Arbeiten in Deutschland Neuanfang in Berlin

O engenheiro informático João Xavier foi para Berlim à procura de desafios profissionais na área dos videojogosComputeringenieur João Xavier ist auf der Suche nach beruflichen Herausforderungen im Bereich Videospiele nach Berlin gegangen.
João Xavier in Berlin | Foto (Ausschnitt): © Goethe-Institut / Luís Bompastor

Spannende Erfahrungen in der internationalen Arbeitswelt, bessere berufliche Chancen und Karrieremöglichkeiten, höhere Gehälter oder die Neugier auf das Leben in der deutschen Hauptstadt: Dies sind einige der Gründe, warum Menschen den Neuanfang in Berlin wagen. Auf welche Herausforderungen sind sie gestoßen?
 

Die deutsche Hauptstadt lockt nach wie vor Tausende junger Menschen aus aller Welt an, doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Zwar ist Berlin eine offene und multikulturelle Stadt, doch kann die Integration schnell misslingen, wenn Deutschkenntnisse fehlen oder die Anpassung an Mentalität und Lebensstil Schwierigkeiten bereitet.

Erwartungen und Chancen

Am 26. August 2014 kam Carolina Silva, gerade 21 Jahre alt, in Berlin an. Eine Woche später trat sie ihre erste Stelle in einem E-Commerce-Unternehmen an. Sie hatte sich nicht wegen der Krise für den Umzug nach Berlin entschieden, sondern weil sie den Arbeitsmarkt eines anderen Landes kennenlernen wollte. „Nachdem ich meinen Bachelor in Journalismus in der Tasche hatte, wollte ich Berufserfahrung im Ausland sammeln und bewarb mich auf verschiedene Praktika in unterschiedlichen Ländern. Damals stellte ich mich auch meinem künftigen Unternehmen vor, bekam die Stelle aber nicht. Ich fand dann einen Job auf meinem Gebiet in Coimbra, aber meine Mitarbeit als Freelancer war zeitlich befristet. Zwei Monate vor Vertragsende nahm ich erneut mit dem Unternehmen Kontakt auf, und dieses Mal bekam ich einen Praktikumsplatz.“ Einige Monate später konnte Carolina einen Arbeitsvertrag für zwei Jahre in der Marketingabteilung unterschreiben.
 
Der Software-Ingenieur João Xavier zog im August 2013 nach Berlin, um dort als Spieleentwickler zu arbeiten. Gebürtig aus Porto, ging er 2010 mit dem Erasmus-Programm nach Toulouse und lebte und arbeitete anschließend in Lissabon. Nach zwei Jahren hatte er das Gefühl, beruflich zu stagnieren, und entschied sich für einen Wechsel. „Ich wollte in der Spielebranche arbeiten. Und ich wollte fort aus Portugal, etwas anderes machen, das mir Spaß macht“, erinnert er sich. Er bekam einige attraktive Angebote aus dem Ausland – eines aus Hamburg, wo er auch ein Vorstellungsgespräch absolvierte. Doch dann ergab sich eine andere Gelegenheit in Berlin. „Ich ging zum Vorstellungsgespräch, rechnete aber nicht damit, die Stelle zu bekommen, denn ich hatte nicht besonders viel Erfahrung mit Spielen“, erzählt João. Doch es klappte – und er zog nach Berlin, in der Tasche ein Gehaltsangebot, das doppelt so hoch war wie sein letztes Gehalt in Portugal.
Carolina woont in Berlijn sinds 2014 Carolina woont in Berlijn sinds 2014 | Foto: © Goethe-Institut / Luís Bompastor

Sprachbarriere und Herausforderungen der Integration

Seine Firma unterstützte ihn beim Umzug in das neue Land: Wohnungssuche, Anmeldung auf dem Einwohnermeldeamt, Eröffnung eines Bankkontos. Dies erleichtert das Ankommen ungemein, wenn man die Sprache nicht spricht. João warnt: „In Deutschland kommt man mit Englisch kaum weiter. Im Vergleich zu den skandinavischen Ländern sind die Englischkenntnisse eher gering. Daher empfehle ich jedem, der über einen Umzug nach Deutschland nachdenkt, zuerst Deutsch zu lernen.“ Bei der Arbeit fühlte er sich nie weniger wert als seine Kollegen, weil er anfänglich kein Deutsch sprach. Aber er erinnert sich an das Unbehagen, sich in einem sozialen Umfeld zu bewegen, ohne dessen Sprache zu sprechen, und mit Deutschen zusammen zu sein, ohne den Gesprächen folgen, geschweige denn an ihnen teilnehmen zu können.
 
