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Berlinale 2018: „Face to Face with German Films“
Der deutsche Humor und die Gleichberechtigung der Geschlechter

Von links nach rechts: Burhan Qurbani, David Wnendt, Valeska Griesbach, Lars Kraume, Emily Atef und Anca Miruna Lazarescu
Von links nach rechts: Burhan Qurbani, David Wnendt, Valeska Griesbach, Lars Kraume, Emily Atef und Anca Miruna Lazarescu | © Courtesy of Joachim Gern / German Films

Die Bekanntschaft mit neuen Gesichtern des deutschen Films findet nun zum dritten Mal auf der Berlinale statt. Beim Journalisten-Treffen, zu dem die Initiative German Films einlädt.

„Mit dem Verschwinden der jüdischen Bevölkerung verschwand auch der Humor, wie auch immer er bislang vorhanden war“, meint David Wnendt, Regisseur der populären deutschen Komödie, Er ist wieder da (2015), eine Hitler Satire. Wnendt gehört zu den sechs deutschen Regisseur*innen, die German Films im Rahmen der Kampagne zur Förderung des deutschen Kinos Face to Face with German Films auf der diesjährigen Berlinale vorstellt. Die Initiative wurde vor zwei Jahren ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Journalist*innen aus der ganzen Welt mit neuen Gesichtern des deutschen Films zusammenzubringen.
 
Wie die Ironie des Schicksals es wollte findet unser Treffen in einem riesigen denkmalgeschützten Gebäude in der Nähe des Alexanderplatzes statt, erbaut von einem deutsch-jüdischen Unternehmer in den 1920er Jahren. Anfangs diente es als Kaufhaus, doch 1933 wurde es von den Nationalsozialisten in Beschlag genommen und zum Sitz der Hitlerjugend. In der Nachkriegszeit beherbergte es verschiedene Institutionen der DDR, unter anderem auch das Marxistisch-Leninistische Institut, bis es nach dem Fall der Berliner Mauer an die Erben des ersten Eigentümers zurückgegeben wurde. Heute beherbergt es das Luxushotel Soho House, in dem wir uns gerade befinden.
 
Die Paneldiskussion, moderiert von Jessica Kiang, Kritikerin der Filmzeitschrift Variety (Mitveranstalter des Treffens), betrifft unter anderem auch den Humor, von dem sich die Deutschen seit jeher vom restlichen Europa ausgeschlossen gefühlt haben. „Vielleicht war es ja dieses vererbte Gefühl der Schuld, das den Humor hinderte“, sagt der deutsch-afghanische Filmemacher Burhan Qurbani, der zurzeit seinen dritten Spielfilm vorbereitet, eine moderne Version des berühmten Romans Berlin Alexanderplatz mit einem Geflüchteten aus Afrika als Protagonist. 
 
„Der deutsche Humor bringt Nichtdeutsche nicht zum Lachen... zwar ein Klischee, aber wahr“, fügt Lars Kraume hinzu, derjenige in der Runde, der am längsten im Filmgeschäft ist, auch wenn er erst vor kurzem mit dem biographischen Drama Der Staat gegen Fritz Bauer international bekannt wurde.
 



„Aber Mit Toni Erdmann haben sich die Dinge geändert“, wirft Emily Atef ein, die mit dem Film 3 Tage in Quiberon im Wettbewerb um den Goldenen Bären vertreten war. Der Film unternimmt den Versuch, ein Portrait der zu früh verstorbenen österreichischen Schauspielerin Romy Schneider zu zeichnen, indem er ihr letztes Interview Anfang der 1980er Jahre dramatisiert. „Die Tatsache, dass eine zutiefst absurde, dreistündige Komödie [Toni Erdmann], die auch noch von einer Frau gedreht wurde, einen derartigen Erfolg hatte, zeigt, dass es letztendlich doch keine sichere Humorformel gibt.“
 


Wie bereits in ihren drei früheren abendfüllenden Filmen steht auch in Atefs neuem Werk wieder eine Frau im Mittelpunkt. „Der Grund, warum ich mich schon seit Beginn meiner Karriere mit Frauenfiguren beschäftige, ist, dass sie mir gefehlt haben“, erklärt sie, als das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter  auf den Tisch kommt. „Mir fehlt die Tiefe von Filmen wie Eine Frau unter Einfluss und anderen Frauenportraits aus den 1970er und 1980er Jahren, eine Tiefe, die dem Kino später verloren ging. Es freut mich, dass nun das Thema sowie diese Art von Kino wieder in den Vordergrund rücken. Dies sollte auch für alle anderen Lebensbereiche gelten, von der Kunst bis hin zur Wirtschaft und Politik.“
 
„Wenn wir davon ausgehen, dass die Hälfte der Weltbevölkerung Frauen sind, dann verstehe ich nicht warum die Hälfte der Ausdrucksmittel nicht den Frauen gehören sollten“, stimmt Valeska Grisebach, die Regisseurin des großartigen, mehrfach ausgezeichneten Dramas Western, mit Atef überein. „Für mich ist klar, dass der Raum, den man der männlichen Sichtweise einräumt, im selben Maße auch der weiblichen gewährt werden muss“, fügt sie hinzu und sagt, dass sie vor sechs  oder sieben Jahren niemals geglaubt hätte, dass die Debatte um Gleichberechtigung auf dem heutigen Niveau sein würde.
 

 
„Ich möchte als Regisseurin betrachtet werden und nicht als Frau, die Regie führt“, insistiert auch die deutsch-rumänische Filmemacherin Anca Miruna Lazarescu. Sie hat im Dokumentar- und im Spielfilm schon ihre Erfahrungen gesammelt und arbeitet gegenwärtig im Auftrag von HBO Europe an einer neuen Serie mit dem Titel Das Glück ist für die Schwachen. „Ich würde niemals erfahren wollen, dass ich einen bestimmten Auftrag ausschließlich aufgrund einer Quotenregelung erhalten habe und nicht, weil meine Arbeit geschätzt wird.“

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