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Workshops und Konzerte für Schulen in Italien
Rebellieren lernen mit Leila Akinyi

Leila Akinyi in Padua
Leila Akinyi in Padua | © Goethe-Institut Italien / Foto (Zuschnitt): Sarah Ann Oexmann

Leila wirkt erschöpft, als sie zu unserem Treffpunkt für das Interview kommt. Ihre soeben zu Ende gegangene Konzert- und Workshop Tournee in Kooperation mit dem Goethe-Institut hat sie quer durch Italien geführt, jetzt fliegt sie zurück nach Deutschland. Bevor sie zum Flughafen fährt, würde sie noch gern einen kleinen Spaziergang durch Rom machen, doch eigentlich sieht sie mehr aus wie jemand, der seine persönliche „Mission“ in Italien bereits abgeschlossen hat.

Von Chiara Sambuchi

Warum wir Jugendlichen beibringen sollten zu rebellieren

Leila Akinyi in Italien Leila Akinyi in Italien | © Sarah Ann Oexmann In den vergangenen Februarwochen ist Leila Akinyi vor hunderten italienischen Deutsch-Schülern der ersten und zweiten Sekundarstufe aufgetreten und hat sechs Konzerte und drei Workshops in verschiedenen Städten abgehalten. Im Rahmen dieser von den deutsch-italienischen Kulturgesellschaften organisierten Treffen hat Leila italienischen Schülern ohne jegliche musikalischen Vorkenntnisse beigebracht, auf Deutsch zu singen und zu rappen und mit ihnen den Nervenkitzel eines Bühnenauftritts geteilt. Für viele von ihnen hat Leila damit wohl die Tür zu einer bisher unbekannten Welt aufgestoßen. Ihre Auftritte rissen alle mit und ließen alle eins werden – ein gemeinsamer Song, Ausdruck einer gemeinsamen Emotion. Ein Blick in Leilas Augen verrät: Es sind weniger die vielen Reisen quer durch Italien, das stundenlange Singen und Tanzen, die Kommunikation auf Deutsch mit einem Publikum, das nur Grundkenntnisse der deutschen Sprache besitzt, die sie angestrengt haben. Leila wirkt vielmehr mental erschöpft. Es ist die typische Müdigkeit eines Menschen, der hart gearbeitet hat, um durch seine Kunst einer starken Emotion Ausdruck zu verleihen. Wie in diesen Fällen üblich erzählt auch Leila, wie der Adrenalin-Spiegel an einem gewissen Punkt dann plötzlich abfällt und der Körper mit vollkommener Erschöpfung reagiert. Aber selbst wenn das passiert, hören die Augen dieser Menschen nicht auf zu leuchten, eine tiefe persönliche Zufriedenheit lässt sie weiter strahlen – wie auch Leilas Augen während unseres Interviews.

Wie man durch Rap lernt, sich nicht von Stereotypen beeinflussen zu lassen

In den Goethe-Zentren in Verona und Bologna, in den deutsch-italienischen Kulturinstituten in Padua, La Spezia, Livorno und Perugia konnten italienische Deutsch-Schüler so für einige Stunden in die Welt der deutsch-kenianischen Sängerin eintauchen. Diese versucht seit jeher, jungen Menschen mit ihren Songs eine klare Botschaft zu vermitteln. Denn sie ist überzeugt, dass Musik ein starkes Medium ist, wenn es darum geht, zu lernen sich aufzulehnen und seine Rechte durchzusetzen. „Wir leben in Schubladen“, erläutert sie. Schubladen, die definieren wollen, wer wir sind und uns ein Etikett verpassen, das uns vielleicht überhaupt nicht entspricht. „Je älter wir werden, umso weniger kämpfen wir für unsere Individualität.“ Leila zufolge neigen wir als Erwachsene dazu, die in unserem Umfeld existierenden Grenzen eher zu akzeptieren und neue zu errichten. Kinder sind hingegen noch formbar und offen für neue, alternative Modelle. Daher will Leila ihnen beibringen, für ihre Ideen einzutreten, bevor auch ihr Denken von gesellschaftlichen Konventionen bestimmt wird. Sie sollen lernen, ihre Stimme zu erheben, um für ihre Rechte zu kämpfen, in anderen Worten – zu rebellieren. „Die Welt, in der Kinder heute aufwachsen, ist ehrlich gesagt schrecklich. Es ist wichtig, ihnen zu vermitteln, dass es noch viel mehr gibt, als das, was sie im Fernsehen oder im Internet sehen.“ Jedes Kind hat das Recht auf seine eigenen, höchstpersönlichen Träume und Ideen und wir müssen ihnen beibringen, diese zu schützen.
 
 
Mit bissigem Wortwitz thematisiert Leila Akinyi in ihren Liedern Vorurteile sowie Stereotypen und macht sie damit zu einem wertvollen didaktischen Instrument. Denn Leilas Musik nutzt nicht nur Worte, um Informationen zu vermitteln, sondern lässt alle an einer Emotion teilhaben. Bei ihr wird das Publikum selbst zu einem Teil des Ganzen. Ich frage Leila, wie sie es während ihrer Tournee in Italien geschafft hat, Jugendliche mit zum Teil sehr geringen Deutschkenntnissen so zu begeistern. „Das ist der Zauber der Musik“, antwortet sie mir. „Auch ich höre oft Lieder, deren Text ich nicht verstehe und dennoch lösen sie starke Gefühle in mir aus. Natürlich kann man versuchen, eine Botschaft durch Worte zu vermitteln. Aber Musik geht weiter. Musik verwandelt die Botschaft in ein Gefühl. Wir können ein Musikstück anhören und dabei ein Gefühl von Frieden empfinden.“ Oder auch eine Sehnsucht nach Freiheit oder etwa das Gefühl von Liebe, das entsteht, wenn man gemeinsam Musik macht.
 

Der schönste Moment der Tournee? Das war für Leila der, als sie bemerkte, dass bei den für Kinder konzipierten Workshops auch das Personal des Goethe-Instituts und sogar ihr eigenes Team begeistert mitmachte und mitsang. „In solchen Momenten werden alle eins und das ist einfach wunderschön.“ Sie lächelt zufrieden, ihre letzten Worte hat sie bewusst betont. Jetzt macht sie sich auf den Weg zurück nach Köln, um dort in einigen Schulen Workshops für Kinder zu halten und neue Songs zu schreiben. Frei, rebellisch und als stolze Kämpferin für das Recht eines jeden Kindes, in seinem Leben seinem eigenen Traum zu folgen.
 

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