Berlinale Blogger 2018 Der Goldene Ehrenbär geht an Willem Dafoe

Standbild aus „The Hunter“
© The Hunter Movie

Dieses Jahr widmet die Berlinale ihre Hommage Willem Dafoe, der mit einem Goldenen Bären für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Die offizielle Verleihung erfolgt am Dienstag, den 20. Februar, im Anschluss an die Vorführung des Films The Hunter (2011). Der Streifen zählt zu den weniger bekannten Filmen des 62-jährigen Schauspielers, zeigt jedoch eine seiner besten Leistungen.

Von New York nach Rom

Obwohl Willem Dafoe aus Appleton, einer kleinen Stadt in Wisconsin stammt und eine Wohnung in New York besitzt, hat er für seine Reise in die deutsche Hauptstadt wahrscheinlich keinen Kontinentalflug gebucht. Denn seit 2005, genauer seit er die Regisseurin Giada Colagrande kennengelernt hat, ist Rom Dafoes zweites Zuhause geworden. Die erste Begegnung zwischen den beiden fand übrigens auf dem Moped statt, mitten auf der Straße irgendwo in der italienischen Hauptstadt. Eine Geschichte, die wie ein Klischee klingt (vor allem für einen Amerikaner), aber doch wahr sein dürfte. Dafoe befand sich damals für die Aufnahmen zu Der Tiefseetaucher von Wes Anderson in Rom. Den Film Open My Heart, das Debüt von Colagrande, hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits gesehen und mit einem Freund diskutiert, gern wollte er die junge Regisseurin aus den Abruzzen kennenlernen. Die Gelegenheit dazu erhielt er schließlich durch Zufall, als er mit dem gemeinsamen Freund mit dem Moped unterwegs war und neben ihnen, ebenfalls auf dem Moped, Colagrande zu stehen kam. Heute sind die beiden verheiratet und haben bereits für verschiedenste Projekte zusammengearbeitet. Und obwohl sie sich anfangs auf Englisch unterhielten, hat Dafoe auf eigenen Wunsch auch Italienisch gelernt.

BEGENGUNGEN DER BESONDEREN ART

Andrea D’Addio und Willem Dafoe Andrea D’Addio und Willem Dafoe | © Andrea D’Addio Ich selbst habe ihn im Zuge einer besonderen Gegebenheit persönlich sprechen gehört. Das erste Mal war 2009 auf der Berlinale. Ich schrieb damals für eine Online-Zeitung, die wollte, dass ich immer ein gemeinsames Foto mit den von mir interviewten Schauspielern und Schauspielerinnen bzw. Regisseuren und Regisseurinnen machte. Ich genierte mich und so fragte ich vor Beginn des Interviews das Pressebüro, ob es möglich wäre, am Ende des Treffens ein Foto von uns zu machen. Ich hatte kein Handy mit Kamerafunktion, sondern nur eine ältere Digitalkamera. Das Pressebüro bat Dafoe um die Genehmigung. „Wir machen das dann unmittelbar im Anschluss an das Interview.“ Aber als unsere zwanzig Minuten zu Ende waren, musste Dafoe leider schnell weg und ich vergaß, auf einem Foto zu bestehen.

Zwei Tage später war ich dann im Berlinale-Palast. Bis zur Vorführung dauerte es noch fünf Minuten und so ging ich kurz auf die Toilette. Dafoe, der nicht nur ein großartiger Schauspieler ist, sondern auch ein großer Kinofan (er meint, seine Frau hätte diesbezüglich seinen Geschmack verbessert), war ebenfalls im Publikum. Beim Händewaschen stand er plötzlich neben mir. Er erkannte mich und sprach mich auf Italienisch an – anders als beim Interview, das wir auf Englisch geführt hatten. „Vor ein paar Tagen haben wir vergessen, das Foto zu machen.“ – „Du hast Recht.“ – „Hast du deinen Fotoapparat dabei?“ – „Ja“, und ich zog ihn aus der Tasche. Wir warteten eine Minute, bis ein anderer Herr aus einer Toilette kam, um sich die Hände zu waschen und baten ihn, ein Foto von uns beiden zu machen. „Aber nicht hier, das ist nicht schön“, meinte Willem. Also traten wir auf den Gang und Dafoe und ich machten ein Foto, das ich bis heute aufbewahrt habe und das zu den schönsten Erinnerungen meiner Journalistenlaufbahn gehört.

Einige Jahre später traf ich Dafoe vor einem Supermarkt in Rom, in der Via Merulana. Ich habe ihn nicht gegrüßt, denn ich fürchtete, dass er mich nicht erkannt hätte. Aber seit ich ihn dort inmitten von Römern gesehen habe, mit zwei Einkaufstüten in den Händen und einem Lächeln auf dem Gesicht wie jemand, der die Sonne genießt, ist er für mich irgendwie ein halber Italiener. Und dieser Goldene Bär gehört damit irgendwie, wenn auch nur ein klein wenig, auch uns.