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Wunderkammern voller Bücher
Ein Spaziergang durch die schönsten Buchhandlungen Berlins

Bücherbogen am Savignyplatz (Charlottenburg)
Bücherbogen am Savignyplatz (Charlottenburg) | © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

Auf meinen Streifzügen quer durch Berlin hatte ich mich bisher noch nie von den Buchläden der Stadt leiten lassen. Auf diese Idee kam ich erst, nachdem ich mir die Karte der Berliner Buchläden (argobooks 2018) besorgt hatte. Darin werden 175 unabhängige Berliner Buchhandlungen aufgelistet, die einen Besuch wert sind. Unabhängig ist dabei das zentrale Stichwort für diese kluge Verlagsinitiative.

Von Giulia Mirandola

175 unabhängige Buchläden in Berlin

Die Karte der Berliner Buchläden gibt es nur aus Papier und nicht in digitaler Form. Sie ist das Ergebnis von zwei Jahren Recherche und basiert auf Informationen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Buchhandlungen selbst sowie auf Angaben von Autoren, Künstlern, Übersetzern und Verlegern zu ihren Lieblingsbuchhandlungen im „Kiez“. Ausgebreitet hat sie die Größe eines Geschirrtuchs, zusammengefaltet lässt sie sich bequem in die Tasche stecken. Um die Orientierung in den verschiedenen Stadtteilen zu erleichtern, ist auf der einen Seite ein Stadtplan abgebildet, auf dem die Namen der Buchhandlungen markiert sind. Auf der anderen Seite finden sich die Adressen der 175 alphabetisch gelisteten Läden, von denen einige in wenigen prägnanten Sätzen näher vorgestellt werden. Mit dieser praktischen Karte können sich so alle, die Bücher und Streifzüge durch die Stadt lieben, ganze Tage lang damit vergnügen, die deutsche Hauptstadt wie ein Archipel aus Bücher-Wunderkammern zu erkunden. Wunderkammern, die voll mit unterschiedlichsten Büchern sind – alten und brandneuen, in tausendfacher und limitierter Auflage, Raritäten und internationalen Verkaufsschlagern, in verschiedenen Sprachen und ganz ohne Worte.

Ein Spaziergang zu den verschiedenen Lieblingsbuchhandlungen

Zuerst hatte ich mir vorgenommen, über alle 175 Buchhandlungen auf einmal zu berichten, doch dann habe ich es mir anders überlegt. Statt eines Marathons habe ich einen Spaziergang gewählt. Statt den Vorgaben der Karte und meinen persönlichen Interessen zu folgen, habe ich mich für die Vorschläge von Verlegerinnen, Buchhändlerinnen, Fotografen, Illustratorinnen, Bibliothekarinnen, Erzieherinnen, Fremdenführern entschieden. Ich habe sie gefragt: „Welche der unabhängigen Berliner Buchhandlungen ist deine Lieblingsbuchhandlung?“ Viele der daraufhin genannten Läden wurden bereits mit dem renommierten Deutschen Buchhandlungspreis der Bundesregierung ausgezeichnet.

Elf der schönsten Buchläden Berlins

  • Bücherbogen © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Bücherbogen
  • Der Zauberberg © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Der Zauberberg
  • Der Zauberberg © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Der Zauberberg
  • Der Zauberberg © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Der Zauberberg
  • Do you read me © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Do you read me
  • Krumulus © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Krumulus
  • Lesen und lesen lassen © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Lesen und lesen lassen
  • Mundo azul © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Mundo azul
  • Pro qm © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Pro qm
  • Zadig © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola
    Zadig
Jana Kühn ist Verlegerin (Viel&Mehr), Teil des Teams der Dante Connection und die „Seele“ des Leseförderprojekts Projektraum. Die Buchhandlung ihrer Wahl ist das Krumulus (Kreuzberg) – ein Buch- und Spielegeschäft, das gleichzeitig als Galerie und Druckwerkstatt für Kinder fungiert. Der Laden überzeugt mit einem ausgewählten Büchersortiment und einem dichten Veranstaltungsprogramm, mit Lesungen, Ausstellungen und wöchentlichen Schreib-, Illustrations-, Comic-, Graffiti- sowie Druckworkshops für Kinder.
 
