BottoMap Rom Die Stadtkarte der römischen Kreativität

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Bottomap | © Pippo Onorati

Angesichts der Tatsache, dass der globalisierte Markt auch die Staaten heute zu einer grundsätzlich neuen strategischen Positionierung veranlasst, gerät die Kreativität erneut in den Mittelpunkt von Politik und Investitionen, weil sie als Synonym für die Fähigkeit gilt, sich weiterzuentwickeln und auf die Herausforderungen der Komplexität zu reagieren.

Als Erbe von mehr als 2.000 Jahren Geschichte und Kultur, die ihn zum stärksten Magneten für Touristenströme weltweit machen, sieht der alte Kontinent daher in der Kreativität einen der wichtigsten Sektoren für den Wettbewerb mit den Vereinigten Staaten und Fernost.

In diesem Zusammenhang spielt Italien einerseits aufgrund seiner bedeutenden historischen und kulturellen Grundlagen mit 51 UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten, der höchsten Zahl in einem Land, und andererseits mit weltweit führenden Industriebranchen wie Mode und Design weiterhin eine Schlüsselrolle für Europa.

  • Bottomap © Pippo Onorati
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Die bestehenden großen kulturellen Unterschiede, die auch nach mehr als 150 Jahren geographischer und politischer Einheit nicht als Wert gelten, wirkt sich heute negativ auch auf die Kreativwirtschaft aus, mit stark unterschiedlich ausgeformten Möglichkeiten der Regionen, Talente zu fördern und Produktionsketten für kreative Produktion bereit zu stellen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen führt diese Entwicklung zu einer Vielzahl von Einzelphänomenen, die keine regionalen und nationalen Strategien erkennen lässt, sondern allein das Ergebnis von Einzelinteressen sind. Bei der Untersuchung italienischer Wirtschaftsstrukturen auch hinsichtlich der Kreativwirtschaft ist es daher nicht immer zielführend, Prozesse und Strukturen von oben zu betrachten, wie dies bei der traditionellen Industrieproduktion und dem damit verbundenen Ausbildungsbereich geschieht. Es muss vielmehr darum gehen, zu den einzelnen Nischen der jeweiligen sozialen Strukturen vorzudringen, von denen aus die italienischen Regionen sich fast schon instinktiv organisieren.

Rom

In einer Stadt wie Rom mit ihren drei Millionen Einwohnern  auf einem Territorium, das größer ist als Paris und Berlin zusammengenommen, mit vier staatlichen Universitäten, zahlreichen ausländischen Instituten mit Kursen für Kunst, Architektur und Design sowie anerkannten Akademien für Kreative, gibt es keine Spur von Produktionsketten. Eine Ausnahme bildet der Film, für den es strukturierte Bildungs- und Produktionsabläufe gibt.
 
Der Mangel an Visionen in Rom sticht m Vergleich mit Mailand noch stärker ins Auge, mit seiner traditionell stark spezialisierten Produktion, die in den letzten 25 Jahren einen Transformationsprozess durchlaufen hat, um die eigene Industriestruktur im Dienst der kreativen und wissenschaftlichen Forschung an das Zeitalter der Digitalisierung anzupassen. Darüber hinaus ist es der norditalienischen Metropole gelungen, seinen Führungsanspruch auch nach außen zu tragen, etwa bei der Möbelmesse Salone del Mobile oder mit der Weltausstellung Expo.
 
Die vorliegende Untersuchung über Kreative in Rom geht von dem beschriebenen Mangel aus und reagiert zugleich auf ihn.
 
Was geschieht mit den zahlreichen kreativen Talenten nach dem Ende ihrer Ausbildung, wenn es an einem linearen Übergang in die Arbeitswelt mangelt? Wie erfolgt die „unnatürliche“ Selektion der Talente? Wie viele von ihnen verzichten, obwohl sie eine Förderung verdient hätten?

Forschungsmethode

Bei dem Versuch, die kreative Identität Roms zu erkunden, wollen wir weniger ausgetretene Pfade einschlagen und bewusst auf vorgefasste Filter verzichten, um den Fluss des kreativen Prozesses zurückzuverfolgen. Der Titel Bottomap fasst genau das kurz und knapp zusammen: das Ganze mal von der anderen Seite angehen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht nicht der Designer selbst, sondern der Weg, auf dem er sein Talent zum Tragen bringt, bzw. sein Versuch, dies zu tun. Wie findet man jedoch ein Talent, dass sich noch nicht etabliert hat oder seinen Weg in ein für die Entwicklung günstiges Umfeld noch nicht gefunden hat?

Im Bereich des Produktdesigns machen wir uns an Produktionsstätten für Prototypen auf die Suche nach jungen Designern, die dort ein Netz aus weit verzweigten Mikro-Aktivitäten entwickeln, beim Drucker, Schneider, Tischler, Makerspace und in der Werkstatt findet sich eine von den Betroffenen selbst geschaffene Produktionskette, in der Designer qualifizierte Unterstützung für ihre Kreativität suchen.
Vor allem Handwerker zeigen so die Präsenz junger kreativer Energien in ihren Werkstätten. Sie führen uns bei der Untersuchung zugleich auf die Spur der intellektuellen Arbeit in Studios und Ateliers.

Erwartete Ergebnisse

Bottomap © Davide Paterna / Valentina Frasghini Mit diesem innovativen Ansatz dürften zwei Forschungsziele erreicht werden. Zum einen das Eintauchen in eine Struktur aus viel versprechenden Designer-Talenten, die bislang unbekannt und daher weitgehend unbemerkt sind, aber einen Eindruck über die kreativen Fähigkeiten Roms vermitteln, zum anderen eine ausführliche Darstellung der Mikro-Produktionsstätten im Kreativ-Bereich, die das Bewusstsein für ein neues Verständnis der kreativen Industrie schärft, die kleinteilig ist und vom Handwerk angetrieben wird.