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Freiraum

Das Projekt Freiraum möchte erkunden, wie es in den Städten Europas um die Freiheit bestellt ist. Welche Fragen ergeben sich, wenn Bürger*innen, Wissenschaftler*innen und Kulturschaffende ganz ortsspezifisch über den Begriff „Freiheit“ nachdenken? Welche Probleme werden in einer Stadt erkennbar? Indem sie ihre Fragen munter quer durch Europa tauschen, entwickeln 42 Goethe-Institute und ihre Partner aus Kunst und Zivilgesellschaft kreative Antworten – aus der Ferne, mit hilfreichem Abstand, füreinander.
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Freiraum© Goethe-Institut

Ein Graffiti für Rom und Nikosia

Beyond the walls: Graffiti-Entwurf für „Freiraum” Foto (Zuschnitt): © daSud

Graffiti für „Freiraum“ in Rom und Nikosia
Beyond the walls

Im Rahmen des europäischen Projekts Freiraum erarbeiten die Schüler des römischen Instituts IIS Enzo Ferrari mit Unterstützung des Comic-Museums in Cosenza ein Graffiti, das auf der Fassade der Schule sowie in der Bibliothek der Accademia Popolare dei diritti e dell’antimafia zu sehen sein wird. Ein identisches Graffiti soll in Nikosia im Flüchtlingslager und an anderen emblematischen Orten der Stadt entstehen. Eine interaktive Tafel und eine dazu entwickelte App wurden in Rom anlässlich der 4. Ausgabe von Restart!, Festival der Kreativität gegen die Mafien und für die Rechte, am Donnerstag, den 18. Oktober 2018 im IIS Enzo Ferrari, Via Contardo Ferrini 83, Rom, präsentiert. Die Vorstellung in Nikosia findet am Samstag, den 24. November 2018 statt.

  • Auftakt des Restart-Festivals am 18. Oktober 2018 © Francesco Cicconi
    Auftakt des Restart-Festivals am 18. Oktober 2018
  • Auftakt des Restart-Festivals am 18. Oktober 2018. Amico Dolci erzählt von seinem Vater Danilo Dolci, Aktivist und Soziologe. © Francesco Cicconi
    Auftakt des Restart-Festivals am 18. Oktober 2018. Amico Dolci erzählt von seinem Vater Danilo Dolci, Aktivist und Soziologe.
  • Gabriele Kreuter-Lenz (Leiterin des Goethe-Instituts Italien), Karin Varga (Leiterin des Goethe-Instituts Nikosia) und Vito Foderà (daSud) stellen das Projekt „Freiraum“ vor. © Francesco Cicconi
    Gabriele Kreuter-Lenz (Leiterin des Goethe-Instituts Italien), Karin Varga (Leiterin des Goethe-Instituts Nikosia) und Vito Foderà (daSud) stellen das Projekt „Freiraum“ vor.
  • Gabriele Kreuter-Lenz (Leiterin des Goethe-Instituts Italien), Karin Varga (Leiterin des Goethe-Instituts Nikosia) und Vito Foderà (daSud) stellen das Projekt „Freiraum“ vor. © Francesco Cicconi
    Gabriele Kreuter-Lenz (Leiterin des Goethe-Instituts Italien), Karin Varga (Leiterin des Goethe-Instituts Nikosia) und Vito Foderà (daSud) stellen das Projekt „Freiraum“ vor.
  • Vorstellung der App und der interaktiven Tafel. © Francesco Cicconi
    Vorstellung der App und der interaktiven Tafel.
  • Vorstellung der App und der interaktiven Tafel. © Francesco Cicconi
    Vorstellung der App und der interaktiven Tafel.
  • Interaktive Tafel außerhalb der Schule Enzo Ferrari in Rom. © Francesco Cicconi
    Interaktive Tafel außerhalb der Schule Enzo Ferrari in Rom.

