BottoMap Rom Begegnung zwischen Famo Cose und Plato Design

Plato Design D-Twelve
Plato Design D-Twelve | © Pippo Onorati

Damit sind wir zum Herzen unseres Projekts vorgestoßen: wir besuchen die Handwerker von Famo Cose, bei dem wir den Designer Plato Design kennen lernen. Handwerk zu definieren ist heutzutage kompliziert geworden, vor allem in einem Land wie Italien, wo Tradition weiterhin eine wichtige Rolle spielt.

Auch beim Handwerk hat sich der Übergang vom Analogen zum Digitalen bereits vollzogen. Software, 3D-Drucker und Open-Source-Systeme sind ebenso rasch wie unwiderruflich in die Entwicklungsmethoden eingeflossen, die bei der Erzeugung neuer Designprodukte zum Einsatz kommen. Auch wenn das Handwerk in der kollektiven Wahrnehmung weiterhin als romantisch gilt, haben große und kleine Unternehmen seit Langem damit begonnen, mit neuen Materialien und Produktionssystemen zu experimentieren, die wiederum mit neuen Technologien zu tun haben.

 

Famo Cose in Pigneto

BottoMap musste sich in der Recherche über Rom unbedingt auch mit den fortschreitenden Veränderungen befassen. So ist die Wahl auf Famo Cose gefallen, einen Makerspace im Viertel Pigneto, der Technologie und Tradition bei der Entwicklung von Designprodukten vereint. Ein Makerspace ist eine gemeinsame Werkstatt, die über Arbeitsräume, Werkzeuge und digitale und analoge Maschinen verfügt, um die Entwicklung von Produkten durch unabhängige Desgner zu fördern. Er ist zugleich ein Ort, an dem es nicht nur um Produktion sondern auch um Ausbildung geht, ein Ort, an dem Kurse und Workshops über Entwicklungstechniken stattfinden. Um uns ein Bild davon zu machen, haben wir mit Luca Magarò, dem Gründer von Famo Cose, gesprochen.
„Famo Cose ist zunächst aus einem ganz persönlichen Bedürfnis heraus entstanden. Ich bin industrieller Produktdesigner mit Abschluss beim ISIA, dem Istituto Superiore per le Industrie Artistiche. Diese Schule hat mir einen sehr weit gefassten und reichen Designbegriff vermittelt. Nach Tätigkeiten für Büros und Firmen habe ich mich selbstständig gemacht. Als unabhängiger Designer entwickelte ich meine Projekte in Coworking-Büros, wo mein Arbeitsplatz nur aus einem Schreibtisch und meinem Computer bestand. So zu arbeiten bedeutete, von den wenigen Mitteln abhängig zu sein, über die ich verfügte. Ich konnte meine Entwicklungsmöglichkeiten nicht voll entfalten und bin von einem Ort zum anderen gewechselt, bis ich beschlossen habe, selbst einen Ort zu eröffnen, der den Bedürfnissen von Entwicklern entspricht.“
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
  • Famo Cose in Pigneto © Pippo Onorati
Nach jahrelanger Suche nach einem passenden Ort für die nötigen Arbeitsmaschinen wird Famo Cose 2014 in der Via Caltanissetta, einer Querstraße der Hauptachse Via del Pigneto, gegründet. Das Viertel ist in den letzten Jahren auch dank der Entstehung von Fablabs und Startups wie diesem bekannt geworden.
„Das war nicht so geplant, aber letztendlich habe ich mich für Pigneto entschieden, weil ich hier die nötigen Voraussetzungen zur Gründung von Famo Cose vorgefunden habe. Da Rom keine Stadt mit industrieller Tradition ist, finden sich Lokalitäten wie diese ausschließlich in der Nähe der Eisenbahnlinien, und der Ostteil der Stadt ist voll.“
Durch Arbeits- und vor allem Kreativtreffpunkte wie diese entstehen Netzwerke, die die Zusammenarbeit zwischen Designern, aber auch zwischen Unternehmen fördern. Auch wenn es in Rom Treffpunkte für Kreative gibt, so mangelt es doch an Räumen, die die Formel von Famo Cose nutzen und die dazu führen, dass man nicht nur einen Schreibtisch mit PC, sondern Maschinen zum Herstellen von Prototypen nutzen kann.
„Mir ging es von Anfang an nicht nur darum, einen Ort zum Coworking zu gründen, sondern um eine Identität mit einer eigenen Linie und einer eigenen Projektkultur, um diejenigen, die sich beteiligen, dazu anzuspornen, Produkte von höchster Qualität zu entwickeln.“
Zu den Vorbildern gehören Beispiele des Coworking aus dem Ausland wie Betahaus in Berlin, das 2009 gegründet wurde und das Konzept eines gemeinsamen Raumes einer Gemeinschaft umsetzt. Neben Arbeitsräumlichkeiten gibt es dort ein Café und andere Plätze zum Entspannen, wo man sich von anderen inspirieren lassen kann. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Startups und Designern steht im Zentrum des Projekts, das sich auch in anderen europäischen Städten verbreitet hat, wie in Barcelona, Hamburg und Sofia.
 

