Schaufenster Berlin
Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies

Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies
© Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

Seit einigen Wochen fahre ich von Kreuzberg nach Schöneberg, von Mitte nach Dahlem und von Wedding nach Charlottenburg, um Universitäts-, Schul-, Kiez- und Staatsbibliotheken zu besuchen. Etwa hundert Bibliotheken umfasst der Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB), darunter auch drei Fahrbibliotheken, die täglich vor Grundschulen in verschiedenen Stadtteilen Halt machen. Hinzu kommen Universitäts- und Museumsbibliotheken sowie die direkt in den Grundschulen eingerichteten Büchereien.

Von Giulia Mirandola

Leselandschaft

Es gefällt mir, dass in diesen öffentlichen Räumen nichts gekauft werden muss, um zu den Nutzern der Bibliothek zu gehören. Noch mehr gefällt mir, dass an diesen Orten eine Art Wunder passiert: Chaos und Ordnung, Spezifisches und Allgemeines, Unwissenheit und Weisheit, Einsamkeit und Gesellschaft kollidieren hier nicht miteinander, sondern ziehen einander an. Und wenn ich den Grund gestehen soll, warum ich manchmal beim Betreten einer Bibliothek regelrecht frohlocke, so liegt dieser in der babelischen Vielfalt der Sprachen, die hier angeboten werden, im ständigen Kommen und Gehen zwischen Büchern aus fernen Orten und Zeiten, die uns über zeitliche, geschichtliche und geografische Distanzen hinweg etwas vermitteln und uns die Freude des „Noch-nicht-Wissens“ erleben lassen. Nicht ohne Grund hielt Borges fest, er habe sich das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.

Die Kiezbibliotheken

Schiller Bibliothek
Nur unweit von der Otawistraße im Stadtteil Wedding, wo ich vorübergehend wohne, entdeckte ich eines Tages die Schiller-Bibliothek. Der aktuelle Standort wurde 2015 eröffnet, der Entwurf für das Gebäude stammt vom Architekturbüro Annabau. Eines der Ziele der Bibliothek ist es, vor allem Kinder und Jugendliche anzusprechen. Im zentralen Treppenhaus sticht eine Installation der Künstlerin Angela Mewes auf einer großen Brandschutzmauer ins Auge. Die Wand präsentiert sich als massive Buchseite, auf der ein Gedicht der Künstlerin geschrieben steht. Die Schiller-Bibliothek stellt einen Dreh- und Angelpunkt des sozialen und kulturellen Lebens im Kiez dar. Davon zeugt auch die aktuelle Fotoausstellung Berlin der kleinen Leute. Sie ist das Ergebnis eines pädagogischen Projekts des Mitte Museums, an dem Schülerinnen und Schüler von verschiedenen Mittelschulen in Wedding mitgewirkt haben. Im Mittelpunkt steht der Versuch, die aus dem Alltag vertraute Stadt nach dem Beispiel des Künstlers Slinkachu aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Der Künstler ist bekannt für seine Fähigkeit, die Bedeutung urbaner Schauplätze auf den Kopf zu stellen, indem er vorhandene Elemente (Plätze, Gebäude, Brücken, Straßen) mit fiktiven, mithilfe von Miniaturfiguren dargestellten Szenen kombiniert.
 
