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Schaufenster Berlin
Private Sammlungen für zeitgenössische Kunst in Berlin

Frank Stella, Tuftonboro I, 1966; Katharina Grosse, Sie trocknen ihre Knie mit einem Kissen, 2012; Frank Stella, Concentric Squares, 1974.
Foto: Studio Schuurman | Courtesy: Schenkung Sammlung Hoffmann, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Was motiviert einen privaten Sammler, seine Kunst öffentlich zu zeigen? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen privaten Sammlern und öffentlichen Institutionen? Unsere Autorin hat sich diese und andere Fragen gestellt, um einen kurzen Überblick über Sammlungen für zeitgenössische Kunst in Berlin zu geben.

Von Katerina Valdivia Bruch

Über das Sammeln von Kunst könnte man mehrere Bücher schreiben. Was inspiriert eine Person Kunst zu sammeln? Die Gründe hierfür sind vielfältig. Interessant ist, dass in Berlin mehrere private Kunstsammlungen öffentlich zugänglich sind. Und, es kommt auch nicht selten vor, dass öffentliche Institutionen mit privaten Sammlern kooperieren. Zum Beispiel sind einige private Sammlungen in öffentlichen Museen zu sehen, als Schenkung oder auch als Dauerleihgabe. Ein Beispiel sind die Sammlungen von Erich Marx, Egidio Marzona und Friedrich Christian Flick im Hamburger Bahnhof Museum – Museum für Gegenwart, die in verschiedenen Zeitabständen und in unterschiedlichen Konstellationen präsentiert werden.
 
Andere Sammler bevorzugen ihre eigene Räume zu eröffnen, wie etwa Christian Boros, der einen ehemaligen Bunker in der Reinhardtstraße kaufte, um dort seiner Sammlung einen festen (und sicheren) Ort zu geben. Ein weiterer Sammler, der einen eigenen Ausstellungsort für seine Sammlung besitzt, ist Thomas Olbricht mit seinem Me Collectors Room. Die Sammlung befindet sich in der Auguststraße, unweit vom KW – Institute for Contemporary Art und von der ehemaligen jüdischen Mädchenschule, die heute auch Kunst beherbergt.
 
Auch Julia Stoschek entschied sich, ihre private Sammlung eigenständig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 2016 eröffnete sie die Julia Stoschek Collection im ehemaligen tschechischen Kulturzentrum in der Leipziger Straße. Diese ist die zweite Dependance ihrer Sammlung, die hauptsächlich aus zeitbasierter Kunst besteht. Die erste ist 2007 in Düsseldorf eröffnet worden.

Sammlung Hoffmann – Kunst als gemeinsames Abenteuer

  • Hermann Nitsch, Das Orgien Mysterien Theater, 6-Tage-Spiel 3.-9.8.1998 Prinzdorf an der Zaya, 1998, DVD; Kreuzwegstation, 1961; Aktionsrelikt (Aktionsmalerei) der 80. Aktion Prinzendorf 1984 (Großes 3 Tage-Spiel), 1984; Das O.M. Theater, 1973; Das Orgien Mysterien Theater I-IV, 1975. Foto: Studio Schuurman | Courtesy: Schenkung Sammlung Hoffmann, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
    Hermann Nitsch, Das Orgien Mysterien Theater, 6-Tage-Spiel 3.-9.8.1998 Prinzdorf an der Zaya, 1998, DVD; Kreuzwegstation, 1961; Aktionsrelikt (Aktionsmalerei) der 80. Aktion Prinzendorf 1984 (Großes 3 Tage-Spiel), 1984; Das O.M. Theater, 1973; Das Orgien Mysterien Theater I-IV, 1975
  • Andy Warhol, Sunset, 1972 Courtesy: Schenkung Sammlung Hoffmann, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
    Andy Warhol, Sunset, 1972
  • Erika Hoffmann. Raumansicht: Joelle Tuerlinckx, Atlas of wall 81 extraits Manifesta #10, Musée Hermitage, Saint Petersburg, 2014-2017; Warren Platner, Tisch und Stühle, 1964/66. Foto: Alexander Gehring | Courtesy: Schenkung Sammlung Hoffmann, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
    Erika Hoffmann. Raumansicht: Joelle Tuerlinckx, Atlas of wall 81 extraits Manifesta #10, Musée Hermitage, Saint Petersburg, 2014-2017; Warren Platner, Tisch und Stühle, 1964/66
  • Sammlung Hoffmann, Bibliothek Courtesy: Sammlung Hoffmann, Berlin
    Sammlung Hoffmann, Bibliothek
  • Gartenhof Sophie-Gips-Höfe, Lawrence Weiner, Milk and honey taken far far away…, 1994/96 Courtesy: Sammlung Hoffmann, Berlin
    Gartenhof Sophie-Gips-Höfe, Lawrence Weiner, Milk and honey taken far far away…, 1994/96
Seit 1997 lebt die Sammlerin Erika Hoffmann dort, wo sie jeden Samstag Kunstinteressierten ihre Sammlung zugänglich macht. 1994 hatte das Sammlerehepaar Erika und Rolf Hoffmann die Sophie-Gips-Höfe erworben, renoviert und sie zum Teil als Wohn- und Ausstellungsfläche genutzt. Begeistert von der damals aufstrebenden Konzeptkunst, die sie seit den sechziger Jahren sammelten, beschlossen sie, nach dem Fall der Berliner Mauer, nach Ost-Berlin zu ziehen, um dort die Kunst bekannt zu machen, die vor der Wende in der DDR keine offizielle Bühne hatte.
 
