Die Jury
Deutsch-italienischer Übersetzerpreis

Zwei Jurys wählen jeweils die beste Übersetzung aus. Eine deutsche Jury, bestehend aus deutschen Juroren, wählt die Übersetzungen aus dem Italienischen ins Deutsche aus, die aus Italienern bestehende italienische Jury die Übersetzungen aus dem Deutschen ins Italienische. Jeweils ein Jurymitglied ist in beiden Jurys vertreten.

Italienische Jury

Hermann Dorowin, Vorsitzender (Germanist, Universität Perugia)

Geboren 1954 in Wien. Studium der Germanistik und Vergleichenden Literaturwissenschaft an den Universitäten Wien und Bonn. Lebt seit 1981 in Italien, wo er an den Universitäten Triest, Florenz und Turin gelehrt hat. Seit 1997 Professor der Germanistik an der Philosophischen Fakultät der Universität Perugia. Komparatistische Studien zur Kulturkritik der Zwanziger- und Dreißigerjahre (Retter des Abendlands, Stuttgart 1991) und zu Fragen der Rezeption, Übersetzung und Literaturvermittlung, z.B. im Werk italienischer Intellektueller wie Giaime Pintor und Cesare Cases. Zahlreiche Aufsätze zu österreichischen Autoren und Autorinnen des 20. Jahrhunderts, von Alfred Polgar über Elias Canetti, Jura Soyfer und Erich Fried bis Ingeborg Bachmann (Mit dem scharfen Gehör für den Fall, Wien 2002). Herausgeber zweisprachiger Ausgaben von Texten Büchners und Kleists, sowie mehrerer Sammelbände zum deutschsprachigen Theater (Il teatro contemporaneo di lingua tedesca in Italia, 2002; Il mito nel teatro tedesco, Perugia 2004). Hermann Dorowin schreibt Rezensionen, u.a. für die Turiner Zeitschrift L’Indice.

PAOLA CAPRIOLO, Schriftstellerin

Geboren 1962 in Mailand. Schriftstellerin, Mitarbeiterin an Corriere della Sera. Studium der Philosophie an der Università degli Studi di Milano, Promotionsschrift über Gottfried Benn (L’assoluto artificiale 1996). Weitere Essays: Rilke. Biografia di uno sguardo (2006) und La perfezione del nulla. Thomas Mann (2013). Übersetzungen von Goethe (Die Leiden des Jungen Werthers, Die Wahlverwandtschaften), Kleist (Michael Kohlhaas, Penthesilea), Kafka (Das Schloss, Die Verwandlung, Der Process), Thomas Mann, Stifter, Keller, Schnitzler, für die Verläge Feltrinelli, Einaudi, Marsilio und SE.

Andrea Casalegno, Übersetzer und Journalist

Geboren 1944 in Turin. Studium in Strafrecht an der Universität Turin. 1970 bis 1972 Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Norbert Bobbio im Fachbereich der Rechtsphilosophie. Anschließend zehn Jahre Tätigkeit als Redakteur für das Verlagshaus Einaudi, wo er u.a. verantwortlich für Übersetzungen aus dem Deutschen ist. Seit 1985 Zusammenarbeit mit dem Verlag Il Sole 24 Ore, bei dem er seit 1987 als Redakteur für die Ressorts Schule, Universität und deutsche Kultur arbeitet. Casalegno übersetzte Werke von Gregorovius (Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter), Lukacs (Goethe und seine Zeit), Goethe (Faust I, Faust II und Urfaust, einschließlich Bemerkungen), Lessing (Nathan der Weise), Musil (Über die Dummheit und andere Erzählungen), Luther (Hymnen) und Kleist (Erzählungen).

Cesare de Marchi, Philosoph, Schriftsteller, Übersetzer

1949 in Genua geboren, Studium der Philosophie in Mailand. Lebt seit 1995 in Baden Württemberg. Erste Erzählungen veröffentlichte er unter dem Titel L'ora di memoria (1981), andere in der von ihm 1987 gegründeten Literaturzeitschrift «Nuova Prosa». Es erschienen die Kindheitserinnerungen Il bacio della maestra (1992) und die Romane La malattia del commissario (1994), Il talento (1997), für den er 1998 die renommierten Literaturpreise Campiello und Comisso erhielt, Una crociera (2000), die drei Erzählungen Fuga a Sorrento (2003), der Roman La furia del mondo (2006), ausgezeichnet mit den Literaturpreisen Frignano und Dessì, und zuletzt La vocazione (2010). 
Nach Studien über den jungen Hegel und Schillers Philosophie folgten Übersetzungen und Essays zu Fontane (Irrungen Wirrungen, 1982), Kardinal von Retz (La Conjuration de Jean-Louis de Fiesque, 1990), Grillparzer (Weh dem, der lügt!, 1991), Schiller (Kallias-Briefe, 1993), Thomas Mann (Tonio Kröger und Tristan, 1992-93), die kritische Ausgabe der frühesten Romeo-und-Julia-Novelle des Luigi Da Porto (La Giulietta, 1994) und die Übersetzung (ins Italienische des XVI. Jahrhunderts) der Dunkelmännerbriefe (2004). Weiterhin Übersetzungen von Balzac und Schnitzler sowie der 2007 erschienene Essay Romanzi. Leggerli, scriverli. Von 1999 bis zur Einstellung des italienischen Programms 2003 besprach Cesare De Marchi italienische und deutsche Bücher für den Bayerischen Rundfunk. Seit Februar 2003 ist er Präsident der Dante-Gesellschaft Stuttgart.

