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Schaufenster Berlin
Mit 17 für ein Schuljahr in Berlin. Und dann kommt Corona.

Federica, 17 Jahre, kommt aus dem Trentino und besucht zur Zeit ein Gymnasium in Berlin
Federica, 17 Jahre, kommt aus dem Trentino und besucht zur Zeit ein Gymnasium in Berlin | © Goethe-Institut Italien - Foto: S. Marchiori

Federica ist 17 Jahre alt, kommt aus dem Trentino und ist seit August 2019 im Rahmen eines internationalen Bildungsprojekts in Berlin. Das Projekt hat eine Laufzeit von 11 Monaten und ermöglicht es ihr, ein Schuljahr in der deutschen Hauptstadt zu absolvieren.

Von Giulia Mirandola

Als ich sie anrufe, ist sie gerade in der S-Bahn auf dem Weg nach Tegel, wo sie bei einer Berliner Gastfamilie wohnt und das Gymnasium besucht. Sie ist die einzige Italienerin an ihrer Schule und die einzige ausländische Schülerin, die im Rahmen eines Bildungsprogramms hier ist.

Federica erzählt, dass ab 17. März alle für fünf Wochen zu Hause bleiben. Zwei Wochen sind laut Schulkalender vorgesehen, (vorläufig) drei sind hingegen der Unterbrechung des regulären Unterrichts aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation geschuldet.

Wie wird der Unterricht von zu Hause aus ablaufen?

Bis Montag, 23. März, werden unsere Professoren diverse Übungen und Inhalte auf die Online-Plattform unserer Schule hochgeladen haben. In welchem Tempo und wie eingehend wir diese dann machen, entscheiden wir selbst. Die Lehrerinnen und Lehrer stehen zwar für die Korrekturen der Übungen zur Verfügung, aber es gibt keinen Online-Unterricht wie in Italien.

Welche Fächer hast du?

Meine Grundlagenfächer sind Physik, Mathematik, Deutsch, Geschichte, Theater und Chinesisch (fakultativ). Die Leistungskurse, die ich belegt habe, sind Englisch, Latein und Politische Bildung. Mit der Chinesisch-Klasse wollten wir Ende Juni eine Studienfahrt nach China machen, die jetzt natürlich abgesagt wurde, aber der Unterricht geht weiter.

Hast du ein Lieblingsfach? Welche Themen habt ihr zuletzt durchgemacht, bevor die Nachricht von den Schulschließungen gekommen ist?

Mir gefällt Politische Bildung extrem gut. Wir beschäftigen uns mit Politikwissenschaften und organisieren Schüler-Diskussionen und -Debatten zu aktuellen Themen, zu denen wir auch einige Abgeordnete eingeladen haben. Zuletzt haben wir das Wahlsystem in Deutschland, die Ausweitung des Wahlrechts auf Minderjährige, die Reform der Grundsteuer und die Liberalisierung von Cannabis behandelt.

Wenn die Schule wieder losgeht, werdet ihr die Qual der Wahl haben, welche Themen ihr vertiefen und diskutieren wollt. Wie haben deine deutschen Klassenkollegen und deine Gastfamilie auf die Epidemie reagiert?

Mein Eindruck ist, dass wir diese Situation unterschiedlich wahrnehmen. Gestern haben in meiner Schule die Jungen und Mädchen des letzten Jahrgangs eine Party gefeiert, alle waren maskiert, es war ein ausgelassenes Fest. Meine Gastfamilie vertraut darauf, dass das Gesundheitssystem gut funktioniert und es kein Problem mit der Zahl der Betten in den Krankenhäusern geben wird. Ich hatte einige Mühe, ihnen klarzumachen, dass es sich dennoch um ein ernstes Problem handelt.

Inwieweit hat sich dein Alltag in dieser letzten Woche verändert?

Ich achte stärker darauf, mir häufig die Hände zu waschen, ich benutze Desinfektionstücher und Desinfektionsmittel, ich vermeide es, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, ich bleibe zu Hause. Meine Familie lebt in Norditalien. Früher haben wir uns ein Mal pro Woche gehört, jetzt hingegen zwei bis drei Mal. Dass die Schulen nun geschlossen sind, war für sie – und für mich – eine positive Nachricht.

Inzwischen ist Federica an ihrer Haltestelle angekommen. Wir verabschieden uns und versprechen einander, gemeinsam auf ein Eis zu gehen, sobald sich die Dinge wieder beruhigt haben.

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