Hansabücherei im Hansaviertel
Tritt man aus der U-Bahn-Station Hansaviertel, steht man nach wenigen Schritten vor dem Eingang zur Hansabücherei. Die Kiezbibliothek ist ein echtes Juwel. Im Jahr 1957 fand die Internationale Bauausstellung Interbau 57 statt, die sich die Neugestaltung des Hansaviertels zum Ziel gesetzt hatte. An Stelle der Trümmerhaufen, die nach den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zurückgeblieben waren, sollte eine beispielhafte „Stadt von morgen“ entstehen. Im selben Jahr wurde mit dieser Vision vor Augen die Hansabibliothek eröffnet. Der Entwurf für das Gebäude stammte von Werner Düttmann, einem der wichtigsten Vertreter der modernen Architektur in der deutschen Nachkriegszeit. Die Sanierung in den Jahren 2017 bis 2019 erfolgte unter konsequenter Berücksichtigung des Originalentwurfs, der auch nach 70 Jahren nicht im Geringsten veraltet wirkt. Bei meinem Besuch der Bibliothek komme ich in den Genuss der Begleitung ihres jungen Direktors, der mir mit gedämpfter Stimme von Licht, Luft, Pflanzen, Kontinuität zwischen Außen- und Innenbereichen sowie Initiativen für Kinder, Eltern und Jugendliche erzählt. Im Mittelpunkt steht hier nicht die Zahl der Medien (Bücher, Zeitschriften, CDs, DVDs) im Bestand der Bibliothek, sondern das Verhältnis zwischen freiem und belegtem Raum, eine Art Loblied auf die Leere, mehr als auf die Fülle, auf das richtige Maß im Gegensatz zum Überfluss um jeden Preis. All dies macht die Hansabücherei zu einer echten Leseoase.
 
Bezirkszentralbibliothek Philipp Schaeffer
Ich gestehe, dass ich lange Zeit nicht von der Existenz der Bezirkszentralbibliothek Philipp Schaeffer wusste. Die Erste, die mir davon erzählt, ist Ruth, eine gute Bekannte, die lange Zeit in Mitte lebte, bevor sie nach Pankow umziehen musste. Im Jahr 2018 feierte die Bibliothek ihr hundertjähriges Bestehen, ihr heutiges Erscheinungsbild ist geprägt von jenem Baustil, der in den 90ern ganz Berlin wie eine Lawine überrollte. Wir befinden uns nur wenige Schritte vom Rosenthaler Platz, der als „neues Zentrum“ der Stadt gilt. Ihren Sitz hat die Bibliothek seit jeher in den Brunnenhöfen, einem ehemaligen Gewerbehof mit entsprechendem architektonischem Grundriss. Ich betrete die Bibliothek über die unabhängige Buchhandlung Ocelot. Im hinteren Bereich des Buchladens befindet sich eine Glastür, durch die man direkt in die Bibliothek gelangen kann, ohne den Umweg zurück auf die Straße und durch den Haupteingang nehmen zu müssen. Ein Detail, das zeigt, was für ein Glück es ist, als Bibliothek eine Buchhandlung bzw. als Buchhandlung eine Bibliothek als Nachbarn zu haben. Über 2.000 Quadratmeter umfasst die Bibliothek, die sich auf drei Ebenen erstreckt und zu der auch eine Leseterrasse im Freien gehört. Besonders schön ist die lichtdurchflutete und einladend gestaltete Kinderabteilung mit einem Bestand von 40.000 Medien (darunter nicht nur Bücher). Hier wird eine Vielzahl spannender Initiativen für Kinder, Familien, Lehrer und Erzieher angeboten, die zum Teil intern, zum Teil in Zusammenarbeit mit Berliner Kindergärten, Schulen, Festivals und Ausbildungszentren im Bereich Kinderliteratur organisiert werden.
  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

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  • Berlin, seine Bibliotheken und das Paradies © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia Mirandola

Öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken

Staatstbibliothek- Preußischer Kulturbesitz
Die Staatsbibliothek zu Berlin gilt als Ikone der Nachkriegsarchitektur und ist zusammen mit der Neuen Nationalgalerie, der Gemäldegalerie, dem Kupferstichkabinett, dem Kunstgewerbemuseum, der Philharmonie, dem Kammermusiksaal und dem Musikinstrumenten-Museum Teil des Berliner Kulturforums. Der Bestand der Bibliothek ist beeindruckend und für alle zugänglich, die diesen Schatz nutzen wollen. Die offizielle Website vermittelt eine gute Vorstellung vom „kulturellen Kapital“ der Bibliothek, mit ihren über 11 Millionen Büchern, 66.700 Musikautographen, über 40.000 orientalischen Handschriften, 300.000 Autographen, 4.600 Inkunabeln, über 200.000 seltenen Drucken, über 1 Million Karten, Pläne, Atlanten und Globen sowie über 165.000 digitalisierten Dokumenten, die auch online abrufbar sind. Das Angebot reicht von deutscher Kinderbuchliteratur bis zu historischen Drucken, von Literatur aus Nordafrika, dem Nahen Osten, Süd- und Südostasien über Literatur aus Ozeanien bis hin zu Werken aus Osteuropa, Zentral- und Ostasien, von Musikalien bis zu historischen und aktuellen Zeitungs- und Zeitschriftensammlungen aus aller Welt. Das architektonische und funktionale Herz der Bibliothek bildet der Lesesaal – ein großer, offener Bereich, der sich auf mehrere Ebenen erstreckt. In dem großzügig angelegten, hellen Raum stehen überall offene Bücherregale und Schreibtische, an denen Menschen sitzen und lesen. Meine Freundin Alice, die in Paris lebt, fragt mich, ob ich mich in der Stabi – wie die Bibliothek gewöhnlich genannt wird – nicht verloren fühle. Ich verneine und erkläre, dass ich mich dort in bester Gesellschaft fühle. Der Umstand, dass es sich um die größte wissenschaftliche Bibliothek Deutschlands und eine der berühmtesten Universalbibliotheken der Welt handelt, stärkt mein Vertrauen in die Menschheit. Die Art der Stille, die hier in der Luft zu vibrieren scheint, hat für mich denselben Zauber wie ein fliegender Teppich.
 
Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum
Das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum ist eine der elf wissenschaftlichen Bibliotheken der Humboldt-Universität. Die im Herbst 2009 eröffnete Bibliothek wurde vom Schweizer Architekten Max Dudler entworfen. Viele Jahre lang habe ich sie nur von außen bewundert, aus dem Fenster der vorbeifahrenden Hochbahn, bei Tag und bei Nacht. Während der Woche ist die Bibliothek bis 24 Uhr geöffnet, an Samstagen und Sonntagen schließt sie um 22 Uhr. In einer Umgebung wie dieser abends über den Büchern zu sitzen, scheint mir der schönste Abschluss eines Tages, auch wenn mich draußen ein sibirischer Wind erwarten würde. Der Schriftzug „Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum“ erinnert mich an die beiden als Philologen und Linguisten tätigen Brüder und daran, dass ich noch nie am Alten St-Matthäus-Kirchhof war, um ihnen einen Besuch abzustatten. Ich beschließe, das so bald wie möglich nachzuholen. Wie in der Stabi ist der zentrale Raum auch hier der Lesesaal: eine Terrassenlandschaft aus Kirschholz, mit Tausenden Leuchten und 1.036 Lese- und Arbeitsplätzen, von denen 450 mit eigenem PC ausgestattet sind, umgeben von Dutzenden Einzel- und Gruppenarbeitskabinen. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf den Fachgebieten Geisteswissenschaften, Bibliothekswissenschaft, Ethnologie, Archäologie, Sozial- und Erziehungswissenschaften sowie Psychologie. Einer der Services für Benutzer ist für mich eine absolute Neuheit – die sogenannte Kinderstube. Der speziell für Eltern und Kinder konzipierte Arbeitsbereich ist etwa 80 Quadratmeter groß und verfügt über eine kleine Bibliothek mit Kinderbüchern, ein Bällebad, eine Hörbuchstation und elf Arbeitsplätze für Erwachsene.
 
