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Ein Film von Wolfgang Fischer
Styx – Eine Reise an die Grenze von Leben und Tod

Wolfgang Fischer bei der Vorprämiere für die Presse von <i>Styx</i> im Kino Savoy, Rom
Wolfgang Fischer bei der Vorprämiere für die Presse von Styx im Kino Savoy, Rom | Foto: © Sarah Wollberg

Styx ist in der griechischen Mythologie der Fluss zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Toten. Der gleichnamige Film nimmt uns mit aufs Meer, auf eine Reise von Europa bis vor die afrikanische Küste im Atlantischen Ozean. Für das, was er uns vor Augen führt, wird er genau 70 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in Nürnberg mit dem Deutschen Menschenrechte-Filmpreis ausgezeichnet. Nun feiert er seine Italien-Premiere beim Medfilm Festival in Rom und ist ab Mitte November landesweit in den italienischen Kinos zu sehen.

Von Sarah Wollberg

Wir in der Welt

Der Film beginnt in Deutschland. Er ist aus einer westlichen Perspektive gedreht. Es geht hier, wie der Regisseur Wolfgang Fischer betont, um uns: “Wer sind wir? Wer müssen wir sein? Wer wollen wir sein?”. Der Zuschauer folgt der jungen, deutschen Notfallärztin Rike bei ihren professionellen Einsätzen zur Rettung von Unfallopfern. Dann gönnt Rike sich eine Auszeit von diesem Leben. Wir sehen sie kurz danach in Gibraltar, dem Ort, an der Europa und Afrika sich am nächsten sind. Rike bereitet dort ihre mit allen praktischen und technischen Details ausgestatte 12 Meter lange Segelyacht „Asa Gray“ für die Reise vor und sticht kurz danach in See. Ihr Ziel: Das Paradies. Die tropische Insel Ascension im südlichen Atlantik, wo Darwin 1854 ein künstliches Eden anlegte. Der souveränen Seglerin fehlt es an nichts, sie genießt die Einsamkeit und den Umgang mit ihrer Yacht auf hoher See. Sie besteht sogar die Feuerprobe in einem gewaltigen Unwetter mit Windstärke 9. Der Film ist zu 90% auf dem Meer gedreht und die Kameraführung bringt die Kraft und Weite des Meeres eindrucksvoll in den Kinosaal.

Unsere Grenzen

Doch dann. Am Morgen nach dem Unwetter erblicken wir mit Rikes Augen ein überladenes in Seenot geratenes Flüchtlingsboot. Die Menschen springen beim Anblick der Yacht von ihrer Hoffnung getrieben ins Wasser, auch wenn sie nicht schwimmen können. Ein völlig erschöpfter Junge schafft es, mit letzter Kraft die Yacht zu erreichen. Welten treffen hier aufeinander, während der 14-jährige Junge namens Kingsley von Rike auf die Yacht gehievt wird, wo er bewusstlos zusammenbricht. Sie bringt den dehydrierten und verwundeten Kingsley mit sorgfältigen Hilfemaßnahmen wieder auf die Beine. Kurz zuvor im Sturm war Rike die Hilfe eines Containerschiffes in ihrer Nähe zugesichert worden. Jetzt schlägt der Kapitän jeglichen Beistand aus: im Falle von Flüchtlingen wird laut Anweisungen der Reederei nicht geholfen. Rike ist vor Ort, nur wenige Meter von dem sinkenden Fischkutter voller Menschen entfernt. Das Drama spielt sich vor ihren Augen ab. Der junge Kingsley ist bereits bei ihr an Bord. Seine kleine Schwester, seine Mitreisenden drohen vor ihren Augen zu ertrinken. Ihre Yacht kann nicht alle Menschen an Bord nehmen. Die Rettung durch die Küstenwache lässt auf sich warten. Wie wird Rike, eine Ärztin, die den Hippokratischen Eid geschworen und an die völkerrechtliche Pflicht der Seenotrettung glaubt, angesichts des drohenden Todes hunderter von Menschen reagieren? Wird sie weiter warten, handeln, weg segeln? Was lässt sie sich einfallen, um aus diesem Dilemma herauszukommen? Und was können wir uns einfallen lassen, um nicht wegzusehen, wenn Menschenleben hilflos an unseren Außengrenzen ertrinken?

Der LUX-Filmpreis des Europäischen Parlaments

“Wir brauchen dort einen Dialog, wo die Entscheidungen getroffen werden”, sagt Wolfgang Fischer über seinen Film, den er vor 9 Jahren begonnen hat und der heute aktueller denn je ist. Styx, nicht nur der Eröffnungsfilm der Berlinale für Panorama Special 2017 und Gewinner des Menschenrechte-Filmpreises 2018, sondern auch einer der drei Finalisten für den LUX-Filmpreis, der am 14. November vom Europäischen Parlament vergeben wurde. Er wird in die 24 Amtssprachen der EU untertitelt und in allen 28 EU-Mitgliedstaaten gezeigt. Aber kann der Film auch auf politischer Ebene die Entscheidungen des Europäischen Parlaments beeinflussen? LUX steht für Licht. Doch Licht im Sinne von Hoffnung auf eine Öffnung bringt der Film uns in diesem historischen Moment nur, wenn wir uns alle, samt der EU-Abgeordneten fragen: Wie würde ich entscheiden?
 

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