Mit Deutsch in den Beruf

Austauschbörse - Rom 2016 © Paola Libralato

Eine Voraussetzung für einen gelungenen Übergang von der Schule in die Arbeitswelt ist die Kenntnis von Fremdsprachen. Junge Menschen, die Deutsch lernen, investieren in ihre berufliche Zukunft. Wer Deutsch spricht, ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Vor diesem Hintergrund startet das Goethe-Institut gemeinsam mit seinen Partnern das Projekt Mit Deutsch in den Beruf, das auf die Bedürfnisse von Schulen und Unternehmen zugeschnitten ist.

Im Rahmen einer Absichtserklärung mit dem italienischen Bildungsministerium fördert das Goethe-Institut gemeinsam mit seinen Partnern den Expertenaustausch zwischen Deutschland und Italien auf der Basis von Netzwerken, Expertenreisen, Konferenzen und Seminaren. Duale Systeme und frühzeitige Berufsorientierung gelten heute in Europa als bewährte Maßnahmen zur Vorbeugung vor hoher Jugendarbeitslosigkeit.

In den letzten Jahren hat sich das Goethe-Institut im Rahmen des Projektes Mit Deutsch in den Beruf Expertise und fundierte Kenntnisse in den Bereichen Berufsorientierung, duale Bildungssysteme und im Übergangsmanagement von der Schule in den Beruf aufgebaut und ist Mitglied in der entsprechenden deutsch-italienischen interministeriellen Arbeitsgruppe.
 

Im Rahmen der Schulreform wurden auch in Italien duale Elemente in die Schulbildung integriert. Der Wechsel des Lernortes zwischen Schule und Betrieb (Alternanza Scuola-Lavoro) ist nun in den letzten drei Schuljahren in Italien Pflicht. Das Betriebspraktikum umfasst in den berufsbildenden Schulen (Istituti Tecnici und Istituti Professionali) insgesamt mindestens 400 Stunden, in den Gymnasien mindestens 200 Stunden. Die Praktika können in Unternehmen, öffentlichen Institutionen, Museen und im Sommer auch im Ausland abgeleistet werden. Hierfür wird ein Abkommen mit den Rechten und Pflichten der Jugendlichen „in Alternanz“ vorbereitet. In einem nationalen Register werden Institutionen und Unternehmen gelistet, die bereit sind, Alternanz-Programme durchzuführen. Die Jugendlichen können ihre Teilnahme an diesen Programmen und deren Effizienz evaluieren. Weitere innovative didaktische Programme und lokale Workshops auch an Nachmittagen sollen der Berufsorientierung dienen und dem Schulabbruch entgegenwirken. Des Weiteren sollen der Fremdsprachen- und der Wirtschafts-unterricht gestärkt werden.

Das Schulprojekt Unternehmen Deutsch integriert sich sehr gut in dieses Programm der Schulreform und erfüllt durch die Kombination der Fächer Deutsch und Wirtschaft mit Elementen der Berufsorientierung die Anforderungen eines innovativen und projektorientierten CLIL-Unterrichts.

Unternehmen Deutsch zielt darauf, Lernpartnerschaften zwischen Schulen und in der Region ansässigen Firmen zu gründen. Die Firmen können deutsche Niederlassungen in Italien oder italienische Firmen mit Geschäftsbeziehungen nach Deutschland sein. Nach einer wirtschaftsgeographischen Analyse ihrer Region entscheiden sich die Schüler, für welches „Partnerunternehmen“ sie eine neue Geschäftsidee entwickeln wollen. In einem Besuch bei „ihrem“ Unternehmen erhalten die Schüler Informationen über die Firma, lernen Berufsbilder kennen und bekommen einen tieferen Einblick in den Zusammenhang von Arbeitsprozessen. Das Projekt mündet in der Entwicklung eines innovativen Produkts oder einer innovativen Dienstleistung, das/die eine sinnvolle Erweiterung des Unternehmensangebots darstellen soll und mit Blick auf potentielle deutschsprachige Kunden simulativ beworben wird (z.B. Videospot). Eine von der Freien Universität Berlin durchgeführte Evaluation bestätigt, dass Unternehmen Deutsch den Schülern ein größeres Verständnis für die Arbeitswelt vermittelt, ihre Kooperationsfähigkeit untereinander fördert und den Spracherwerb um die Herausbildung einer stärkeren interkulturellen Kompetenz bereichert.

