Wege ins Neuland
Stimmen aus Deutschland auf der internationalen Turiner Buchmesse

Internationale Buchmesse Turin 2017 - VISUAL © Salone Internazionale del Libro di Torino

Das Programm der deutschen Autoren auf der 30. internationalen Buchmesse in Turin

Das Goethe-Institut und die Frankfurter Buchmesse organisieren auf der Turiner Buchmesse auch in diesem Jahr eine Begegnungsreihe: Mit „Wege ins Neuland. Stimmen aus Deutschland“ auf der internationalen Turiner Buchmesse erzählen sechs deutsche Autoren durch die Geschichten der Protagonisten großer Romane Drama und Exil im Europa des vergangenen Jahrhunderts. Ein historisches Fresko, das von den dunklen Zeiten des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs ausgeht und über die lebenslustigen achtziger Jahre bis zu den Aufbrüchen und Ankünften des neuen Jahrtausends reicht. Die teilnehmenden Autoren sind Christoph Hein, Tilmann Lahme, Robert Domes, Jenny Erpenbeck, Bov Bjerg und Andreas Pflüger.

Flucht im 20. Jahrhundert

Das Programm beginnt am Freitag mit Christoph Hein, der in seinem jüngsten Roman Glückskind mit Vater ein halbes Jahrhundert europäischer Geschichte Revue passieren lässt, von der Niederlage des Nationalsozialismus, der Entstehung der DDR und der Grenzen des Eisernen Vorhangs bis zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung. Während Hein die deutsche Nachkriegszeit als Epos ausbreitet, erzählt Tilmann Lahme mit Die Manns. Geschichte einer Familie das 20. Jahrhundert anhand der Geschichte einer der bekanntesten und wichtigsten deutschen Familien, derjenigen von Thomas Mann. Der auch bei der Kritik sehr erfolgreiche Bestseller berichtet über die wichtigsten Momente des vergangenen Jahrhunderts, von der Tragödie des Nationalsozialismus, der schmerzhaften aber nötigen Entscheidung der Manns, in die Vereinigten Staaten ins Exil zu gehen und der Rückkehr in das Europa der Nachkriegszeit. Thomas Mann kehrte nicht nach Deutschland zurück, sondern verbrachte seine letzten Lebensjahre in Zürich. In Turin wird es nicht nur um intellektuellen Widerstand gehen, sondern auch um Heldentaten außergewöhnlicher Menschen. Ein solcher Fall ist Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa. Der Roman von Robert Domes erzählt das Leben eines Jungen aus einer Familie von Jenischen, die ihr Auskommen traditionell als Fahrende fanden und bei den Nationalsozialisten als „Zigeuner“ galten. Er steht im Mittelpunkt einer Geschichte rund um eines der dunkelsten Kapitel des Nationalsozialismus, der Eugenetik und der Euthanasie. Auf der Grundlage des Romans entstand der Film Nebel im August.

Migration heute

Um Exil geht es auch im Gespräch mit Jenny Erpenbeck. Ebenso wie Christoph Hein in der ehemaligen DDR geboren, ist sie eine der interessantesten Stimmen der zeitgenössischen deutschen Literatur. Ihre Bücher sind in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. In Gehen, ging, gegangen erzählt sie das neue Leben einer Gruppe Afrikaner, die über Lampedusa nach Berlin kam. Erpenbeck nimmt auch an einer Begegnung mit dem syrischen Schriftsteller Mohammad Dibo teil, der seit Jahren in Berlin lebt und dessen Roman über das schwierige Leben der Menschen in Syrien erzählt.

Von den 70er und 80er Jahren bis in die Gegenwart

Auch Bov Bjerg, der in Turin Auerhaus präsentiert, lebt in Berlin. In seinem wunderbaren Roman geht es um Jugend und Erwachsenwerden. Der in den legendären 80er Jahren angesiedelte Roman mit einer dazugehörigen Playlist auf Spotify hat in Deutschland Kritiker und Publikum gleichermaßen erobert und ist unter jungen Lesern zum Bestseller geworden. Das deutsche Programm sieht überdies eine Begegnung mit Andreas Pflüger vor. Bekannt für seine Drehbücher für den Tatort, seit der ersten Sendung von 1970 eine der langlebigsten deutschen Fernsehserien, kommt er mit einem echten Verlagsereignis nach Turin. Sein neuer Roman Endgültig, dessen Protagonistin eine erblindete ehemalige Polizistin ist, gilt deutschen Kritikern als einer der besten Krimis der letzten Jahre.