Plato Design

Seit etwa einem Jahr arbeitet Famo Cose bei der Erstellung der Produkte eines jungen Startups mit. Plato Design wurde in Rom vom Architektenpaar Alessandro Mattei und Caterina Naglieri gegründet. Anhand ihrer Geschichte lässt sich nachvollziehen, wie sich in Rom ein Projekt für industrielles Design etablieren kann, von der Ausbildung seines Urhebers über die Forschung in handwerklichen Werkstätten bis zum Vertrieb des Endprodukts.
Die Gründer von Plato Design haben Architektur studiert und haben viele Erfahrungen im Ausland gesammelt, bevor sie nach Rom zurückgekehrt sind, um sich auf ein Projekt für modulare Magnetlampen zu konzentrieren, die Kollektion Twelve. Diese zwölfeckigen Lampen können mit Hilfe von Magneten miteinander verbunden werden, so dass sie eine Wabe aus Licht formen.
 
  • Im Studio von Plato Design © Pippo Onorati
  • Im Studio von Plato Design © Pippo Onorati
  • Alessandro Mattei von Plato Design © Pippo Onorati
  • Im Studio von Plato Design © Pippo Onorati
  • Im Studio von Plato Design © Pippo Onorati
  • Alessandro Mattei von Plato Design © Pippo Onorati
  • Im Studio von Plato Design © Pippo Onorati
  • Im Studio von Plato Design © Pippo Onorati
„Plato Design ist heute eine kleine Firma für Produktion und Selbstbau. Offiziell ist sie 2015 mit Hilfe einer Finanzierung des Fonds der Region Latium für Kreative für das Twelve-Projekt entstanden. Ausgehend von diesem Projekt haben wir auf Kickstarter eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um mit der Herstellung der Lampen beginnen zu können. Jetzt sind wir in dieser Phase voll ausgelastet.“

Rückblick auf die Monate vor der Gründung der Firma.
„Ich habe von 2010 bis 2014 im Ausland gearbeitet, in Warschau. Als Architekt habe ich dort Großbaustellen an Flughäfen und U-Bahn-Linien betreut. Wenn du so weit weg bist, kommt früher oder später der Punkt, an dem du dich zwischen einer neuen Stabilität oder der Rückkehr entscheiden musst. Ich habe mich für die Rückkehr nach Rom entschieden. Meine Partnerin, die Mitgründerin von Plato, ist auch Architektin. Sie pendelte damals zwischen Italien, Spanien und Warschau. Mitten im Schnee habe ich dort begonnen, mit Holzabfällen und Licht zu spielen, ohne zu merken, dass mir unter den Händen ein Projekt entstand. Damals habe ich in Deutschland Holzteile bestellt, mit denen ich die Zwölfecke konstruieren konnte, und habe sie zusammengesetzt. Das Ganze entstand ohne Skizzen oder Zeichnungen, es hat einfach mit den Händen angefangen. Weil ich keine Designerausbildung habe, gehe ich von der Erfahrung eines Tischlers aus, der meines Großvaters. Mit seinen Materialien habe ich häufig gespielt, ohne mir darüber bewusst zu sein, was für eine Ästhetik daraus entstehen könnte.“