Philologische Bibliothek
Es gibt eine Bibliothek, in der die Philologie das Zepter fest in der Hand hält (und vielleicht auch die Architektur). Es handelt sich um die von Lord Norman Foster entworfene und 2005 eröffnete Philologische Bibliothek der Freien Universität Berlin. Die wichtigsten Studienfächer sind hier Anglistik, Byzantinistik, Germanistik, klassische Philologie, indische Philologie und Südasienkunde, lateinamerikanische, mittelalterliche und romanische Philologie, Neogräzistik und Slawistik. Als ich die Bibliothek das erste Mal betrat, war sie seit einem Jahr geöffnet. Ich bereitete mich gerade auf eine Deutsch-Prüfung vor und jeder einzelne der zur Verfügung stehenden 680 Arbeitsplätze schien mir der ideale Ort zum Lernen. Der Bestand der Bibliothek umfasst 700.000 entlehnbare Werke, von denen 98 % frei zugänglich sind, die Hauptnutzfläche erstreckt sich auf über 6.000 Quadratmeter. Der helle, gleichmäßig ausgeleuchtete Raum ist so gestaltet, dass er vorwiegend durch natürliches und nur beschränkt durch künstliches Licht erhellt wird, und ist das Ergebnis einer eingehenden Prüfung der verwendeten Materialien und der allgemeinen Umweltverträglichkeit des Projekts. Die Bibliothek besteht aus einem einzigen großen, vertikal angelegten Raum, in dem es keine Kanten zu geben scheint, nur Wellen, sanfte Richtungswechsel und runde Formen. Tatsächlich trägt das Gebäude wegen seiner schädelartigen Form und der Teilung in zwei Hemisphären bei einigen den Spitznamen „Berliner Hirn“. Um Zutritt zu diesem Wunderwerk zu haben, muss man übrigens nicht Philologie studieren oder an der FU inskribiert sein. Wer die Philologische Bibliothek besuchen möchte, braucht nur hinzugehen. Denn obwohl es sich um eine Fachbibliothek handelt, ist sie glücklicherweise für alle zugänglich.

Schulbüchereien

Dank der Vermittlung der Buchhändlerin Stefanie Hetze erhalte ich die Gelegenheit, drei hervorragende Schulbibliotheken von innen zu besichtigen. Zwei davon befinden sich in Kreuzberg, eine in Schöneberg. In diesen Schulen gehen jeden Tag etwa 600 Kinder ein und aus, für die ihre Schulbibliothek zum Alltag gehört. Die direkt in den Schulen untergebrachten Büchereien tragen aktiv zum erfolgreichen Schulbetrieb bei.
 
Hunsrück-Grundschule
Zu den Leitzielen der Hunsrück-Grundschule zählen unter anderem die Leseerziehung und ein erfolgreiches Miteinander der Kulturen, Sprachen und der Vielfalt. 50 % der Kinder, die die Schule besuchen, leben in Armut, weshalb die reichhaltige Schulbibliothek besonderen Wert hat, und das nicht nur für die Bildung der Schülerinnen und Schüler. Das Motto der Bücherei lautet: „tolle, spannende, gute Bücher“. Das Bibliotheksteam besteht aus fünf Frauen, die sieben verschiedene Sprachen sprechen und sich bei der Auswahl der Bücher am Angebot der Leipziger Buchmesse orientieren – der zweitwichtigsten Buchmesse Deutschlands nach der in Frankfurt. Jeden Freitag trifft sich außerdem eine Lesegruppe, bestehend aus erfahrenen Leserinnen und Lesern, Eltern sowie Freunden der Schule und der Bibliothek, die gemeinsam Bücher auf Türkisch, Portugiesisch, Spanisch, Arabisch, Italienisch, Englisch und Deutsch lesen. Zweimal wöchentlich besuchen die Bibliothekarinnen die Schüler in ihren Klassen, einmal im Jahr ist ein bedeutender Autor zu Gast. Darüber hinaus arbeitet die Bücherei auch bewusst und aktiv mit anderen Institutionen und Schulen, Buchhandlungen und Verbänden auf städtischer, nationaler und europäischer Ebene zusammen. So läuft seit 2019 ein Schwerpunktprogramm zum Thema Vielfalt in Kinderbüchern, an dem noch sechs weitere Schulen aus Kreuzberg beteiligt sind. Im Rahmen des Europaprojekts Erasmus+ ist die Bibliothek aktuell außerdem mit einer italienischen, einer portugiesischen und einer türkischen Schule vernetzt. Im Fokus des gemeinsamen Projekts stehen Geschlechterrollen und Kinderbüche.
 
