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Schaufenster Berlin
Digitale Kultur: die Berliner Museen

Georg Kolbe Museum, Berlin
Georg Kolbe Museum, Berlin; Teil der Ausstellung von Herman de Vries How green is the grass? | © Foto (Zuschnitt): Giulia Mirandola

In Berlin sind die Museen der Pandemie wegen geschlossen, wie überall auf der Welt. Digitale Kanäle haben sich in dieser Situation als unentbehrlich erwiesen. Und nicht nur das: Durch sie haben auch Personen mit geringer ausgeprägter digitaler „Alphabetisierung“ erkannt, dass es sinnvoll ist, entsprechende Kompetenzen zu erwerben.

Von Giulia Mirandola

In Berlin gibt es circa 175 Museen, eine Zahl, die öffentliche und private Institutionen umfasst, Orte verschiedener Dimensionen, von groß bis ganz klein, Projekte und Sammlungen unterschiedlichster Sparten, verschiedene Zugänge zur digitalen Welt. Die Zeit der verpflichtenden Schließung erweist sich auch als Phase, in der die Museen und ihre unterschiedlichen Besucher*innen sich gegenseitig aus neuen Blickwinkeln betrachten. Paradoxerweise eine ideale Bedingung, um neue Sichtweisen entstehen zu lassen.

Zur ersten Orientierung

Die Staatlichen Museen zu Berlin gehören zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz, einer der größten Kulturstiftungen der Welt, die Museen, Bibliotheken, Archive und Forschungsinstitute umfasst. Die Stiftung macht die Digitalisierung zu einer der zentralen Aufgaben der ihr zugehörigen Institutionen und betrachtet dieses Element als wesentliche Grundlage für die Erschließung des Kulturerbes. Daher präsentiert einer der Bereiche der Webseite die Digitalisierungsstrategie, ein anderer enthält ein richtiges Digitalisierungsmanifest zum Download. Diesem sehr bewussten Umgang mit der digitalen Sphäre entspricht, im spezifischen Fall der neunzehn Staatlichen Museen, ein Portal, das Zugang zu den einzelnen Museen und Sammlungen bietet, zu den verfügbaren Suchmaschinen, den aktuellen, zukünftigen und archivierten Ausstellungen, den Katalogen und Online-Datenbanken, den Bildungsprogrammen, dem digitalen Angebot der einzelnen Museen, dem Blog Museum and the city, der Facebook-Seite, dem Instagram-Profil, dem Youtube-Kanal, Google Arts & Culture, der digitalen Version der vierteljährlichen Zeitschrift Museum und den Onlineshops aller Museen. Jeder dieser Navigationsbereiche ist wiederum in sich gegliedert und macht Lust darauf, die Inhalte zu „durchblättern“, sie zu teilen, und bewusst wahrzunehmen, dass diese Reichtümer der Allgemeinheit gehören.

Viele Zugänge

Im Netz gibt es mehr als eine Milliarde Webseiten. Eine davon heißt Museumsportal Berlin, ist seit 2008 online und Ausgangspunkt für die digitale Erkundung der Berliner Museen, Schlösser und Denkmäler. Es handelt sich um eine Initiative der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung, die durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert und von Kulturprojekte Berlin betrieben wird, in Zusammenarbeit mit den einzelnen Museen und dem Landesverband der Museen zu Berlin. Kulturprojekte Berlin ist eine gemeinnützige Gesellschaft des Landes Berlin, zu deren Aufgaben Konzeption, Promotion, Kommunikation, Vernetzung und die Vermittlung zwischen Kultur und Geschichte gehören.