Im Studio von Plato Design © Pippo Onorati Die Zusammenarbeit mit Famo Cose entsteht eher zufällig. Plato Design teilt sich das erste Studio mit einem anderen Designer, der Objekte aus Zement herstellt und für die Produktion auf Sergio, einen jungen Mann vom Makerspace im Pigneto, zurückkommt. Als Alessandro und Caterina auf der Suche nach einer Fräsemaschine waren, fragten sie um Rat und stießen durch ihren „Mitbewohner“ auf Sergio. Nach vielen Gesprächen und vielen Vorschlägen versteht man sich so gut, dass die Fräse gemeinsam erworben wird. Mit Hilfe der Erfahrung von Famo Cose und Plato, dem Designerhandwerker auf der einen und dem Handwerksdesigner auf der anderen Seite, haben wir versucht, den Bereich des Product Design in Rom zu analysieren.
 
Famo Cose - „In Rom zu arbeiten ist für uns sehr schwierig. Weil es in Rom kaum Industrie gibt, fehlt der Stadt das Bewusstsein dafür. Immer wieder stoßen wir auf das Klischee, dass in Mailand sogar der Barista von nebenan über Design redet. Hier in Rom ist das anders. Es gibt eine Kultur des Handwerks, nicht nur die klassische der Werkstätten, sondern auch eine jüngere, z.B. beim Film, wenn es um Ausstattung und Kostüme geht. Hierbei fehlt allerdings die Verbindung zur Industrieproduktion. In letzter Zeit gibt es aber eine regelrechte Renaissance, weil das Designerdasein heute nicht automatisch ein Ambiente aus Unternehmen und Industrien bedeutet, die deine Ausbildung erleichtern. Entwicklung und Produktion erfolgen nicht mehr am selben Ort. Entwicklung und Fabrik sind nicht mehr direkt aneinander gekoppelt. Apple z.B. wird in Kalifornien entworfen und in China hergestellt. Heute kannst du als Designer überall arbeiten. So kann auch Rom aufgrund der starken kulturellen und künstlerischen Prägung der Stadt zu einem interessanten Umfeld werden, zu einem Ort der Inspiration, an dem Du sehr interessante Anregungen bekommst.“

Famo Cose - „Das ist sehr neu und wie alle großen Neuheiten ist es schwer, es begreiflich zu machen, vor allem in Rom. Wir hatten Glück, denn wir konnten die Makerfaire veranstalten, das hat sehr bei der Verbreitung der Maker-Kultur beim breiten Publikum geholfen, das nicht nur aus Experten bestand. Trotzdem bleibt noch viel zu tun, um die Projektkultur zu vermitteln, obwohl Rom die Wiege vieler großer Designer ist, vor allem in der Architektur und Grafik wie Michele Spera, dessen Arbeiten in aller Welt geschätzt sind. Das hätte eigentlich deren Verbreitung erleichtern müssen. Hier etwas umzusetzen und zu begreifen ist aber schwieriger als anderswo, diese Schwierigkeiten haben jedoch zur Entstehung einer besonders aktiven und widerstandsfähigen Subkultur geführt.“

Im Studio von Famo Cose © Pippo Onorati Die Öffentlichkeit scheint zumindest teilweise ein Bewusstsein dafür entwickelt zu haben, inwiefern das digitale Handwerk in der Lage ist, wichtige Veränderungen im Industriedesign herbeizuführen. Die Institutionen haben ihrerseits mittlerweile begonnen, solche Aktivitäten in kleinen Schritten zu fördern, indem sie in die Entwicklung junger Designer investieren und die nötige Aufmerksamkeit auf das digitale Handwerk lenken.