Nürtingen-Grundschule Kreuzberg
Es ist ein Sonntagmorgen im November, als ich die Schulbücherei der Nürtingen-Grundschule das erste Mal besuche. Ich bin hier, um mir eine Lesung der Autorin und Illustratorin Franziska Biermann anzuhören, aber vor allem, um den Bibliothekar Uli Pollack kennenzulernen – die Seele der Leseprojekte der Schule. Viele Kinder sind mit ihren Familien gekommen, die unabhängige Buchhandlung Dante Connection ist mit einem Büchertisch vertreten. Die Schulbibliothek der Nürtingen-Grundschule erinnert mich an ein Kinderzimmer, in dem ein Kind wohnt, das gerne liest. Hier finden sich nicht nur Bücher, sondern auch andere Dinge: Zeichnungen, Farben, Schilder, Spuren des Zusammenlebens der Welt der Kinder und jener der Erwachsenen. Alles hat seinen Platz, aber es herrscht keine übertriebene Ordnung. Die Bücherregale sind eher niedrig als hoch, besonders in Erinnerung geblieben sind mir ein Lehnstuhl für Kinder und eine kleine Hochetage. Dank der hohen Fenster erhellt natürliches Licht den Raum, bis es draußen dunkel wird. Auf Initiative der Bibliothek nimmt die Schule jedes Jahr am bundesweiten Vorlesetag, dem größten deutschen Vorlesefest, teil. Die Aktion wird von der Tageszeitung Die Zeit, der Stiftung Lesen und der Deutsche Bahn Stiftung unterstützt und findet in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken, Buchhandlungen, Museen und Vereinen in ganz Deutschland statt. 2019 haben etwa 700.000 Personen mitgemacht und nie hätte ich gedacht, dass ich eine von ihnen sein würde. Die Ausgabe 2020 ist bereits in Vorbereitung, Termin ist traditionsgemäß der dritte Freitag im November.
 
Roberto-Piumini-Bibliothek an der Finow-Grundschule und Europaschule
Die Finow-Schule bietet parallel Regelklassen und Europaklassen an, wobei in letzteren auf Deutsch und Italienisch unterrichtet wird, 2020 feiert die Europaschule ihr 25-jähriges Bestehen. Hier lerne ich Maura Leacche kennen, die Schulbibliothekarin und Leiterin der Roberto-Piumini-Bibliothek. Maura kümmert sich um den Bestand, sorgt dafür, dass die Bibliothek geöffnet ist, und organisiert in Kooperation mit den Lehrern und Eltern Aktionen zur Leseerziehung, die zum Teil während, zum Teil außerhalb der Unterrichtszeiten angeboten werden. Außerdem stellt sie sich der verantwortungsvollen Aufgabe, Kinder an die Literatur heranzuführen, und lädt, wann immer die Möglichkeit besteht, Autoren und Autorinnen, Buchhandlungen und Kinderbuchexperten zu Treffen mit den Kindern in der Schule ein. Während der Pause wird die Bibliothek von den Schülern buchstäblich gestürmt, was zeigt, dass es für Kinder manchmal wichtiger sein kann, zum Lesen in die Bücherei zu kommen oder ein neues Buch auszuleihen, als in den Garten zu gehen oder sich in der Schulkantine einen Snack zu holen. Kurz vor Weihnachten überrascht mich die Bibliothekarin mit dem Vorschlag, in zwei ersten Klassen einen Workshop zum Thema visuelles Lesen zu halten. Und so kann ich nun sagen, neben den vielen anderen Dingen, die ich im Rahmen meiner „Erkundungstour“ durch die Bibliotheken Berlins gesehen und erlebt habe, auch diese schöne Erfahrung gemacht zu haben.

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