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Schaufenster Berlin
Covid-19 und die Kinderrechte

Zuschnitt einer Illustration von Beatrice Alemagna aus dem Buch "Che cos'è un bambino?" (Topipittori 2008)
© Zuschnitt einer Illustration von Beatrice Alemagna aus dem Buch Che cos'è un bambino? (Topipittori 2008) |  

Costanza (Phantasiename) ist 2009 nach Berlin gekommen. In Italien hatte sie bereits zwei Studienabschlüsse erworben, die ihr in Deutschland zu einer erfüllenden Tätigkeit im Erziehungssektor verhalfen, zunächst in Kitas, dann im Kinder- und Familienbereich von Flüchtlings- und Asylbewerberheimen. Seit wenigen Wochen ist sie nun Koordinatorin für den Freiwilligendienst.

Von Giulia Mirandola

Wie hat deine Woche begonnen?

Hinter mir liegen schwierige Tage, ich habe ständig „Nein“, „Nicht anfassen“, „Das darf man nicht“, „Nicht hier“, „Seit heute nicht“ gesagt. Ich arbeite noch keine zwei Wochen als Koordinatorin der Freiwilligen. Ich hatte beschlossen, die Bürotür immer offen zu lassen, dieser Ort sollte „immer offen“ sein. Die Corona-Krise hat diesen Vorsatz im Keim erstickt.

Wie ist die aktuelle Lage im Heim?

Hier wohnen etwa 500 Personen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Männer und Frauen. Der Alltag hat sich schlagartig gewandelt: Kitas und Schulen sind geschlossen, die Hausaufgabenhilfe wurde eingestellt, genauso wie die Frauenprojekte, das Frauen- und das Männer-Café, die Workshops für Kunsttherapie und die Workshops für Fahrradreparaturen, die Konversation auf Deutsch, die Alphabetisierungskurse und die Frühhilfe für Mütter mit Säuglingen. Jetzt ist auch der kleine Spielplatz im Innenhof geschlossen.

Wer arbeitet in diesen Tagen im Heim?

Es arbeiten die Leitung, das Sekretariat, die Hauswirtschaftskraft und der Hausmeister, ich als Koordinatorin, die Putzkraft, die Erzieher*innen, die normalerweise im „Kinderland“ beschäftigt sind, die Sozialarbeiter*innen, die Psychologin und die Sicherheitskräfte, die rund um die Uhr hier sind, jeweils mit Zwölf-Stunden-Schichten. Im Ganzen sind wir etwa 20 Personen.

Wer hat Zugang, und wer nicht?

Bewohner*innen und Personal können momentan ein- und ausgehen. Verboten sind Besuche von außen, mit Ausnahme der Hebamme und der Ärzt*innen.

Welcher ist für dich der kritischste Aspekt in dieser Situation?

Ich habe in diesen Stunden oft an die UN-Kinderrechtskonvention gedacht, an diejenigen Artikel, die sich auf die körperliche, geistige, seelische, sittliche und soziale Entwicklung der Kinder beziehen (Art. 27), auf das Recht auf Bildung und auf Entfaltung der Persönlichkeit und der geistigen und körperlichen Fähigkeiten, gemäß einem Bildungsbegriff, der Achtung vor den Menschenrechten und den Grundfreiheiten vermitteln soll (Art. 29). Und auf das Recht auf Spiel und das Recht auf Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben (Art. 31). Jetzt kann ich selbst diese Prinzipien nicht einhalten, und obwohl auch ich es wichtig finde, den neuen Regeln zu folgen, stürzt mich das als Mensch wie als Erzieherin in eine Krise. Ich habe den Eindruck, „verkehrt herum“ zu arbeiten.

Was bereitet dir besondere Sorgen?

In der Corona-Krise werden gerade die Kinderrechte übergangen, und das hat sicher Konsequenzen. Die Auswirkungen werden negativ sein. Das zu wissen, bereitet mir Sorgen. Außerdem sprechen wir hier in vielen Fällen von Menschen, die bereits traumatisiert sind und auf engem Raum zusammenleben.

Was machst du morgen?

Ich gehe zur Arbeit, Homeoffice ist bisher nicht möglich, weil ich noch kein Diensthandy habe. Erst dann kann ich zu Hause arbeiten. Ich habe unterdessen an wichtigen Sitzungen teilgenommen, um zu verstehen, mit welchen Problemen die verschiedenen Bereiche konfrontiert werden, und um im Quarantänefall alles Nötige zu organisieren. Wir haben erfahren, welche Rechte wir als Arbeitnehmer*innen in dieser Situation haben, und uns mit einem für die Unterkunft entscheidenden Thema beschäftigt, einer Ausschreibung für Betreiber, die im Januar veröffentlicht wurde. Wir warten noch auf das Ergebnis.



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