Hier gibt es mehr als einen Zugang zu einem Museum oder einer Sammlung. Man kann sich von einem bestimmten Ziel leiten lassen oder sich an verschiedenen zur Wahl stehenden Filtern orientieren. Museen und Ausstellungen sind nach Themen, Kulturveranstaltungen sind nach Formaten sortiert. Die Suche kann noch durch weitere Kategorien verfeinert werden.
  • Gemäldegalerie, Berlin © Foto: Giulia Mirandola
    Gemäldegalerie, Berlin
  • Brücke-Museum, Berlin © Foto: Giulia Mirandola
    Brücke-Museum, Berlin
  • Museum für Naturkunde, Berlin © Foto: Giulia Mirandola
    Museum für Naturkunde, Berlin
  • Georg Kolbe Museum, Berlin © Foto: Giulia Mirandola
    Georg Kolbe Museum, Berlin; Teil der Ausstellung von Herman de Vries How green is the grass?
  • Berlinische Galerie, Berlin © Foto: Giulia Mirandola
    Berlinische Galerie, Berlin; Teil der Ausstellung von Bettina Pousttchi
  • Georg Kolbe Museum, Berlin © Foto: Giulia Mirandola
    Georg Kolbe Museum, Berlin; Teil der Ausstellung von Herman de Vries How green is the grass?
  • Kunsthaus Dahlem, Berlin © Foto: Giulia Mirandola
    Kunsthaus Dahlem, Berlin
  • Gemäldegalerie, Berlin © Foto: Giulia Mirandola
    Gemäldegalerie, Berlin
Dank solcher Portale kommen Besucher*innen in den Genuss eines breitgefächerten Überblicks über die Museen der Stadt und die unterschiedlichen Formen der Information, Darstellung und Kommunikation. Wir können an einem Ort oder an mehreren Orten gleichzeitig sein, können zeitgleich Zusammenhänge zwischen verschiedenen Sammlungen oder unterschiedlichen Teilen ein- und derselben Sammlung herstellen. Wir können eine Fülle von Texten und Bildern durchstreifen, in Gedankenschnelle geografisch weit auseinander liegende Orte besuchen, und statt unserer Füße unseren Geist bitten, sich von unserem jeweiligen Standort oder Kontext fortzubewegen.

Der Blickwinkel einer Expertin für Museen und digitale Medien

Am 4. April ist in Italien des Werk Musei e cultura digitale. Fra narrativa, pratiche e testimonianze (Museen und digitale Kultur. Zwischen Narrativ, Praxis und Berichten) von Maria Elena Colombo im Verlag Editrice Bibliografica erschienen, ein Schlüsselwerk für alle, die sich mit Museen und digitalen Medien beschäftigen. Das Buch prägen Praxiserfahrung, Konkretheit, der Wunsch nach Verbesserung und der direkte Austausch mit den Digital media curators von sechzehn internationalen Museen. Maria Elena Colombo lehrt Multimedia-Kommunikation für Kulturgüter an der Mailänder Kunsthochschule Accademia di Brera. An der Katholischen Universität Mailand ist sie außerdem Dozentin für Museologie und Kommunikation mit digitalem Schwerpunkt, im Masterstudiengang für Museologie, Museografie und Kulturmanagement und im Aufbaustudiengang Archäologie. Sie betreut die Rubrik Museums [digital] matter der Zeitschrift Artribune, wo sie kürzlich den Text I musei e la dimensione digitale in Italia al tempo del Coronavirus (Italienische Museen und die digitale Dimension in den Zeiten des Coronavirus) veröffentlichte.

Verhindert Covid-19 den Kunstgenuss?

Nein, das würde ich nicht sagen. Wir sollten nicht vergessen, dass die Kunstgeschichte lange nur anhand von – nicht immer hochwertigen – Drucken studiert wurde, und dass die Gewohnheit, Museen und Ausstellungen zu besuchen, ein relativ junges Phänomen ist, wenn wir nicht nur eine Elite betrachten. Außerdem gehören vielen Dinge zur „Kunst“: auch Kino, Musik, Gedichte. Die durch die Coronakrise hervorgerufene Situation macht deutlich, wie sehr die Museen eine solide digitale und transdisziplinäre Kultur brauchen, wie sehr sie davon profitieren können.

Was hat sich in diesen Wochen beim Einsatz digitaler Medien durch die Museen verändert, und was ist gleichgeblieben?