Famo Cose - „Die Institutionen, Regionen und vor allem die Gemeinden engagieren sich immer mehr in diesem Bereich. Heute herrscht ein großes Interesse, das teilweise durch die Aufmerksamkeit entstanden ist, die weltweit der Industrie 4.0 gilt, der neuen Produktions-Avantgarde. Teil dieser Dynamik sind die Themen, die mit digitaler Manufactury zu tun haben. Man muss dieses wertvolle Interesse richtig nutzen, um das Risiko zu vermeiden, falsche und voreilige Definitionen über das digitale Handwerk zu verbreiten.“

Plato - „Für Plato Design haben die Institutionen viel getan. Die Region leistet mit Lazio Creativo sehr wertvolle Arbeit. Dabei geht es nicht nur um Fonds für junge Designer, sondern auch um die Kommunikation über dieses Thema. Noch wird dabei experimentiert und nach den besten Arten gesucht, um sich diesen Themen zu nähern, aber schon jetzt gibt es zahlreiche Initiativen. Nicht alles ist von guter Qualität, aber sie haben klare Ziele und engagieren sich sehr, diese auch zu erreichen.“

Im Studio von Plato Design © Pippo Onorati Die Erstellung eines Produkts erfolgt in mehreren Phasen. Die Entwicklung durch Skizzen und dreidimensionale Tests, die Planung mit stärker ins Detail gehenden Entwürfen und Prototypen, und die Produktion mit den Materialien und deren Verarbeitung. In jeder Phase ist das Ziel nur durch die Zusammenarbeit verschiedener Experten zu erreichen. Nur, wenn Handwerker und Designer ihre Kompetenzen vereinigen, kann die Entwicklung von Objekten zum Ziel führen.

Famo Cose - „Letztendlich ist der Prozess zur Umsetzung eines Projekts sehr einfach. Im Fall von Plato Design wurde der gesamte Prozess von A bis Z durchgeführt: erst haben sie diese Idee gehabt und haben begonnen, mit den ersten Versuchen und Prototypen daran zu arbeiten, dann haben sie Formen und Materialien entwickelt und am Ende haben beschlossen, sich und ihre Idee nochmal kritisch und objektiv anzugehen, indem sie auf Kickstarter eine Kampagne lanciert haben, einerseits um sich zu finanzieren, andererseits aber auch, um die eigenen Ideen anhand des Feedbacks zu überdenken. An dem Punkt hat unsere Zusammenarbeit begonnen. Bis zu diesem Moment waren sie bei der Umsetzung des Projekts autonom und sind es bis heute, aber an diesem Punkt haben die Leute von Famo Cose die Gelegenheit gehabt, sich mit unserer Expertise zu konfrontieren, die eher technisch ist, um den Produktaufbau zu unterstützen.“

Plato - „Unsere Erfahrung ist zum Teil dem Zufall geschuldet, sie war mitunter auch chaotisch. Wir habendiesen Weg alleine eingeschlagen, weil die Umstände das mit sich brachten. Wir sind ein Beispiel dafür, was man heute in diesem Bereich machen kann, trotz der begrenzten Möglichkeiten. Durch unseren Einstieg in die Gemeinschaft von Famo Cose haben wir mehr Energie gewonnen. Das bedeutet nicht nur, dass man Zugang zu bestimmten Maschinen hat, sondern auch, sich mit anderen Experten bei der Ausarbeitung des Produkts zu konfrontieren. Wenn wir eher an diesen Punkt gekommen wären, wäre das eine große Hilfe für den Entwicklungsprozess der Kollektion Twelve gewesen.“