Griechische Filme auf der Berlinale Glänzen durch Abwesenheit

„Suntan‟ von Argyris Papadimitropoulos
„Suntan‟ von Argyris Papadimitropoulos | © Christos Karamanis

In diesem Jahr laufen keine griechischen Filme im Programm der Berlinale – warum nicht, kann niemand sagen. Einen griechischen Film gibt es wenigstens auf dem European Film Market: „Suntan“ von Argyris Papadimitropoulos.

In Vorfreude auf den vielversprechenden Film Soy Nero des Iraners Rafi Pitts – der Film läuft im Wettbewerb und ist der einzige Film auf der diesjährigen Berlinale, der etwas „Griechisches“ hat, nämlich den in Berlin ansässigen Produzenten Thanassis Karathanos – fragen sich viele Festivalliebhaber: Warum ist das griechische Kino dieses Jahr nicht auf der Berlinale vertreten? Ausgerechnet auf diesem bedeutenden Festival nicht, das wie kein anderes die aktuelle griechische Produktion unterstützt hat!

„Dieses Jahr werden mir die griechischen Filme fehlen. Seit einigen Jahren verfolge ich sie mit großem Interesse. Mein nächstes Buch wird sich sogar mit dem 'Guerilla-Cinema', das im Moment in Griechenland produziert wird, beschäftigen“, vertraute mir die Berlinale-Bloggerin des Goethe-Instituts China, Yun-hua Chen, an.
 
So glänzt der griechische Film durch Abwesenheit und keiner kann sagen, warum kein einziger griechischer Titel auf dem Festivalprogramm zu finden ist.

EIN GRIECHISCHER FILM AUF DEM EUROPEAN FILM MARKET

Auf dem European Film Market, der Plattform für Produzenten und Verleihfirmen, findet man immerhin Suntan von Argyris Papadimitropoulos. der direkt vom Rotterdamer Festival kommt, wo er selbst von dem Magazin Variety hoch gelobt wurde. Papadimitropoulos hatte mit seinem vorherigen Film Wasted Youth einen starken Eindruck in Deutschland hinterlassen. Nun hofft er mit Suntan das Interesse von Verleihern und Festivalkuratoren zu gewinnen, die hier nach den Talenten des Jahres suchen.
 
In Suntan tritt ein einsamer und schweigsamer, vierzigjähriger Arzt auf der Insel Antiparos seine Stellung an. Der Regisseur verfolgt in einer erfindungsreichen Zeitökonomie seine Akklimatisierung an die kleine Inselgesellschaft mitten im tiefsten Winter und lässt die Risse in seinem kleinbürgerlichen Leben zu Tage treten. Dieses wird später durch eine vor Lebhaftigkeit, Risikofreude, Kühnheit und Sexualität pulsierende Gruppe Zwanzigjähriger durcheinandergeworfen.

JUGEND UND VERFALL

Der Film überbrückt mit einer außerordentlichen Bildsprache den Abstand zwischen der Lust, die die nackten, jungen Körper im blendenden Licht des griechischen Sommers ausstrahlen, und den Grenzen, die ein von jeglichem Hedonismus freier Mensch berühren kann. In diesem sehr persönlichen Film von Argyris Papadimitropoulos prallen die Sorglosigkeit der Jugend und der Wahnsinn, zu dem die Frustrationen des mittleren Alters führen können, aufeinander.
 
Ich habe Argyris Papadimitropoulos am Potsdamer Platz vor dem legendären Café Billy Wilder getroffen und ihn gefragt, was ihm Suntan bedeutet und was für ihn in den letzten Jahren die besten Momente auf der Berlinale waren. „Suntan ist für mich ein Film des Älterwerdens, der Furcht vor der Perspektive des mittleren Lebensalters. Er stellt die Frage, welche Menschen sich der Lust überlassen können, und welche aus welchen Gründen nicht. Er preist herrliche junge Körper, aber respektiert zugleich ihren Verfall.“ Und er sagt weiter: „Für mich ist die Berlinale vor allem der Talent Campus vor 11 Jahren. Das war eine fantastische Erfahrung. Als Produzent hatte ich eine sehr schöne Erfahrung auf dem Fest mit dem Team des Films At Home von Thanassis Karanikolas, der 2014 im Forum lief. Und unvergesslich werden mir die Standing Ovations für den Film The Road to Guantanamo von Michael Winterbottom bleiben, als die Schauspieler und die gefolterten Insassen von Guantanamo auf die Bühne kamen. Man hätte in diesem Moment die Luft im Saal mit dem Messer schneiden können.“
 
Suntan startet in den Athener Kinos am 31. März 2016.