweils einem Einzelbett, ein Arbeitszimmer mit einem Schreibtisch sowie ein Duschbad und eine Küche. Im Arbeitszimmer ist der Zugang zum Internet gewährleistet. Ein Laptop mit Drucker sowie ein Basis-Handapparat sind vorhanden. Spezielle Nachschlagewerke sollten jedoch mitgebracht werden. Das Büro im Seminargebäude und die dort befindlichen Geräte wie Drucker und Kopierer können mitbenutzt werden. Bei parallel laufenden Veranstaltungen im Seminargebäude sollte sich die Übersetzerin / der Übersetzer mit den jeweiligen Seminarleitern bezüglich der Nutzung des Büros abstimmen. Die Bibliothek im Herrenhaus dient ebenfalls als Lese- und Arbeitsort. Musikinstrumente, Fahrräder und Freizeitsportgeräte sind vorhanden und können bei Bedarf genutzt werden.
Stipendiumsort Dresden-Hellerau - Anwesen Impressionen Stipendiumsort Dresden-Hellerau Stipendiumsort Dresden-Hellerau - Anwesen | Foto: © Peter Hausdorf - zur Verfügung gestellt von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Seit 1909 entstand am nördlichen Dresdner Stadtrand die Gartenstadt Hellerau. Grundgedanke der Siedlung nach englischem Vorbild war es, durch die räumliche Verschmelzung von urbanem und ländlichem Leben, von Wohnen und Arbeit, Kultur und Bildung ein reformerisches Gegenmodell zu Verstädterung und Industrialisierung zu schaffen. So herrschte in Hellerau von Beginn an ein Nebeneinader von Handwerk und Kunst.  Designgeschichte schrieb etwa die Möbelproduktion der „Deutschen Werkstätten Hellerau“. Das von Heinrich Tessenow erbaute Festspielhaus hatte in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg europaweite Ausstrahlung. Das Haus des Verlegers und Übersetzers Jakob Hegner wurde zu einem Zentrum der literarischen Szene in Deutschland. Das gesamte historische Areal steht heute unter Denkmalschutz.

Das Festspielhaus Hellerau Foto: Katja Zehrfeld In den letzten Jahren hat sich Hellerau zu einem attraktiven Kulturzentrum Dresdens entwickelt. Das Festspielhaus beherbergt das Europäische Zentrum der Künste, welches innovative Aufführungen zeitgenössischer Musik sowie Tanzprojekte und Medienkunst präsentiert. Die Häuser der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen liegen direkt auf dem Gelände des Festspielhauses. Es besteht eine gute Verkehrsanbindung zur Dresdner Innenstadt (mit der Straßenbahn ca. 20 Minuten).

Die Übersetzerin / der Übersetzer ist in einer ca. 50 Quadratmeter großen Wohnung im ersten Stock eines um 1910 erbauten und 1996 komplett renovierten Sommerhauses untergebracht. Die Wohnung verfügt über ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer mit Balkon, eine Küche und Bad. Es besteht die Möglichkeit zur Gartennutzung. Ein Internetanschluss ist vorhanden. Der Kopierer im Büro der Kulturstiftung kann mitbenutzt werden. Als Universitätsstadt verfügt Dresden über zahlreiche öffentliche Bibliotheken. Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek ist mit ca. 8,6 Millionen Einheiten eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland.

Stipendiatinnen & Stipendiaten 2017

Stipendiumsort: Dresden–Hellerau

Ewa Szymani, Polen Foto (Ausschnitt): © Ewa Szymani geboren 1970 in Wroclaw. Sie ist Germanistin und war von 2000 bis 2013 Dozentin am Lehrstuhl für Deutsche Literatur bis 1848 im Institut der Germanischen Philologie an der Universität Wroclaw/Breslau. Ihre Forschungsschwerpunkte waren das deutsche Drama der Nachkriegszeit, der deutsch-polnische Kulturtransfer, die deutsche Frühromantik und die polnische Romantik, die Philosophie und die Dichtung von Friedrich Hölderlin.
2003 erschien ihre Übersetzung des Romans Heinrich von Ofterdingen von Novalis. Zwischen 2000 und 2010 übersetzte sie Theatertexte des polnischen Autors Tomasz Man ins Deutsche.
In den letzten Jahren erschienen zahlreiche ihrer wissenschaftlichen und literarischen Übersetzungen ins Polnische, zudem arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin ins Deutsche.
2015 erschien ihre Übersetzung des Gedichtbandes Miss Suki oder Amerika ist nicht weit von Utz Rachowski. Dazu fanden zweisprachige Lesungen mit Utz Rachowski in Wroclaw/Breslau statt.

Sie ist Gründerin der Grass-Roots-Stiftung Fundacja SKENE. Die Aufführung „Stadt der Zukunft“ fand im Pop-Up-Pavillon des Goethe-Instituts Krakau in Wroclaw im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas statt. In die Aufführung wurde die Erzählung Sebastian von Utz Rachowski aufgenommen.

In Dresden-Hellerau übersetzte sie ausgewählte Erzählungen von Utz Rachowski, die unter dem Titel Targ łakoci (Naschmarkt) im Dezember 2017 erschienen.

Stipendiumsort: Dresden–Hellerau

Seong Man Choi, Südkorea Foto (Ausschnitt): © Seong Man Choi 1956 in Iksan (Korea) geboren. Er studierte Germanistik und Philosophie in Seoul und Berlin. 1995 promovierte er mit einer Studie über Walter Benjamin an der Freien Universität in Berlin. Er ist seit 1995 als Professor für Germanistik an der Ewha Womans University in Seoul tätig.

