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Demokratische Republik Kongo

Elima - NoBody
#Kinshasa

Fighting Demons von Mukenge/Schellhammer zeigt eine ausdrucksstarke, surrealistische Szene mit einer violetten, dämonenartigen Figur, scharfen Zähnen, krallenartigen Händen und stilisierten Flammen. Im Zentrum befindet sich eine kugelförmige, schraffierte Form, die von einem leuchtenden gelben Halo umgeben wird. Kräftige Violett-, Gelb-, Grau- und Rosatöne sowie die Kombination aus Malerei und Zeichnung erzeugen eine dynamische Bildsprache, die Themen wie innere Konflikte, Transformation und Vorstellungskraft visualisiert. © Mukenge/Schellhammer

Eine Ausstellung zu Fragen von Autorschaft, Körperlichkeit und kollektiver Existenz.
Elima - NoBody lief vom 13. März bis 01. Mai 2026 im Musée d'Art Contemporain et Multimédia Kinshasa.

Kuratiert von Dr. Nadia Ismail.
„Aber ist es möglich, sich ein Kunstwerk ohne Schöpfer:in vorzustellen, ohne ein:e Künstler:in, der/die es geschaffen hat?“
Valentin-Yves Mudimbe

Ausstellungsansicht von Elima – NoBody mit großformatigen Gemälden in leuchtenden Violett-, Grün-, Gelb- und Rosatönen von Mukenge/Schellhammer im Museum für zeitgenössische Kunst in Kinshasa. © Sym Kalonji

Elima ist ein Zustand, in den sich eine Person versetzen kann. Ein Zustand, der über das Physische hinausgeht. Der Zustand wird erreicht durch die Initiation in einen bestimmten Wissensbereich oder besondere angeborene Fähigkeiten.“ - Christ Mukenge -

Transnationale künstlerische Praxis

Bereits in dem bewusst zweisprach gewählten Titel der Ausstellung, spiegeln sich die verschiedenen transkulturellen Bedeutungsebenen wieder. Der aus der Bantusprache Lingala stammende Begriff „Elima“ ist in der präkolonialen Zeit durchweg positiv konnotiert und bewegt sich zwischen Wissen, Bildung, Weisheit und Bewusstsein und umfasst kognitive wie ethische und soziale Dimensionen. Er bezeichnet nicht nur das Ansammeln von Informationen, sondern ein reflektiertes, verantwortliches und oft gemeinschaftlich verankertes Verstehen. Erst mit Einzug des Kolonialismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich sukzessive die Bedeutungsebene von Elima und generiete zum Synonym für einen bösen Geist oder negative Energie.

Diese bedeutungsschwere Verschiebung offenbart die Kontextualisierung von Sprache.

Ähnlich verhält es sich mit dem englischen Begriff Nobody, der zunächst schlicht mit „niemand“ übersetzt werden kann. Auf der grundlegendsten Ebene bezeichnet „nobody“ das Fehlen einer Person: Es ist niemand da, niemand zuständig, niemand verantwortlich. In dieser Funktion markiert es eine Leerstelle oder Abwesenheit. Doch entfaltet er – je nach Kontext – unterschiedliche Bedeutungsebenen, die weit über die reine Verneinung hinausgehen. Im übertragenen Sinn kann „a nobody“ eine Person bezeichnen, die gesellschaftlich unbedeutend oder unbekannt ist. In Film, Musik und Kunst hingegen, steht „Nobody“ häufig für den Antihelden oder die unscheinbare Figur, die unterschätzt wird. Das „Niemand“-Sein wird zum Ausgangspunkt einer Ermächtigung: Gerade weil jemand als unbedeutend gilt, besitzt er oder sie Handlungsspielräume jenseits gesellschaftlicher Erwartungen.
 

Zwei Personen (Mukenge und Schellhammer) vor einer dunklen Kunstinstallation mit schwarzen, kegelförmigen Stoffelementen. © Simeon Kalonji

Mukenge/Schellhammer nutzen diese sprachlichen Variationen als Akt der Selbstermächtigung und stoßen einen multiperspektivischen Diskurs über das Medium der Malerei an, der die feinen Nuancen transkultureller Aushandlunsprozesse in den Blick nimmt.

Das DUO als künstlerisches System

Mit Elima – NoBody präsentiert das transnationale Künstler:innen-Duo Christ Mukenge und Lydia Schellhammer eine Ausstellung, die Fragen von Autorschaft, Körperlichkeit und kollektiver Existenz in den Mittelpunkt stellt. Die Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Installation, performativer Praxis und konzeptueller Forschung und entwickeln eine künstlerische Sprache, die sich bewusst von einer individualisierten Urheberschaft entfernt.