Ugo Perone, Philosoph (Universität Turin)

1945 in Turin geboren. Studium der Theoretischen Philosophie. Für seine Abschlussarbeit erhielt er den Luisa Guzzo Preis. Von 1982 bis 1989 Professor für Religionsphilosophie an der Universität Turin. Von 1989 bis 1993 Professor für Theoretische Philosophie an der Universität Roma II. Seit 1993 Professor für Religionsphilosophie an der Universität Amedeo Avogadro (Ost-Piemont). Von 1993-2001 Kulturreferent der Stadt Turin, anschließend bis 2003 Direktor des Italienischen Kulturinstituts in Berlin. Er ist Senior Fellow des Collegium Budapest, Präsident der Italienischen Gesellschaft für Philosophische und Theologische Studien, Gründer und Mitherausgeber der Zeitschrift Filosofia e teologia, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Zeitschrift Giornale di metafisica, Präsident der Sektion Turin/Vercelli der Italienischen Philosophischen Gesellschaft. Forschungsaufenthalte als Humboldt-Stipendiat an der Universität München (1978/79), an der Universität Freiburg im Breisgau (1985) und an der Humboldt Universität zu Berlin (2003). Zu seinen Veröffentlichungen zählen: Teologia ed esperienza religiosa in Feuerbach, Mursia, Milano 1972; Storia e ontologia. Saggi sulla teologia di Bonhoeffer, Studium, Roma 1976; Modernità e memoria, Sei, Torino 1987; Cartesio o Pascal? Un dialogo sulla modernità, Rosenberg & Sellier, Torino 1995 (con C. Ciancio); Nonostante il soggetto, Rosenberg & Sellier, Torino 1995; Trotz/dem Subjekt, Peeters Verlag, Leuven 1998; Il presente possibile, Guida, Napoli 2005; La verità del sentimento, Guida, Napoli 2008.

Marina Pugliano, Übersetzerin

Geboren 1963. Studium der Germanistik in Florenz. Übersetzerin moderner und zeitgenössischer deutschsprachiger Prosa und Essayistik (um nur einige Namen zu nennen: Anna Seghers, H.G. Adler, Christa Wolf, Martin Suter, Florian Illies, Jörg Magenau und Daniel Spoerri) sowie von Poesie und Jugendliteratur. Marina Pugliano engagiert sich auf vielfältige Weise für die Übersetzung und die Übersetzer: Seit 2006 leitet sie die vom ViceVersa Programm (D) geförderte deutsch-italienische Werkstatt ViceVersa und seit 2015 ist sie Koordinatorin des vom Übersetzerhaus Looren (CH) geförderten Laboratorio Italiano. Überdies betreut sie seit 2011 Voci a fronte, im Rahmen des internationalen Festivals für Poesie Voci lontane, voci sorelle (Florenz). Sie ist seit dem Jahr 2000 Präsidentin der Übersetzer-Kooperative NTL. Außerdem ist sie Mitglied der Gewerkschaft Strade und setzt sich seit Jahren für die Einrichtung eines Übersetzerfonds in Italien ein. Marina Pugliano wurde 2006 mit dem Ladislao Mittner-Preis und 2012 für ihre Übertragung von H. G. Adlers Eine Reise mit dem deutsch-italienischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.

Deutsche Jury

Dr. Maike Albath, Vorsitzende, Journalistin und Literaturkritikerin

Geboren 1966 in Braunschweig. Studium der Romanistik und Germanistik in Berlin und Italien, 1996 Promotion über den italienischen Lyriker Andrea Zanzotto. Autorin und Moderatorin bei Deutschlandfunk, DeutschlandRadio Kultur und SWR. Schreibt für die Neue Zürcher Zeitung, die Frankfurter Rundschau und die Süddeutsche Zeitung. 1997 Auszeichnung mit dem Joachim-Tiburtius-Preis für ihre Dissertation, 2002 mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik, 2006 mit der Übersetzerbarke des Verbands deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke (VdÜ).

