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Berlinale Blogger*innen 2021
Dirty Feathers, Engel ohne feste Behausung

Dirty Feathers, by Carlos Alfonso Corral | USA / Mexico, 2021
Dirty Feathers by Carlos Alfonso Corral | USA / Mexico, 2021 | Berlinale 2021, Panorama | Foto (dettaglio): © Cine Candela

„Dirty Feathers“, Carlos Alfonso Corral, 2021
Pulpa Film-Cine Candela (USA-Mexico)

Auf den Straßen von El Paso, an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, spielt die Geschichte einer Gruppe unterschiedlicher Menschen, deren Gemeinsamkeit ist, dass sie obdachlos sind. Einige von ihnen finden in den Unterkünften des Opportunity Centers Unterschlupf, andere werden sogar dort abgelehnt. Sie richten sich auf der Straße und unter den Brücken ein, die Letzten unter den Letzten.

Von Lucia Conti

Außerhalb der Gesellschaft

Zu ihnen gehört Brandon, 41 Jahre, der davon träumt, ein Restaurant zu eröffnen, und bald Vater wird. Seine schwangere Freundin Reagan ist drogenabhängig. Dann ist da die siebzehnjährige Ashley, beinahe eine Mystikerin, die uns an ihren poetischen Gedanken über die Menschheit teilhaben lässt. Im Gesicht trägt sie die Zeichen der ihr tagtäglich widerfahrenden Gewalt. Außerdem sind da ein in Ungnade gefallener Veteran, ein vom Selbstmord seines Sohnes aus der Bahn geworfener Vater und psychisch erkrankte Menschen, die mit bipolaren Störungen kämpfen, mit posttraumatischen Belastungsstörungen, mit Zwangsstörungen. Und es gibt diejenigen, die auf der Straße gelandet sind, weil sie Arztrechnungen über 20.000 Dollar nicht bezahlen konnten oder ein Geldproblem sie unversehens in den Ruin geführt hat. Das passiert im Übrigen, wenn der Staat sich aus allem heraushält. Man denke nur an die Mietenkrise, die sich durch das Coronavirus noch zugespitzt hat. In den USA wurden deswegen viele Menschen mit dem Albtraum einer Räumung und dem darauffolgenden Verlust eines festen Wohnsitzes konfrontiert.

Trump is not our president!”

Ein Film wie Dirty Feathers muss nicht erklärtermaßen politisch sein, es genügt, dass er die Dinge beschreibt. Und doch ist im Strom von Geschichten, mit denen die Protagonisten untereinander kommunizieren und sich an ein unsichtbares Publikum wenden, auch Platz für eine an Ex-Präsident Trump gerichtete Botschaft. „He is not our president!“, erklärt einer der Obdachlosen, ein Urteil, das er mehrmals wiederholt, die blauen Augen starr auf einen Punkt jenseits der Kamera gerichtet, mit verzerrtem, vor Empörung zitterndem Mund.

Der Himmel über El Paso

Regisseur Carlos Alfonso Corral Regisseur Carlos Alfonso Corral | Foto (Zuschnitt): © Denise Dorado Inspiriert habe ihn Bressons Minimalismus, so erklärt der Regisseur Carlos Alfonso Corral, doch in Dirty Feathers ist auch ein Widerhall der Geschichten eines Pasolini, der Poetik eines Wim Wenders spürbar.

Den Abschluss des Films bildet eine Figur, die tatsächlich aus Der Himmel über Berlin entsprungen und plötzlich unter die Obdachlosen von El Paso geraten zu sein scheint. Ein Junge in einem Engelskostüm, der sich direkt ans Publikum wendet. Lächelnd erklärt er, dass er ein Androide sei, eine Robotersirene, ein multidimensionaler, amoralischer Vampir, Teil eines Zaubers, der die Dunkelheit in Licht verwandle und umgekehrt, in alle Ewigkeit. Und, wie könnte es anders sein, seine Federn sind schmutzig. Dirty feathers.

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