Beyond the walls: Das Projekt

Weltweit leidet die Wirtschaft heute unter den Folgen der Finanzkrise des Jahres 2010, und auch die Bürger Roms wohnen einer zunehmenden Reduzierung der grundlegenden Leistungen des Wohlfahrtsstaats bei. In der italienischen Hauptstadt, bleibt neben den Etatkürzungen für Bildung, Wirtschaftsförderung, öffentliche Infrastrukturen und Kultur, auch die Problematik der Korruption und der organisierten Kriminalität gravierend. Vor allem in der römischen Peripherie hat der Rückzug des Staates die Gleichgewichte ins Wanken gebracht und ein fruchtbares Terrain für die Kriminalität geschaffen. Die Mafien und die Kriminalität bieten ganzen Stadtvierteln Dienstleistungen und Arbeitsplätze, werben Wachposten, Lageristen und Dealer für den Drogenhandel an und entlohnen sie, und üben so eine nahezu totale Kontrolle über das Territorium aus. Sie stellen eigene Sicherheitsdienste zur Verfügung, vergeben Sozialwohnungen und kontrollieren Handel und Gewerbe. Die schmutzigen Gelder werden sodann in den Spielhallen reingewaschen, die wie Pilze aus dem Boden schießen, und den Familien in Geldnot gefährliche Illusionen vermitteln.

Um dieser brisanten Lage Abhilfe zu schaffen, haben sich in zahlreichen Stadtvierteln Bürgerkomitees und -vereine zusammengeschlossen. Im Rahmen des Projekts Freiraum hat das Goethe-Institut Kontakt zu diesen Gruppen aufgenommen und in der Accademia popolare dei diritti e dell’antimafia (Volksakademie zur Verteidigung der Rechte und zum Kampf gegen die Mafien) Workshops organisiert. Die von dem Verein daSud gegründete Akademie hat ihren Sitz im Institut IIS Enzo Ferrari, einem Gymnasium in der östlichen Peripherie Roms. An den Begegnungen haben Vertreter der Anti-Mafia-Organisation daSud – Partner des Goethe-Instituts beim Projekt Freiraum -,Architekten, Städteplaner, Soziologen, und Fachleute teilgenommen, die sich mit der Problematik der Vorstädte befassen, sowie Mitglieder verschiedener Kulturvereine, die in den Bezirken Cinecittà-Don Bosco, Prenestina-Torpignattara und Tor Bella Monaca (insgesamt circa 800tausend Einwohner) engagiert sind.  

Teilnehmer:
  • Für daSud: Danilo Chirico, Laura Triumbari, Vito Fodera, Andrea Meccia, Marco Carta
  • Goethe-Institut Rom: Gabriele Kreuter-Lenz, Antonella Perin
  • Dicea – Dipartimento di Ingegneria Civile, Edile e Ambientale dell’Università La Sapienza di Roma: Prof. Carlo Cellamare; Giulia Barra; Marco Gissara
  • Alessandro Lanzetta; Deborah Navarra
  • Loris Antonelli, Diversamente
  • Diego Ciarafoni, Eccoci
  • Sandro Iazzetti, Autor
  • Comitato di sviluppo locale di Piscine di Torrespaccata
Aus diesen Begegnungen und Debatten ergab sich folgende ortsspezifische Fragestellung für das Projekt Freiraum:

Wie können grundlegende Praktiken lokaler Entwicklung in einem Gebiet umgesetzt werden, das von der Mafia kontrolliert und von Gewalt betroffen ist?
Mit dieser Fragestellung hat Rom an einem Treffen in Warschau sämtlicher am Projekt Freiraum beteiligter europäischer Städte teilgenommen. Während des Treffens wurden per Zufallsgenerator Paarungen bestimmt und als Tandemstadt von Rom wurde Nikosia gezogen. Nikosia wird folgende Fragestellung bearbeiten: „Haben wir Zugang zur richtigen Bildung, damit wir eine nachhaltige und faire Ökonomie sichern können, in der wir unsere ökonomische Freiheit effektiv anwenden können?“.

