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Ausgesprochen … gesellig
Mediation und Revolution

Drei Schulkinder kommunizieren im Unterricht
Konfliktlösungskompetenz: wenn Kinder Probleme vernünftig angehen | Foto (Detail): Uwe Umstätter; © picture alliance/imageBROKER

Zivilisiert streiten und dabei Probleme tatsächlich lösen: Warum „Mediation“ und „Revolution“ wichtige Merkmale der kommenden Generation Alpha sein könnten.

Von Maximilian Buddenbohm

Das erste Wort klingt schön nach Frieden und Lösungen, das zweite aber nach Aufruhr und Problemen. Ich sehe auch einen Zusammenhang, auf den komme ich aber nur, weil ich zwei Söhne habe. Diese Söhne sind aus den Jahrgängen 2007 und 2009. Ich habe nachgesehen, zu welcher Generation sie damit gehören. Sie sind am Ende der Generation Z, sie sind fast schon das, was danach kommt, und was nach Meinung einiger Experten Generation Alpha heißen wird. Man kann in prophetischen Artikeln nachlesen, wie diese Generationen sind oder einmal sein werden. Da steht, welche Werte zu ihnen gehören, welche Haltung zur Gesellschaft, das ist alles recht erheiternd. Warum ist das erheiternd? Weil die Autorinnen dieser Artikel Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung nicht vorhergesehen haben. Es gibt lange Analysen der Haltung dieser jungen Menschen, die Texte sind noch aus dem letzten Jahr, da kommen die Begriffe Umwelt oder Klima nicht ein einziges Mal drin vor. Trendforscher haben es auch nicht immer leicht. 

Seltsam vernünftig und cool

Aber zurück zur Überschrift. Heute wird in Schulen viel für den sozialen Frieden unternommen, die Söhne etwa haben schon in der Grundschule Techniken der Mediation erlernt. Ich habe das erst für bloßes Wortgeklingel gehalten, bis ich gemerkt habe, dass die Kinder tatsächlich Probleme besprechen, ergründen und erfolgreich lösen können, sogar ganz ohne Erwachsene dabei. Auf eine seltsam vernünftige und coole Art. Sie überlegen in Klassen- oder Gruppensitzungen gemeinsam, worum es geht, wer welche Interessen und Bedürfnisse im Konflikt hat und wie man am besten vorgehen kann.
 
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass sie dadurch mit anderen Fähigkeiten heranwachsen als wir. Sie finden es oft normal, Probleme ohne große Dramen, eher mit viel Nachdenken zu lösen. Man macht sich keinen Begriff, was das heißt! Es hat Folgen, mit denen man nicht rechnet. Das haben übrigens die Lehrerinnen und Lehrer zuerst gemerkt, die plötzlich Kinder vor sich hatten, die auch Konflikte mit Erwachsenen so klären wollten. Die sich also beschwert haben, wenn sie Regeln, Aufgaben und andere Zumutungen unlogisch, ungerecht oder willkürlich fanden. Ich hatte Gespräche mit Lehrern, die das ganz und gar nicht toll fanden, denn so war das mit der Mediation und der intelligenten Konfliktlösung ja nicht gemeint gewesen. Die Lehrer wollten alles gerne rational ausdiskutiert und geklärt haben, nur nicht ihre eigenen Anweisungen.

Der bestmögliche Weg

Aber den Geist bekommt niemand mehr in die Flasche zurück. Diese Schüler können in Konflikten mittlerweile irritierend überlegt vorgehen. Nicht immer, versteht sich, aber doch häufig. Sie finden es befremdlich, wie in der Politik gestritten und entschieden wird, es kommt ihnen oft kindisch vor. Sie blicken erstaunt auf Erwachsene, denen offensichtlich grundlegende Kompetenzen in der Kommunikation fehlen. Meine Frau und ich wurden schon korrigiert, als wir uns im Streit nicht ganz richtig verhalten haben, da kamen auf einmal konstruktive Kommentare aus dem Kinderzimmer. Man kann aber nicht gut streiten, wenn der Nachwuchs die Argumente kritisch bewertet, das macht überhaupt keinen Spaß und wir haben es dann erst einmal gelassen.
 
Die Fridays-for-Future-Bewegung beruft sich auf Logik und Wissenschaft, sie möchte Lösungen und Maßnahmen, die den Protestierenden machbar und naheliegend vorkommen. Sie möchte die drängendsten Probleme der Welt vernünftig angehen, und es geht ihnen einfach nur um den bestmöglichen Weg, sagen sie – also doch, ich ahne da einen gewissen Zusammenhang.
 

„Ausgesprochen …“

In unserer Kolumnenreihe „Ausgesprochen …“ schreiben im wöchentlichen Wechsel Maximilian Buddenbohm, Qin Liwen, Dominic Otiang’a und Gerasimos Bekas. Maximilian Buddenbohm berichtet in „Ausgesprochen … gesellig“ über das große Ganze, die Gesellschaft, und ihre kleinsten Einheiten: Familie, Freundschaften, Beziehungen.

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