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Freiraum Amsterdam
Dekonstruktion der Nationalflaggen

FreiRaum Amsterdam
FreiRaum Amsterdam | © Bianco-Valente

Von Bianco-Valente

Wir glauben, dass die kulturelle Identität eines Ortes oder einer Nation kein statisches Merkmal ist, unveränderlich in der Zeit. Wir sind der Überzeugung, dass sie nur zu einem kleinen Teil in der Vergangenheit wurzelt und vielmehr von gegenwärtigen und zukünftigen Generationen geprägt ist.

Im Gegensatz zu dem, was Politiker stets aufs Neue behaupten, vor allem in den letzten Jahren, in denen Populisten und Nationalisten immer mehr Konsens zu finden scheinen, ist kulturelle Identität nicht etwas, das von Institutionen oder dem Kapital bestimmt werden kann. Tatsächlich verändert sich der Geist eines Ortes kontinuierlich und sozialer Wandel ist ein Phänomen, das nur schwer vorherzusagen und zu steuern ist.

Die kulturelle Identität einer Stadt ist das Ergebnis der täglichen Interaktion der Menschen, die dort leben: egal ob reich, arm, intellektuell, marginalisiert, jung oder alt tragen alle auf ihre Weise dazu bei, den Ort, an dem sie mit anderen interagieren, einzigartig zu machen, wie in einem großen Theater, in dem das Leben jeden Tag neu inszeniert wird.
 
In den letzten Monaten haben wir viel über diese Begrifflichkeiten nachgedacht, vor allem während unserer beiden Residenzen in Amsterdam, die es uns ermöglichten die Stadt und engagierte Menschen und ihre Integrationsprojekte kennen zu lernen. Die zahlreichen Gespräche, die wir führten, kreisten insbesondere um zwei hochkomplexe und vieldiskutierte Fragen, diejenigen nach der kulturellen Identität und nach der Freiheit, bzw. danach wie diese beiden Konzepte an einem multikulturellen Ort wie Amsterdam und den Niederlanden in Beziehung zueinander stehen.

Die in den Gesellschaften weitverbreitete Vorstellung kulturelle Identität gründe in erster Linie auf der Vergangenheit, öffnet dem Totalitarismus Tür und Tor und schränkt allmählich die Freiheit des Einzelnen ein. Dagegen ermöglicht uns ein offener und unvoreingenommener Blick auf die kulturelle Identität des Ortes, an dem wir hier und heute leben, Menschen aus anderen Kulturen aufzunehmen und in das soziale Gefüge zu integrieren, es reicher und vitaler zu machen.
 
Mit der Idee, ein Kunstwerk für Amsterdam zu entwickeln, das all diese Überlegungen zusammenfasst, haben wir beschlossen, eine Flagge zu realisieren, die das Miteinander der verschiedenen Kulturen versinnbildlicht, dergestalt dass sie aus den Flaggen der unterschiedlichen Herkunftsländer zusammengesetzt ist.
Es geht darum, das Konzept der „Flagge“ und das, was sie symbolisiert, zu dekonstruieren, und damit jede Idee von Grenze und Nationalismus zu verwerfen.
Die neue Flagge wird den Umriss des historischen Amsterdamer Stadtzentrums darstellen, das unter dem Begriff „Neun Straßen“ bekannt ist und für jeden, der Amsterdam besucht, ikonischen Wert besitzt. Die mehr als 200 Stoffteile in verschiedenen Farben, die zu dieser großformatigen Flagge (cm 140x220) zusammengenäht werden, werden aus den Flaggen der Nationen gewonnen, die in der Amsterdamer Bevölkerung vertreten sind, wie die Türkei, der Libanon, Eritrea, Marokko, Surinam, Syrien, Irak und so weiter, und natürlich die Niederlande selbst.
 
Mit Unterstützung des Goethe-Instituts Niederlande haben wir ein Netzwerk aufgebaut, das es uns ermöglicht die verschiedenen in Amsterdam lebenden Gemeinden zu erreichen und zu bitten, uns die Nationalflaggen ihrer Herkunftsländer für unser Projekt zur Verfügung zu stellen. Bereits während unseres letzten Aufenthalts in der Stadt waren wir persönlich für diesen Zweck aktiv und haben so etwa eine Flagge aus Surinam und Ecuador erhalten. Wir hoffen, dass in den kommenden Wochen noch viele weiteren hinzukommen.
 

Giovanna Bianco und Pino Valente – Selbstporträt © (Zuschnitt) Bianco-Valente Bianco-Valente

Giovanna Bianco und Pino Valente begannen ihre künstlerische Tätigkeit 1994. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Untersuchung der Dualität zwischen Körper und Geist, der Entwicklung von Modellen der Interaktion zwischen unterschiedlichen Lebensformen sowie der Weitergabe von Erfahrungen durch die Mittel des Erzählens und Schreibens. Ihr künstlerisches Werk will Beziehungen zwischen Menschen, Ereignissen und Orten sichtbar machen, einschließlich der Schaffung signifikanter Installationen.

Seit ihren Anfängen haben Bianco-Valente an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Italien und im Ausland teilgenommen und Installationen für große Museen und öffentliche Räume weltweit realisiert.

www.bianco-valente.com

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