Wir haben einen starken Zustrom in den sozialen Medien erlebt. In diesem Gesamtrahmen haben sich jeweils besondere Situationen ergeben, je nach Ausgangspunkt des jeweiligen Museums. Aktuell könnte es den Dialog fördern, die „Biografie“ eines Kunstwerkes zu erzählen, und das auf alle im Museum gezeigten Objekten auszuweiten, statt an den historisch-künstlerischen Aspekten des Kulturerbes anzusetzen. Bei einer internationalen Tagung im Ägyptischen Museum Turin erzählte eine Kulturvermittlerin von der Wirkung, die einige Fotos des von Bomben zerstörten Berlins auf eine Gruppe syrischer Flüchtlinge hatten: Die Bilder erinnerten alle an die Verwüstung Aleppos.

Welche Bedürfnisse treten momentan besonders deutlich zutage?

Die Menschen spüren das Bedürfnis nach geteilten Erfahrungen, nach Gesellschaft, nach einer traumartigen Sphäre, in der sie ihre konkrete Situation hinter sich lassen. Die Museen haben unterschiedlich reagiert: Wer schon längerfristig in die Thematik investiert hatte, war bereits vorbereitet, wer mit der Nutzung digitaler Medien noch nicht richtig vertraut war, musste ein bisschen aufholen.

Was werden die Museen und Besucher*innen nach dieser Krisenzeit besser können?

Die Museen lernen ihre unterschiedlichen Besucher*innen schätzen, gerade jetzt, da diese nicht physisch anwesend sind. Endlich haben alle musealen Institutionen wahrgenommen, dass sie in keinem Fall auf ihr Publikum verzichten können. Was die Besucher*innen selbst angeht, so gibt es ein zentrales Thema: die grundlegende digitale Alphabetisierung. Mangelnde Beherrschung der digitalen Medien ist objektiv gesehen eine Barriere. Angesichts dieser Tatsache könnten die Museen sich nun selbst als Vermittler digitaler Kompetenzen anbieten, wie es einige übrigens schon tun.

Welche Kompetenzen werden in den Museen benötigt, um unsere digitale Kultur noch weiter zu verbessern?

Die Museen benötigen eine langfristige Strategie, die Innovation, Forschung und Entwicklung so weit wie möglich verbindet. Als positives Vorbild dienen hier Museen, in denen die Stimmen der verschiedenen Teammitglieder – Leitung, Kurator*innen, Marketing, Museumspädagogik, Publikumsservice, Kommunikation und so weiter – bei Entscheidungen gleichermaßen ins Gewicht fallen. Außerdem sollten alle Innovationen getestet werden, zum Beispiel vom „Freundeskreis des Museums“, wie es bei einigen Institutionen schon der Fall ist.

Welche wesentlichen Unterschiede gibt es bei der digitalen Kultur zwischen großen und kleinen Museen?

„Großes Museum“ bedeutet für gewöhnlich „großes Budget“. Die kleinen Museen haben jedoch oft den Vorteil eines kleineren Teams, dessen Mitglieder alle an mehreren Fronten arbeiten. Ein Instrument, dessen man sich häufiger und mit größerer Kompetenz bedienen könnte – und das keine zusätzlichen Kosten verursacht, ist ein Museumsblog. Dort kann man über eine große Bandbreite von Themen sprechen, auch über die Besucher*innen und das Team, nicht nur die aktuellen Ausstellungen. Ein richtiges Laboratorium, das immer offen und im Werden ist.

Am Ende deines Buches unterstreichst du, dass es „nur eine Welt gibt“. Kannst du diesen wichtigen Gedanken näher erklären?

Es gibt nur eine Welt, obwohl wir im Leben ständig von digitalen zu analogen Instrumenten hin- und herwechseln. Momentan nehmen wir keine klare Grenze zwischen den Dimensionen wahr, weil diese sich tatsächlich aufgelöst hat. Die dramatische Situation, die wir gerade durchleben, bestätigt das.

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