Am Anfang nahm er selbst für einfache Dinge wie die Auswahl des Internetanbieters die Hilfe von Freunden mit besseren Deutschkenntnissen in Anspruch. „Es ist nicht ideal, auf andere angewiesen zu sein, um solche Dinge zu regeln. Wenn man das alleine kann, fühlt man sich eher angekommen in seinem Leben und unabhängiger“, so João. Zwar räumt er ein, dass man kein Deutsch sprechen muss, um in Berlin zu leben, aber er denkt, dass echte Integration nur möglich ist, wenn man die Sprache beherrscht. Auch in Bezug auf die Arbeit fielen ihm einige Mentalitätsunterschiede auf: „Die Deutschen spezialisieren sich viel stärker auf einen Bereich. Wenn sie eingestellt werden, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, dann machen sie sonst nichts anderes. Sie sind weniger bereit, anderen einen kleinen Gefallen zu tun oder bei einer Aufgabe zu helfen, die nicht in ihren Verantwortungsbereich fällt. Sie sind weniger flexibel.“
 
Für Carolina fiel die Sprachbarriere weniger ins Gewicht. „Die Stadt ist sehr international, und die meisten Alltagssituationen lassen sich, zumindest am Anfang, mit Englisch gut bewältigen.“ Der größte Unterschied liegt für sie in den Menschen selbst. „Ich glaube, dass die Menschen in Portugal im Allgemeinen viel freundlicher und hilfsbereiter sind.“ Weiterhin berichtet sie, dass die Vorstellung der deutschen Effizienz eher ein Mythos ist als Realität, was man im Alltag überall in der Stadt und vor allem bei Behördengängen schnell merke: „Portugiesen können genauso effizient sein wie Deutsche, aber sie tun ihre Arbeit mit einem Lächeln oder zumindest einem Minimum an Liebenswürdigkeit, ob sie nun bei einer Behörde arbeiten oder im Einzelhandel."

Lernen und neu beginnen

Berlin gilt als Start-up-Hauptstadt Europas und zieht Tausende junger Hochschulabsolventen an, die nicht selten in den Berliner Unternehmen – ob Start-up oder nicht – Arbeit finden, jedoch meist ohne sichere Verträge. Auch in Berlin kann man von einem Tag zum anderen ohne Job dastehen. Zwar gibt es mehr als genug Stellenangebote in den verschiedensten Bereichen, sodass man relativ leicht einen neuen Job findet. Aber die Konkurrenz ist groß: junge, qualifizierte Leute aus aller Welt, die oft mehrere Sprachen sprechen. Carolina ist sich sicher: „Der Arbeitsmarkt ist vielleicht schnelllebiger, bietet aber Personen, die in das Berufsleben starten, viel mehr Möglichkeiten. Sie können sich ausprobieren und in verschiedenen Bereichen Erfahrung sammeln.“
 
Im Sommer 2016 stieß das Unternehmen einige Märkte ab, die zu Carolinas Verantwortungsbereich zählten. Carolina wurde arbeitslos. „Ich suchte zwei Monate lang aktiv nach einer neuen Stelle, hatte mehrere Vorstellungsgespräche und am Ende zwei Angebote auf dem Tisch. Das verlockendste Angebot kam von meiner jetzigen Firma. Eineinhalb Jahre später bin ich immer noch froh, dass ich mich damals für diesen Job entschieden habe“, erzählt sie. Seit November 2017 arbeitet sie in der Marketingabteilung von Foodora. „Es ist wesentlich schwieriger, ohne fließendes Deutsch Arbeit in meinem ursprünglichen Fachgebiet, der Kommunikation, zu finden. Aber im digitalen Marketing gibt es viele Jobs für Englischsprachige“, räumt sie ein. Ob sie eines Tages wieder in der Kommunikation arbeiten wird? „Natürlich denke ich darüber nach, vielleicht später, falls ich nach Portugal zurückkehren sollte.“
 
Als das Videospiel-Unternehmen, in dem João arbeitete, 2017 umstrukturiert wurde, kündigte er. Er erinnert sich an die Jobsuche: „Ich habe selbst nach offenen Stellen gesucht, nicht nur in Berlin, aber ich wurde auch von einigen Unternehmen direkt kontaktiert. Die einzige Sicherheit, die ich hatte, waren meine Ersparnisse und die Unterstützung des Staates.“ Wenige Monate später fing er bei Toadman Interactive an. Das Unternehmen ist kleiner als Joãos erste Firma, wächst aber derzeit rasch. Dennoch bleibt João realistisch, was das Wachstum seiner Firma und seine berufliche Zukunft angeht: „Ich bin mir bewusst, dass besonders in meinem Bereich immer Leute entlassen werden, sogar in Deutschland. Es ist sehr schwer, auf dem Spielemarkt erfolgreich zu sein – es gibt viele Entlassungen, ganze Abteilungen werden geschlossen. Für mich gibt es keine Garantien, aber Sorgen bereitet mir das nicht.“
 
Während die Kommunikation für Carolina derzeit auf stand-by ist, sammelt sie Berufserfahrung auf einem neuen Gebiet und bleibt so in Hinblick auf künftige Karrierechancen flexibel. Mit beiden Füßen fest auf dem Boden, sieht João mögliche Brüche in seiner Karriere gelassen. Neuanfänge – im Beruf wie im Privatleben – gehören schließlich irgendwie dazu und bieten immer wieder die Chance, Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln.