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Italien und Deutschland sind einander näher, als ihr denkt

Die italienischen „Frecce tricolori“ neben der Regierungsmaschine
Die italienischen „Frecce tricolori“ neben der Regierungsmaschine | © Goethe-Institut Italien / Foto: Andrea D’Addio

Wir haben den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Gattin Elke Büdenbender als „Ehrengäste“ nach Italien begleitet. Ein Blick hinter die Kulissen einer ungewöhnlichen Reise.

Von Andrea D’Addio

„Ich freue mich schon, endlich eine echte neapolitanische Sfogliatella zu probieren.“ Das Flugzeug ist gerade erst von Berlin gestartet, als Frank-Walter Steinmeier von seinem Platz aufsteht, um die vier „Ehrengäste“ treffen, die ihn und seine Frau, die ehemalige Richterin Elke Büdenbender auf ihrer zweitägigen Italienreise begleiten werden. Der Fernsehjournalist Ingo Zamperoni, die Sängerin und Songwriterin Etta Scollo, die Übersetzerin Annette Kopetzki und ich waren als kulturelle Mediatoren der beiden Länder eingeladen worden, uns den beiden anzuschließen. Eine Ehre, die wir – wie wir einander gleich zu Beginn gestehen – für übertrieben halten, dennoch haben wir das Angebot natürlich gerne angenommen. Uns erwartet ein dichtes Programm. Der erste Tag in Rom umfasst einen Besuch der Deutschen Akademie Villa Massimo, ein Mittagessen in der Residenz des Botschafters in der Villa Almone, eine Diskussion zu Politik und Kultur in der wunderschönen Bibliotheca Hertziana und ein Abendessen mit dem italienischen Präsidenten Mattarella im Quirinalspalast. Am zweiten Tag fahren wir mit dem Zug nach Neapel. Dort treffen wir im Goethe-Institut ehemalige Gastarbeiter, die nach Kampanien zurückgekehrt sind, und junge Italiener, die davon träumen, nach Deutschland zu ziehen. Dem folgen ein Mittagessen in der Villa Rosebery, erneut im Beisein von Mattarella, ein Spaziergang durch die neapolitanische Altstadt und schließlich der Besuch eines Jugendchor-Konzerts in der Basilika Santa Maria della Sanità.

Mattarella und Steinmeier: nicht nur Präsidenten, sondern auch Freunde

  • Auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel vor dem Regierungsflugzeug der Luftwaffe © Goethe-Institut Italien / Foto: Andrea D’Addio
    Auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel vor dem Regierungsflugzeug der Luftwaffe
  • Die vier Ehrengäste während des Galaabends im Quirinalspalast © Goethe-Institut Italien / Foto: Andrea D’Addio
    Die vier Ehrengäste während des Galaabends im Quirinalspalast
  • Im Stadtviertel Sanità vor dem Konzert in der Basilika Santa Maria della Sanità © Goethe-Institut Italien / Foto: Andrea D’Addio
    Im Stadtviertel Sanità vor dem Konzert in der Basilika Santa Maria della Sanità
Während Steinmeier und Büdenbender uns gerade von ihren Erwartungen in Bezug auf diese Reise erzählen, treten wir in den italienischen Luftraum ein. Das erkennen wir daran, dass neben uns plötzlich die Flugzeuge der „Frecce tricolori“ zu sehen sind, die uns fast bis zum Flughafen Fiumicino begleiten. Es ist ein beeindruckendes Spektakel und alle, auch Steinmeier, suchen sich ein Fenster, um die „Frecce“ aus nächster Nähe zu sehen. Dieser ersten Willkommensgeste werden noch viele weitere folgen. Italien möchte damit Steinmeier und Büdenbender seinen Dank dafür ausdrücken, dass sie die Einladung angenommen haben. Das war keineswegs selbstverständlich, denn traditionellerweise besucht der deutsche Bundespräsident seinen italienischen Amtskollegen während seiner Amtszeit nur einmal. Steinmeier war bereits im Jahr 2017 nach Italien gekommen und nur wenige Wochen vor unserer Reise hatte er in Fivizzano im Namen der Deutschen um Vergebung für die vor 75 Jahren dort verübten Nazi-Massaker gebeten. Den Grund für seinen neuerlichen Italienaufenthalt verrät er mir, kurz nachdem wir uns die Hand geschüttelt haben: Er liebt Italien und möchte das Land gern besser kennenlernen. Aber das ist noch nicht alles. Er möchte auch etwas Zeit mit Mattarella verbringen. Denn die beiden Präsidenten sind einander zugetan. Das behaupten nicht nur er oder die zahlreichen Beamten des diplomatischen Diensts, die uns auf dieser Reise begleiten, das erkennt man, sobald man die beiden zusammen sieht. Sie plaudern leise miteinander, gehen unbegleitet gemeinsam spazieren, nicken zustimmend, wenn der andere öffentlich spricht.

Deutschland liebt Italien, Italien liebt Deutschland

In diesen zwei gemeinsamen Tagen habe ich viele schöne Momente mit den anderen Ehrengästen, aber auch alleine mit Steinmeier verbracht, mit dem ich darüber gewitzelt habe, dass der Fruchtsaft, den wir zu den neapolitanischen Sfogliatelle in einer Konditorei unweit der Cappella Sansevero getrunken haben, derselbe ist, den ich zu Hause in Berlin kaufe. Zwei Situationen werden mir aber besonders in Erinnerung bleiben. Das Eine ist die Rede von Steinmeier beim Abendessen im Quirinalspalast, die er – in Anwesenheit unserer höchsten Staatsbeamten – mit einem Zitat der ersten Zeilen des Lieds Napul’è von Pino Daniele begann und damit Gelächter und Applaus im Saal auslöste. Das Zweite ist die Begeisterung in den Straßen Neapels, als er und seine Frau mit offenem Mund die Farben, die Lebendigkeit und die außergewöhnliche Schönheit der Stadt bestaunten. Diese Mischung aus überraschtem Staunen und Bewundern ließ sich aber nicht nur am Präsidentenehepaar beobachten, sondern auch an den vielen Neapolitanern, die Selfies machten, Willkommenschöre anstimmten und diesen so ungewöhnlichen Besuch zu Fuß als Geste der Anerkennung und Nähe zu ihrer Stadt und zu Italien im Allgemeinen erlebten. Und so war und ist es auch. Nun liegt es an uns, diese gute Beziehung bei jeder Gelegenheit, die sich ergibt, zu pflegen und zu fördern.

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