„Aber ist es möglich, sich ein Kunstwerk ohne Schöpfer:in vorzustellen, ohne ein:e Künstler:in, der/die es geschaffen hat?“
- Valentin-Yves Mudimbe -


Die Frage des Kongolesischen Theoretikers Valentin-Yves Mudimbe geben die Künstler:innen an das Publikum weiter, indem sie eine künstlerisch Praxis offerieren, die die üblichen Kategorien von Malerei und Autor:innenschaft überwinden. Damit fordern und fördern sie den internationalen Diskurs über die Deutungshoheit von Kunst und Einflussnahme durch die Gesellschaft. 

Die Haltung und Arbeitsweise von Mukenge/Schellhammer ist nachhaltig von der Kunstströmung des Partagisme geprägt, die in Kinshasa in Zentralafrika ihren Urpsrung fand:
„Partagisme bezeichnet eine Bewegung radikal kollektiver Praxis in Kinshasa, die 2014 von Künstler:innen gemeinsam mit Studierenden der Académie des Beaux-Arts de Kinshasa gegründet wurde. Der Begriff leitet sich vom französischen Verb „partager“ (teilen) ab und wird durch die Hinzufügung der Endung „-isme“ zu einer Theorie kollektiver Urheberschaft.“ [Christ Mukenge]  

Partagisme als kollektive Ästhetik

Partagisme versteht Teilen, kollektive Handlung und das Auflösen hierarchischer Strukturen als ästhetische Strategie. So arbeiten mehrere Personen, nach vorher definierten Absprachen, an einer Arbeit, sodass die singulären Handschriften zunehmend ineinander verschwimmen.

Mukenge/Schellhammer gehen noch einen Schritt weiter. So verstehen sie ihre Arbeit zunehmend nicht mehr als das Ergebnis zweier künstlerischer Positionen, sondern als Ausdruck einer eigenständigen Entität: dem DUO. Dieses fungiert als autonomes künstlerisches System, das Entscheidungen, Prozesse und Erscheinungsformen hervorbringt, ohne sich eindeutig auf individuelle Autor:innenschaft zurückführen zu lassen. Elima – NoBody macht Verschiebung sichtbar – der Körper wird unwesentlich, entzieht oder transformiert sich kontinuierlich. Stringent verbindet sich die multimediale Herangehensweise des DUOs, in die der physische Pinselstrich in eine digitale Welt übergeht, um im nächsten Moment als Objekt im ‚Realraum‘ zu erscheinen, während Präsenz und Abwesenheit zugleich verhandelt werden.
Mit deutlichem Bezug auf die kongolesische Kunstgeschichte, die den Ausdruck des Partagisme einführte, untersucht die Ausstellung, wie Identität entsteht, wenn sich das Subjekt auflöst und künstlerische Produktion als relationale, vielstimmige Praxis gedacht wird. Räume, Materialien und narrative Fragmente bilden dabei ein Gefüge, in dem das DUO als handelnde Instanz erscheint – nicht als Summe zweier Künstler:innen, sondern als eigenständige Präsenz.
Mukenge/Schellhammer eröffnen mit Elima – NoBody einen wichtigen Diskurs über Autonomie, kulturelle Identität, Kollektivität und die Möglichkeit einer Kunst jenseits des individuellen Ichs. Die Ausstellung lädt dazu ein, Autorenschaft neu zu denken und Kunst als Prozess gemeinsamer, sich stetig wandelnder Existenz zu erfahren.

„Das ist auch für unsere künstlerische Arbeit sehr wichtig, die sich aus diesem lokalen Kontext entwickelt hat. Im Jahr 2024 haben wir das DUO zu einem von uns unabhängigen Wesen erklärt. Im Laufe unserer langjährigen Zusammenarbeit entstand aus unseren jeweiligen künstlerischen Methoden, Ausdrucksweisen und visuellen Gewohnheiten ein dritter Stil: die Bildsprache des DUOS. Dieses ist zu einem eigenständigen Wesen mit eigenen formalen Besonderheiten und einer eigenen Ästhetik geworden, zu einem zweiköpfigen Monster. Die Entstehung dieses Wesen wollen wir hier präsentieren, indem wir das DUO selbst zu Wort kommen lassen.“ [Mukenge/Schellhammer]

Eine Kooperation des Musée d'Art Contemporain et Multimédia Kinshasa und der Kunsthalle Giessen.
Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Institut Kinshasa.

Vernissage

Elima-NoBody

Tauchen Sie ein in die Vernissage am 13. März 2026. Zwischen Installation, Malerei, Performance und digitaler Bildwelt entsteht ein künstlerischer Kosmos, in dem das „DUO“ selbst als eigenständige kreative Instanz sichtbar wird.
 

Besucher:innen im Gespräch während der Vernissage von Elima - NoBody vor einem großformatigen Kunstwerk in Schwarz, Grau und Neongrün. © Sym Kalonji © Sym Kalonji

Kooperationspartner:innen