Zum gesamten deutschen Programm

Das Goethe-Institut und die Turiner Buchmesse

„Das Goethe-Institut Italien ist auch in diesem Jahr wieder bei der wichtigen Buchmesse in Turin dabei und ermöglicht – gemeinsam mit der Frankfurter Buchmesse – die Präsenz vieler wichtiger in Deutschland lebender Autoren“, sagt die Leiterin des Goethe-Instituts Italien, Gabriele Kreuter-Lenz. „Wege ins Neuland könnte die gemeinsame Überschrift für die Veranstaltungen ‚unserer‘ Autoren sein und steht damit auch in einer Linie mit dem Programmschwerpunkt des Goethe-Instituts Italien: Europa, Flucht, Ankommen. Wir freuen uns, dass wir auch 2017 wieder mit vielen wichtigen und spannenden Personen vertreten sein können und freuen uns auf anregende Tage während der Buchmesse Turin“.
 
Vor zwei Jahren war Deutschland Gastland auf der Turiner Buchmesse. Seither wurden die ohnehin engen Beziehungen zwischen italienischen und deutschen Verlagen noch intensiviert. Wenn Italien 2013 noch die Rechte an 363 Werken erworben hat, waren es 2015 bereits 406. Damit baut Italien seine Rolle als einer der wichtigsten Käufer weiter aus. Derzeit hält Italien 5,4% der ins Ausland verkauften Rechte (Quelle: Börsenverein des deutschen Buchhandels).

Die Webseite des Goethe-Instituts Italien www.goethe.de/letteratura_tedesca ist der deutschen Literatur und ihrer Verbreitung in Italien gewidmet. Sie wird pro Monat von durchschnittlich 40.000 Besuchern aufgerufen. Um dem Publikum einen vollständigen und vierfältigen Überblick über die deutsche Literatur anzubieten, trägt das Goethe-Institut mit finanzieller Unterstützung zu Übersetzungen bei, es fördert die Zusammenarbeit zwischen deutschen und italienischen Verlagen und stiftet den Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis. Außerdem organisiert es und nimmt teil an Veranstaltungen wie Festivals und literarischen Lesungen sowie Treffen und Vorträgen, die in den letzten Jahren viele der besten deutschen Autoren nach Italien gebracht haben. Auch für das jüngere Publikum, insbesondere für die Schulen, organisiert es Veranstaltungen und Wettbewerbe.

Salone del libro di Torino 2015 – Deutscher Pavillon Salone del libro di Torino 2015 – Deutscher Pavillon | © Frankfurter Buchmesse – Foto: Fabio Melotti Eine Liste der deutschen Titel, die besonders relevant sind und vom Literaturhaus München im Auftrag der Frankfurter Buchmesse zur Übersetzung empfohlen wurden, finden Sie unter: IIm Jahr 2016 haben 18 Titel dank der Übersetzungsförderung des Goethe-Instituts Zuschüsse bekommen. In den letzten drei Jahren sind die Anträge auf Übersetzungsförderung um 70% gestiegen. Die Bewerber sind meist kleine und mittlere unabhängige Verlage, die an deutscher Gegenwartsliteratur interessiert sind. In diesem Jahr werden in Turin 17 deutsche Verlagshäuser und Literaturagenturen vor Ort sein. Unter ihnen: Bastei Lübbe, C. H. Beck, S. Fischer  Hoffman und Campe, Kiepenheuer & Witsch, Random House Germany, Rowohlt, Suhrkamp.

Partner: Die Frankfurter Buchmesse

Frankfurter Buchmesse © Frankfurter Buchmesse Die Frankfurter Buchmesse ist mit über 7.150 Ausstellern aus 106 Ländern, rund 278.000 Besuchern, über 4.000 Veranstaltungen und rund 10.000 akkreditierten Journalisten, davon 2.400 Bloggern die größte Fachmesse für das internationale Publishing. Darüber hinaus ist sie ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus der Filmwirtschaft und der Gamesbranche. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet seit 1976 der jährlich wechselnde Ehrengast, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert. Die Frankfurter Buchmesse organisiert die Beteiligung deutscher Verlage an rund 20 internationalen Buchmessen und veranstaltet ganzjährig Fachveranstaltungen in den wichtigen internationalen Märkten. Mit der Gründung des Frankfurt Book Fair Business Clubs bietet die Frankfurter Buchmesse Unternehmern, Verlegern, Gründern, Vordenkern, Experten und Visionären ideale Voraussetzungen für ihr Geschäft. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
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