Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Ausgesprochen … posthuman
Werden wir bald fremde Planeten besiedeln?

Der Mond ist nach wie vor ein Faszinosum für den Menschen.
Der Mond, das unbekannte Wesen?! | Foto (Detail): Andrea Sonda © Unsplash

Nach der ersten Mondlandung 1969 war sich die Menschheit sicher, dass wir heute längst andere Planeten bewohnen würden. Das ist bekanntlich nicht eingetroffen. Nun rückt diese Vorstellung erneut in greifbare Nähe.

Von Liwen Qin

Am 11. September 2019 gaben Wissenschaftler*innen des University College London bekannt, dass sie in der Atmosphäre einer Supererde Wasserdampf gefunden haben. Auch wenn der Planet K2-18b sich nicht für menschliches Leben eignen mag, beflügelte diese aufregende Nachricht dennoch wieder unsere Fantasien über eine menschliche Besiedlung fremder Planeten.

Am 20. Juli 2019 feierten wir das 50. Jubiläum der epochemachenden Mondlandung des Menschen. Dieses Ereignis erinnert uns auch daran, dass seit diesem aufregenden, grandiosen Moment ein halbes Jahrhundert Menschen keinen anderen Planeten besucht haben. Damals glaubte die ganze Welt, dass wir heute längst fremde Planeten besiedeln würden. Aber das ist nicht der Fall. Warum?

Der Kalte Krieg der Sterne

Der Grund hat damit zu tun, dass die Zuteilung von Ressourcen zu Ende ging. Weil die Raumfahrtprojekte im Mittelpunkt des Wettbewerbs zwischen den USA und der Sowjetunion lagen, hatten sie Priorität und profitierten von beträchtlichen Investitionen. Nach dem Kalten Krieg waren diese astronomisch hohen Budgets für die Raumfahrt nicht länger „vertretbar“. Führende Länder verlagerten ihre Schwerpunkte. Die Konsequenz, wie der berühmte Science-Fiction-Autor Cixin Liu zusammenfasst: „Statt einer Erforschung des echten Weltraums, die voller Schwierigkeiten steckt, ziehen es die Leute heute einfach vor, mit VR (Virtual Reality) den virtuellen Raum zu erleben. Genau wie jemand sagte: ‚Ihr habt mir einen Ozean voller Sterne versprochen, aber in Wirklichkeit habt ihr mir Facebook gegeben‘.“

Die Sachlage hat sich in den vergangenen zehn Jahren jedoch verändert. 2019 gab es einige ermutigende Nachrichten, die zeigen, dass wir uns nach wie vor in kleinen Schritten auf das Weltall zubewegen. Die NASA arbeitet daran, in den 2030er-Jahren Astronauten auf den Mars zu bringen, und der amerikanische Präsidentschaftskandidat Newt Gingrich drängt auf ein 2-Milliarden-Dollar-Projekt zur Errichtung einer Mondbasis. Das Artemis-Programm der NASA plant bereits, bis 2024 einen bemannten Mondstützpunkt nahe dem lunaren Südpol einzurichten und kurz darauf eine langfristige Präsenz um und auf dem Mond zu etablieren.

Veränderte Sachlage

Dieses Mal übernehmen auch Wirtschaftsunternehmen die Führung. SpaceX unter Leitung von Elon Musk baut ein Raumschiff für 100 Passagiere namens Starship sowie eine riesige Rakete namens Super Heavy, die bereits 2021 anfangen könnte, Missionen zu fliegen. Und Blue Origin, geleitet von Jeff Bezos, stellte kürzlich sein Mondlandefahrzeug Blue Moon vor, das an der Spitze der großen Rakete „New Glenn“ des Unternehmens abheben wird. Die NASA hat 13 Firmen als Partner für 19 neue, konkrete Technologieprojekte ausgewählt, die sie plant, um dazu beizutragen, den Mond und den Mars zu erreichen.

Angesichts der gemeinsamen Anstrengungen von staatlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen erscheinen die Chancen, dass unsere Generation die erste extraterrestrische Kolonisierung erleben wird, real und unmittelbar bevorstehend.

Erste extraterrestrische Kolonisierung in Sicht

Aber selbstverständlich müssen wir aufpassen, nicht dieselben Fehler zu wiederholen wie auf der Erde. Bis heute haben Menschen auf dem Mond 181.000 Kilogramm Müll hinterlassen, darunter fünf Ranger-Sonden, die Exkremente der NASA-Astronauten sowie anderen Müll von unbemannten Missionen der Raumfahrtagenturen Russlands, Japans, Indiens und Europas. Es wäre sehr unklug, andere Planeten genauso zu schädigen wie die Erde.

Den Weltraum zu kolonisieren, fördert nicht nur den Aufstieg neuer Technologien zur Verbesserung des menschlichen Lebens, sondern verhilft Menschen auch zu einem tieferen Verständnis unserer Situation. Wie der Raumfahrtphilosoph Frank White es beschrieb: „Nur durch die Betrachtung unserer Erde aus dem All können wir tiefgreifend verstehen, wie stark wir Menschen miteinander verbunden und voneinander abhängig sind und wie empfindlich und wunderbar das Ökosystem der Erde ist.“ Hoffentlich werden diese frühen Kolonisierungsprojekte der Menschheit ihr diese Lektion aus einer anderen Perspektive beibringen.
 

„Ausgesprochen …“

In unserer Kolumnenreihe „Ausgesprochen …“ schreiben im wöchentlichen Wechsel Liwen Qin, Maximilian Buddenbohm, Dominic Otiang’a und Gerasimos Bekas. Liwen Qin beobachtet in „Ausgesprochen … posthuman“ den technischen Fortschritt und wie er unser Leben und unsere Gesellschaft beeinflusst: im Auto, im Büro und an der Supermarktkasse.

Top