Wenn man Frau Hoffmann fragt, wie sie und ihr verstorbener Mann zum Sammeln gekommen sind, antwortet sie mit einem einfachen „Es hat sich so ergeben“ und lächelt. Für beide ist Kunst „ein gemeinsames Abenteuer“ gewesen und sie „hofften, angeregt zu werden“. Kunst war immer etwas, wo beide „mitdenken konnten“, so die Sammlerin.
 
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wollte das Paar ursprünglich eine Kunsthalle in Dresden eröffnen, jedoch ist es damals aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande gekommen. Der Wunsch, ihre Sammlung nach Dresden zu bringen, wird nun doch in Erfüllung gehen: Im Jahr 2022 wird sie vollständig in die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ziehen.

Ivo Wessel – Sein ABC: Art, books and computers

  • Raumansicht Foto: © Katerina Valdivia Bruch
    Raumansicht
  • Eingangsbereich mit Arbeiten von Marcel Buehler, Paradise Lost (2007); Via Lewandowsky, Ruckzuck, 2004; Karin Sander, Straußenei, poliert, 2005 Foto: © Katerina Valdivia Bruch
    Eingangsbereich mit Arbeiten von Marcel Buehler, Paradise Lost (2007); Via Lewandowsky, Ruckzuck, 2004; Karin Sander, Straußenei, poliert, 2005
  • Ivo Wessel Foto: © Katerina Valdivia Bru
    Ivo Wessel
  • Raumansicht mit Büchern Foto: © Katerina Valdivia Bruch
    Raumansicht mit Büchern
  • Julian Rosefeldt, Global Soap, 2000/2001, Installationsansicht Foto: © Katerina Valdivia Bruch
    Julian Rosefeldt, Global Soap, 2000/2001, Installationsansicht
Beim Betreten der Sammlung des App-Programmierers und Autors Ivo Wessel fällt etwas auf: Das Sammeln kann eine echte Leidenschaft sein! Ivo Wessel ist ein enthusiastischer und dynamischer Sammler, der bereits seit seiner Kindheit mit dem Sammeln anfing. Die Räume sind voll mit Büchern, alten MAC-Computern und Kunstwerken. Bücher sind seine erste Leidenschaft gewesen. Er sammelt Bücher, oft in mehrfacher Ausführung.

Mit dem Sammeln von Kunst fing er später an, allerdings nicht mit weniger Begeisterung. Er hat ein persönliches Verhältnis zu den Künstlern, die er sammelt, und folgt ihr Schaffen über viele Jahre. In seiner Sammlung sind frühere Video-Arbeiten von Julian Rosefeldt zu sehen, aber auch Fotografien von Donata und Wim Wenders, zu denen er einen persönlichen Kontakt hat.
 
Ivo Wessel sammelt hauptsächlich Kunst von lebenden Künstlern und interessiert sich insbesondere für Konzeptkunst, Fotografie und Videokunst. Mit Olaf Stüber hat er das internationale Forum für Film, Medienkunst und Videokunst Videoart at Midnight im Jahr 2008 gegründet.
 
Wessels Sammlung ist bereits 2018 bei der Berlin Art Week, in seiner Wohnung, und 2015 als Ausstellung in der Weserburg – Museum für moderne Kunst in Bremen, öffentlich gezeigt worden. Er wünscht sich, dass in Berlin ein Museum für private Sammlungen entsteht, wo regelmäßig verschiedene Ausstellungen von privaten Sammlern vorgestellt werden. Vielleicht wird eines Tages sein Traum tatsächlich wahr, denn in der Berliner Kunstszene ist immer etwas Neues los.
 

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