Das Goethe-Institut der zypriotischen Hauptstadt und Achilleas Kentonis von dessen Partnerorganisation ARTos Cultural and Research Foundation haben sich mit Vertretern des hiesigen Goethe-Instituts und dessen Partner daSud in Rom getroffen. Dieser Anlass bot der Delegation Zyperns Gelegenheit, die Accademia popolare die diritti e dell’antimafia, die Schüler des Instituts IIS Enzo Ferrari sowie die anliegenden Stadtviertel kennenzulernen und so die Fragestellung Roms in einen konkreten örtlichen Entstehungskontext einzuordnen. Im Gegenzug wurde daSud nach Nikosia eingeladen, um am Festival Neighbourhood 101 Villages Strovolos teilzunehmen. Location dieser Veranstaltung war ein Aufnahmelager, das 1974 entstanden war, um den Flüchtlingsnotstand infolge der türkischen Invasion einzudämmen, und das seitdem eine Anlaufstelle für ganze Heerscharen von Migranten darstellte, die auf der Insel ankamen. Heute haben dort Künstler, Ortsansässige, Schauspieler, Durchreisende, Musiker, Handwerker, Bäcker, Arbeitslose, Asylbewerber und Verbannte ein Zuhause gefunden.
Danilo Dolci Danilo Dolci | Grafik: © daSud Bei den Begegnungen und Debatten zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch sind Rom und Nikosia übereingekommen, die beiden jeweiligen Fragestellungen mittels gemeinsamer Interpretationsansätze und Ausdrucksformen anzugehen. Einen wichtigen Beitrag lieferten hierbei das Leben und Wirken des Soziologen, Poeten und Aktivisten Danilo Dolci (1924-1997).

Dolcis soziales und erzieherisches Engagement gründete auf der sokratischen Mäeutik und strebte die sog. „Selbstkompetenz”, das Empowerment jener Personen an, die von Macht und System ausgeschlossen sind. Seine Studien, die bis auf die Siebziger Jahre zurückreichen, sind bis heute Inhalt internationaler experimenteller Forschungsprojekte. Danilo Dolcis Arbeitsmethode basiert auf der Überzeugung, dass wahre Veränderungen nur mittels direkter Einbeziehung und Beteiligung der Betroffenen erreicht werden können; Fortschritt bedeutet für ihn den konstruktiven Rückgriff auf Kultur und Kompetenzen des Territoriums sowie auf die Beiträge der einzelnen dort ansässigen Gemeinwesen und Individuen. In den nach der Methode Dolcis abgehaltenen Sitzungen hinterfragt sich jeder Einzelne, konfrontiert sich mit seinem Gegenüber, hört zu, trifft selbstständig Entscheidungen und wird so zur treibenden Kraft der sozialen und politischen Emanzipation der Individuen und der Gemeinschaft, der er selbst angehört.

Ausgehend von der Schlüsselfigur Danilo Dolcis haben die Schüler des Instituts IIS Enzo Ferrari, mit Unterstützung des Comikmuseums in Cosenza, den Entwurf eines Graffitis erarbeitet, das auf der Fassade der Schule sowie in der Bibliothek der Accademia Popolare dei diritti e dell’antimafia zu sehen sein wird. Identische Graffitis sollen in Nikosia – im Flüchtlingslager und an anderen emblematischen Punkten der Stadt – realisiert werden. Auf diese Weise soll dem im Rahmen des Projekts Freiraum entstandenen Dialog zwischen Rom und Nikosia in beiden Städten ein konkret sichtbares Zeichen gesetzt werden. Zugleich wird eine im Rahmen des Projekts extra entwickelte App Informationen zum Projekt und zu den beteiligten Vereinigungen bieten.

Weiterdenken

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