Im Mittelpunkt seiner Forschung und Lehre liegen, neben Benjamin und Theodor W. Adorno, deutsche Literaturwissenschaft und –kritik sowie moderne deutsche Ästhetik. Er unterrichtet neben neuerer deutscher Literatur auch Kurse wie „Übung zur Übersetzung deutscher landeskundlicher Texte“, „Deutsche Kultur im europäischen Kontext“ und „Moderne und Postmoderne.“

Seit 2007 leitet er mit anderen Benjamin-Experten in Korea das Projekt zur Übersetzung ausgewählter Schriften Benjamins ins Koreanische. Bis 2017 sind acht von insgesamt 15 Bänden erschienen. Die meisten sind von ihm übersetzt und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Außerdem liegen folgende Übersetzungen vor: Gershom Scholem, Walter Benjamin: Die Geschichte einer Freundschaft, Christoph Wulf / Gunter Gebauer: Mimetische Weltzugänge: Soziales Handeln ― Rituale und Spiele ― ästhetische Produktionen.

In Dresden-Hellerau arbeitete er an der Übersetzung des Memoirenwerks weiter leben: Eine Jugend von Ruth Klüger.

Stipendiumsort: Dresden–Hellerau

Regaip Minareci, Türkei Foto (Ausschnitt): © Regaip Minareci Geboren 1955 in Istanbul. Journalistin, Lektorin und freiberufliche Übersetzerin.

Nach dem Abitur in München studierte sie Elektrotechnik an der Technischen Universität München. In der Türkei arbeitete sie unter anderem als Korrespondentin für Auslandsnachrichten für die Tageszeitungen Tercüman und Bulvar, als Verlegerin und Chefredakteurin bei Milliyet und Hürriyet, und als Chefredakteurin beim Zeitschriftenverlag Hürriyet Doğan Burda. Neben ihren journalistischen Tätigkeiten arbeitete sie stets auch als Übersetzerin für Literatur und war zuletzt leitende Lektorin beim Boyut Verlag. Seit ihrer Pensionierung 2010 widmet sie sich ausschließlich dem Übersetzen von Literatur. 2016 erhielt sie den "Übersetzerpreis Tarabya" für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. Im selben Jahr erschien ihre Übersetzung von Kafkas Briefe an den Vater. 2017 war sie Translator in Residence am Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen.

In Dresden-Hellerau arbeitete sie an der Übersetzung von Karen Köhlers Erzählband Wir haben Raketen geangelt.

Stipendiumsort: Gut Siggen

Alexandra Gorbowa, Russland Foto (Ausschnitt): © Alexandra Gorbowa wurde 1988 in Leningrad (heute St. Petersburg) geboren. Sie studierte dort an der Staatlichen Universität Romanistik und Germanistik und machte ihren Master in Vergleichender Literaturwissenschaft. Seit 2011 ist sie als freie Übersetzerin und Lektorin tätig und unterrichtet Spanisch und Deutsch. Zu ihren Literaturübersetzungen zählen das Theaterstück Constellations von Nick Payne, das autobiographische Werk Sieben Jahre in Tibet von Heinrich Harrer und die Romane Inés del alma mía von Isabel Allende und Tschick von Wolfgang Herrndorf. Ihre Übersetzung von Tschick wurde 2016 mit dem Merck-Übersetzerpreis ausgezeichnet und das Theaterstück nach diesem Roman, ebenfalls von ihr übersetzt, läuft zurzeit in verschiedenen Städten Russlands.

Alexandra Gorbowas Arbeitsschwerpunkt ist Kinder- und Jugendliteratur; sie beteiligt sich an der Übersetzung der Reihe Die Kinder-Uni und hat als Lektorin an Finn-Ole Heinrichs Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt (übersetzt von Vera Komarowa) mitgearbeitet.

In Gut Siggen arbeitete sie an der Übersetzung des Kinderbuches Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul von Verena Reinhardt.

Stipendiumsort: Gut Siggen

Tomasz Ososiński, Poland Foto (Ausschnitt): © Tomasz Ososiński Geboren 1975. Er ist akademischer Lehrer, Autor und Übersetzer; arbeitet in der Na­tional­bibliothek, an der Universität in Łódź und in der Linguistischen Hochschule in Warschau. Als Autor von wissenschaftlichen und literarischen Beiträgen im Verlag Zeszyty Poetyckie ist sein Band Fünf Fabel erschienen. Der Verlag Wydawnictwa Uniwersytetu Warszawskiego veröffentlichte seine Monographie zur Ironiekonzeption von Friedrich Schlegel unter dem Titel Ironia i jednostka. Tomasz Ososiński ist Begründer und erster Vorsitzender des Polnischen Literatur­über­setzer­verban­des. Er übersetzte aus dem Lateinischen und Deutschen, u.a. Friedrich Schlegel, Johann Georg Hamann, R. M. Rilke, Gottfried Benn, Paul Celan, Judith Hermann, Elfriede Jelinek und Jan Wagner (in der letzten Zeit sind Schmargendorfer Tagebuch von R. M. Rilke und Rilkes Briefwechsel mit Clara Rilke-Westhoff in seiner Über­setzung erschienen). Er organisiert kulturelle Veranstaltungen, u.a. die Treffen der Übersetzer der deutschen Literatur, und arbeitet mit der Robert-Bosch-Stiftung und dem Goethe-Institut zusammen.

Auf Gut Siggen arbeitete er an der Übersetzung von Hannah Arendts und Günther Stern-Anders Rilkes Duineser Elegien.