Die Übersetzerin Judith Krieg empfiehlt die literarische Buchhandlung Anakoluth (Prenzlauer Berg). Bereits der Name des Ladens, den dieser seit seiner Gründung im Jahr 1998 trägt, ist ein Verweis auf die Welt der Literatur. Das Sortiment umfasst ausgewählte Werke bekannter wie aufstrebender Autorinnen und Autoren, kurz das Beste der klassischen und zeitgenössischen Literatur. Vor allem Lyrik spielt im Anakoluth eine wichtige Rolle und auch Kultur- wie Literaturzeitschriften wird ausreichend Platz eingeräumt. Hier kommen echte Literatur- und Literaturkritikliebhaber ganz auf ihre Kosten.
 
Jutta Bornholdt-Cassetti ist im Verlag Jovis für Marketing, Pressearbeit und Vertrieb zuständig. Die Buchhandlung ihres Vertrauens ist Lesen und lesen lassen (Friedrichshain), es sei denn, es geht um Architektur, dann ist ein Besuch bei Pro qm (Mitte) Pflicht. Lesen und lesen lassen ist ein gemütliches Wohnzimmer, in dem überall Bücher herumstehen und das Motto des Ladens in einem bequemen Polstersessel gelebt wird. Für das Buchhändlerpaar, das den Laden führt, ist er das perfekte Sinnbild dessen, was Lesen bedeutet: Geselligkeit, Gemütlichkeit, ein Leben mit der Literatur. Pro qm ist hingegen eine thematische Buchhandlung für Urbanistik, Volkswirtschaft, Subkultur, Kunst, Design und Architektur. Wohin man auch blickt, überall stechen rosa Leitern und interessante Buchzusammenstellungen ins Auge. Ein Teil des Sortiments besteht aus internationalen Fachzeitschriften.
 
Raum Italic (Prenzlauer Berg) ist eine Buchhandlung mit starkem italienischem und internationalem Schwerpunkt, in der visuelle Kultur und Editorial Design eine Brücke zwischen Italien und Berlin schlagen. Eine Brücke zwischen den beiden Ländern, aber auch eine Brücke zwischen Raum Italic und dem italienischen Verlag Corraini, zwischen einem Bücher- und Spieleladen und einem unabhängigen Verlag, zwischen Design und zeitgenössischer Kunst, zwischen Illustration und Fotografie, zwischen Einzel- und Serienproduktion. Aus all diesen Gründen empfiehlt Katja Spitzer, Raum Italic einen Besuch abzustatten, insbesondere auch dann, wenn sich die Buchhandlung wieder einmal in einen Raum für Ausstellungen, Begegnungen und Buchpräsentationen mit Saft und Salzstangen verwandelt.
 
Giulia Silvestri ist Buchhändlerin in der Dante Connection und Mitarbeiterin des Kulturprojekts Lettrétage. Für sie ist ein Besuch in der Buchhandlung Der Zauberberg (Friedenau), ein Geschenk, das man sich auf jeden Fall gönnen sollte. 2019 feiert der Buchladen sein zehnjähriges Bestehen, tatsächlich war hier aber bereits Ende der 20er Jahre eine Buchhandlung untergebracht, deren Spuren die Atmosphäre bis heute prägen. Der Zauberberg ist Tagungsort der Berliner Thomas-Mann-Gesellschaft und Austragungsort kultureller Debatten über unterschiedlichste Themen, von Poesie bis Politik, von Linguistik bis Umweltschutz. Drei Dinge seien ihnen wichtig, erklären die Inhaber – Bücher, Bücher und Bücher.

Wer außerdem in die weite Welt der internationalen Magazine eintauchen möchte, sollte anschließend vom Zauberberg ins Do you read me? (Mitte) weiterziehen. Dort finden sich auf wenigen Quadratmetern kilometerweise Zeitschriften zu den Themen Kunst, Design, Fotografie, Mode, Architektur, Literatur, Umweltschutz und Sammelleidenschaft. In anderen Worten: geballte Information, deren Vielfalt Interesse an neuen Themen weckt. Ein Laden, den man sich laut Silvestri nicht entgehen lassen sollte.
 