Ragni Maria Gschwend, Übersetzerin

Lebt in Freiburg und übersetzt seit über 30 Jahren italienische Autoren ins Deutsche, darunter Ennio Flaiano, Tommaso Landolfi, Claudio Magris, Elsa Morante, Guido Morselli, Italo Svevo und Fulvio Tomizza. Im Jahr 2000 veröffentlichte sie unter dem Titel Der schiefe Turm von Babel eine literarische Anthologie mit Geschichten vom Übersetzen, Dolmetschen und Verstehen, der 2005 der zweisprachige Band Capricci mit skurrilen italienischen Erzählungen und 2006 das originelle Buch Figaros Flehen & Flattern. Mozart in den Fängen seiner Übersetzer folgten. Für ihre Übersetzung Aufbrüche von Antonio Moresco erhielt sie 2006 den Leipziger Buchpreis in der Kategorie Übersetzung, und 2008 wurde sie vom Deutschen Literaturfonds für ihr Gesamtwerk mit dem Paul-Celan-Preis ausgezeichnet. Auch von italienischer Seite wurde ihre Arbeit mehrfach prämiert. Ragni Maria Gschwend ist Mitglied des P.E.N. Clubs Deutschland, Literaturpreisträgerin der Stadt Stuttgart und Stipendiatin des Reinhold Schneider-Preises Freiburg sowie der Calwer Hermann Hesse-Stiftung. Von 2001 bis 2008 stand sie dem Freundeskreis zur internationalen Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e. V. als Präsidentin vor.

Dr. Florian Höllerer, Leiter Literaturhaus Stuttgart

Geboren 1968 in Berlin. Studium der Germanistik und Romanistik in Berlin und Paris. Promotion über Gérard de Nervals Heine-Übertragungen; zwei Jahre assistant instructor an der Princeton University; Ehrenpreis der Lyoner Académie des Sciences, Belles Lettres et Arts für die Übersetzung der Gedichte René Leynauds; 1999-2000 Projektarbeit am Goethe-Institut Brüssel zum Kulturstadtprogramm Bruxelles 2000. Seit 2000 Leiter und Geschäftsführer des Literaturhauses Stuttgart. Mitherausgeber des Essaybandes Betrifft (Edition Suhrkamp, 2004). Herausgeber von W.G. Sebald: Zerstreute Reminiszenzen (Verlag Ulrich Keicher, 2008). Zahlreiche Vorträge und Artikel. Mitglied mehrerer Jurys, u.a. Adelbert von Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung und Literaturjury für Villa Massimo.

Dr. Adrian La Salvia, Romanist (Universität Erlangen)

Geboren 1966 in Dresden. Studium der Romanistik, Germanistik und Philosophie. Promotion über den italienischen Lyriker Giacomo Leopardi. Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Romanistik der Universität Erlangen-Nürnberg. Arbeiten zur vergleichenden Literaturwissenschaft und Übersetzungsforschung. Leiter der Wolfenbütteler Übersetzergespräche und der Erlanger Übersetzerwerkstatt. Ausstellungen: Himmel und Hölle. Die Göttliche Komödie in der bildenden Kunst der Moderne, Salvador Dalì. Das graphische Abenteuer. Thema der Habilitation: Die Tragédie en musique im europäischen Kontext. 1986 Preis des Istituto Italiano di Cultura und des WDR, 1994 Preis des Centro Nazionale di Studi Leopardiani.

Dr. Lothar Müller, Journalist und Literaturkritiker

Geboren 1954 in Dortmund. Studium der Germanistik und Geschichte an der Philipps-Universität Marburg/Lahn. 1985 Promotion über Karl Philipp Moritz. Lothar Müller ist heute Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Von 1997 bis 2001 war er Redakteur im Literaturblatt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Neben seiner journalistischen Tätigkeit ist Lothar Müller Autor zahlreicher Arbeiten zur Literatur- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts sowie zu Ästhetik, Kunst und Literatur der Moderne. Für das Jahr 2008/09 gastiert er im Wissenschaftskolleg zu Berlin mit einem Forschungsprojekt zur europäischen Kunstliteratur in der napoleonischen Ära. 2008 wurde Lothar Müller mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für Literaturkritik und Essay der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.

Dr. Irina Rajewsky, Romanistin (Freie Universität Berlin)

Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Italianistik und Kunstgeschichte in Madison (Wisconsin, USA), Berlin und Pisa (Italien). 2000 Promotion an der Freien Universität Berlin im Bereich der Romanischen Philologie zu intermedialem Erzählen in der italienischen Literatur der Postmoderne. 2001-2007 Wissenschaftliche Assistentin am Institut für Romanische Philologie der Freien Universität Berlin (italienische und französische Literaturwissenschaft) sowie Mitarbeiterin des Sonderforschungsbereichs Kulturen des Performativen (FU Berlin). 2008 zunächst Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg Medien und kulturelle Kommunikation (Universität zu Köln); seit November 2008 Leiterin des Forschungsprojekts Medialität – Transmedialität – Narration: Perspektiven einer transgenerischen und transmedialen Narratologie (Film, Theater, Literatur), angebunden an das Institut für Romanische Philologie der FU Berlin.