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Berlinale Summer Special 2021
Auf den Spuren von Friedrich Hölderlin

Alessandro Carlini | La veduta luminosa von Fabrizio Ferraro | Forum | ITA, ESP 2021
Alessandro Carlini, La veduta luminosa von Fabrizio Ferraro | Forum | ITA, ESP 2021 | © Berlinale 2021

Emmer soll einen Film über den deutschen Dichter Friedrich Hölderlin drehen, ist aber nicht in der Lage, seine Gedanken zu ordnen. Wie tief kann man in die Abgründe des eigenen Geists hinabsteigen? Und gibt es einen Weg zurück nach oben?

Von Elena Gabella

Fabrizio Ferraro in der Sektion Forum

Samstagabend wurde im Open-Air-Kino HKW der Film eines italienischen Regisseurs gezeigt: La veduta luminosa (The Luminous View) läuft auf der Berlinale 2021 in der Sektion Forum. Präsentiert wurde der Film von Regisseur Fabrizio Ferraro persönlich, der das Publikum dazu einlud, sich gedanklich auf eine Reise mit offenem Ausgang einzulassen. Seines Erachtens der einzige Weg, die Essenz des Films mit dem Herzen zu erfassen – durch das Aufgeben von Erwartungen, die auf dem Bedürfnis beruhen, Kino als „Lieferanten“ von richtigen oder falschen Antworten zu nutzen.

Das Schweigen

La veduta luminosa erzählt auf anschauliche Weise vom Drama der mangelnden Inspiration des Regisseurs Emmer, der zusammen mit seiner Assistentin Catarina die unterschiedlichen Lebensorte des deutschen Dichters Hölderlin aufsucht. Die gemeinsame Pilgerreise erweist sich jedoch nicht als produktiv und das Zusammenleben zwischen den beiden ist von Schweigen und Unstimmigkeiten geprägt. Emmer verliert sich in seiner Gedankenwelt, während Catarina immer wieder versucht, mit ihm ins Gespräch zu kommen, und doch gelingt es ihr nicht, die Barriere zwischen ihnen beiden zu durchbrechen. Emmers Antworten scheinen aus immer weiterer Ferne zu kommen, es wirkt, als würde er sich gegen Ende des Films noch stärker verlieren als zu Beginn und unaufhaltsam immer weiter in seine eigene Gedankenwelt abdriften.
Catarina Wallenstein, Alessandro Carlini | La veduta luminosa von Fabrizio Ferraro | Forum | ITA, ESP 2021 Catarina Wallenstein, Alessandro Carlini, La veduta luminosa von Fabrizio Ferraro | Forum | ITA, ESP 2021 | © Berlinale 2021 Die Atmosphäre scheint unwirklich – sowohl aufgrund der zum Bildrand hin verschwimmenden Aufnahmen als auch aufgrund der natürlichen, zeitlosen Umgebung. Der Film präsentiert sich stark introspektiv, wobei sich Parallelen zwischen Emmers Verhalten und seiner Umwelt erkennen lassen. Doch nicht nur das, auch der Ton spielt eine wichtige Rolle: Oft wirkt er „verschmiert“, „schmutzig“, genau wie das zweideutige Verhalten Emmers gegenüber Catarina.

Ferraro betonte in seiner Präsentation, dass er versucht habe, Hölderlins Poetik durch Licht und wahrnehmbare Elemente zum Ausdruck zu bringen, ohne konkret auf die Person des Dichters Bezug zu nehmen. Zudem wird der Protagonist während seiner endlosen Spaziergänge beinahe durchgängig von hinten gezeigt, während wir ihm durch die Augen der Kamera folgen und die bedrückende Schwere seines Wegs, der umliegenden Wälder und des kontinuierlichen Fehlens einer Richtung spüren.

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