Es gibt unabhängige Buchläden, die der internationalen Literatur ein Zuhause bieten und sich dabei gleichzeitig auf ein besonders anspruchsvolles Publikum konzentrieren: Kinder. Eine solche Buchhandlung ist etwa Mundo azul (Prenzlauer Berg). Der Tipp zu dem Laden stammt von Valentina Colla, die als Erzieherin in der Flüchtlingsunterkunft Pankow tätig ist. Tatsächlich ist uns wohl oft nicht bewusst, welch große Unterstützung Kinderbücher und Bücher über andere Kulturen sein können, wenn es um gesellschaftliche Integration und interkulturelle Mediation geht. Mundo azul zeigt dieses Potenzial auf und präsentiert sich zugleich als Modell und Inspiration für weitere Initiativen.
 
Michele Caliari ist Fotograf und Fremdenführer. Eine seiner Lieblingsbuchhandlungen ist der Bücherbogen am Savignyplatz (Charlottenburg). Aber Achtung: Besucht den Laden besser nicht, wenn ihr gerade knapp bei Kasse seid. Denn wenn ihr euch für Fotografie, Kunst und Architektur begeistert, könnte es passieren, dass ihr euch dort alle eure Kaufwünsche auf einmal erfüllt und plötzlich nicht mehr wisst, wie ihr die Miete bezahlen sollt. Die Auswahl an Büchern zu Städteplanung, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur, Berlin und Brandenburg, Design, Grafik, figurativer und angewandter Kunst, Fotografie, Tanz, Theater, Film und Mode ist beeindruckend. Ebenso außergewöhnlich ist die Lage der Buchhandlung – direkt unter den Stadtbahnbögen.
 
Die letzten beiden Buchhandlungen habe ich rein zufällig entdeckt. Die eine dank einer unerwarteten Begegnung, die andere dank einer Besorgung für die Buchhandlung Dante Connection, bei der ich aktuell mitarbeite.
So saß ich eines Sonntags gerade im Café November, als plötzlich die deutsche Illustratorin Rotraut Susanne Berner zur Tür hereinkommt. Im ersten Moment traue ich meinen Augen nicht, doch dann gehe ich zu ihrem Tisch und wir begrüßen uns überschwänglich. Susanne ist hier, um auf Einladung des Georg-Büchner-Buchladens (Prenzlauer Berg) in der KulturBrauerei das neueste von ihr illustrierte Buch vorzustellen. Außerdem ist sie auf dem Literaturfestival Literatur: BERLIN zu Gast. Die Buchhandlung Büchner stand ohnehin bereits seit einigen Tagen auf meiner Liste. In dem Laden finden regelmäßig Treffen mit Autorinnen und Autoren sowie Vorabpräsentationen von Büchern statt, man kann signierte Bücher erwerben und sich über die aktuellsten Neuigkeiten der deutschen Erwachsenen- und Kinderbuchliteraturszene informieren. Beim Treffen mit Susanne werde ich leider nicht dabei sein können, aber während ich Richtung U-Bahn gehe, denke ich, dass mich der Zufall und das Glück für heute schon ausreichend beschenkt haben.

Zadig (Mitte) ist eine französische Buchhandlung in Berlin. Ich muss dort einige Bücher der belgischen Autorin und Illustratorin Anne Brouillard abholen, die am nächsten Tag bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Das Buchprojekt, dem Verlag Viel&Mehr und der Buchhandlung Dante Connection zu Gast sein wird. Mit Betreten des Ladens betritt man zugleich ein kleines Stück Frankreich mitten in der deutschen Hauptstadt. In den Köpfen und in den Gesprächen des Buchhändlers und seiner Kunden dreht sich alles um die französische Sprache und Kultur. In der kurzen Zeit, die ich hier habe, suche ich ein Buch ohne Wörter des Verlags l’école des loisirs, das aber leider nicht erhältlich ist, und verliebe mich auf den ersten Blick in Je ne suis pas un oiseau, das jüngste Buch von Anne Herbauts, erschienen bei Les éditions Esperluète.

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