Das Goethe-Institut führt das Projekt seit vier Jahren als nationalen Ideenwettbewerb durch, der bislang zu 65 Lernpartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen geführt hat. Unter den Firmen befinden sich u.a. Bosch, Illycaffè, Osram, SAP, Tod’s, Faber-Castell, Pietro Coricelli, Poltrona Frau, Lavazza und Volkswagen. Unternehmen Deutsch wird von einer bedeutenden Medienresonanz begleitet und verleiht Schulen wie Unternehmen eine erhöhte Sichtbarkeit in ihrer Region. Das Projekt ist in einem Kurzfilm dokumentiert und kann dank eines zweisprachigen Handlungsleitfadens, der vom deutschen und italienischen Bildungsministerium sowie vom Bundesinstitut für Berufsbildung gefördert wurde, mit Unterrichtsmaterialien von Deutschlehrern und Wirtschaftslehrern auch autonom und ohne Koordinierung durch das Goethe-Institut durchgeführt werden.

Die geplante weitere Entwicklung des Projektes Mit Deutsch in den Beruf soll nun zwei thematische Stränge zusammenführen, an denen das Goethe-Institut Italien schon seit längerem arbeitet:
  1. der dem Schulprojekt Unternehmen Deutsch inhärente Aspekt der Berufsorientierung: Indem die Lernenden mit den internen Abläufen eines Unternehmens bekanntgemacht werden, erhalten sie nähere Einsicht in die reale Arbeitswelt und konkretere Entscheidungshilfen für die eigene Berufs- und Ausbildungswahl (Alternanza Scuola-Lavoro);
     
  2. das verstärkte Engagement im thematischen Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit der besonderen Absicht, vor allem junge Mädchen für technische Berufe zu interessieren.
Nachdem das Goethe-Institut Italien schon seit über einem Jahrzehnt mit Tagungen zur Didaktik der Mathematik, einem deutsch-italienisch-französischen Projekt zum fremdsprachlichen Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern sowie einem Projekt zur Bionik hervorgetreten ist, wird nun ein Gender-Projekt für technische Berufe in Angriff genommen, an dem sich auch der italienische Nationale Forschungsrat CNR und die Berliner Gruppe von Ingenieurinnen um die Assoziation LIFE e.V. beteiligen werden. Gedacht ist an Workshops für Schülerinnen, Fortbildungen für Lehrer, und Praxis-Parcours auf Berufsorientierungs-Messen.

Ein weiteres Vorhaben ist an der Schnittstelle zwischen Mit Deutsch in den Beruf und der Förderung des Deutschunterrichts angesiedelt und betrifft den Aufbau eines Austauschs zwischen deutschen und italienischen berufsbildenden Schulen. Durch die vom Goethe-Institut Italien organisierten Expertenreisen zum Studium des Dualen Systems in Deutschland verfügt das Institut über eine Datenbank von knapp 150 interessierten italienischen Schulen, die über eine zu errichtende Internet-Plattform kontaktieren können. Gedacht ist bei den Aufenthalten im jeweiligen Gastland an einen Mix aus Besuch der dortigen berufsbildenden Schule und Shadowing im Ausbildungsbetrieb. Diese mehrwöchige Erfahrung im Ausland kann als Alternanz-Aktivität verbucht werden. Hinzu kommt eine nicht zu unterschätzende „sprachliche Rendite“, da ein Schulaustausch mit Deutschland auch den Bedarf an Deutschunterricht steigern wird.

Netzwerk zum Übergang Schule-Beruf © Goethe-Institut Italien / Fondazione Mercator


Netzwerk zum Übergang Schule-Beruf

EINE BRÜCKE ZWISCHEN SCHULE UND BERUF
Immer noch ist die Jugendarbeitslosigkeit in Italien sehr hoch. Weitreichende Reformen haben die Situation seitdem entspannt, doch im Süden des Landes ist die Herausforderung noch groß. Ein Projekt des Goethe-Instituts und der Stiftung Mercator soll nun jungen Menschen in Süditalien einen chancengleichen Zugang zum Berufsleben vereinfachen.

Unternehmen Deutsch - Schüler besuchen ihr Partner-Unternehmen Goethe-Institut Italien © Foto: Michele Banzato

Unternehmen Deutsch

Unternehmen Deutsch ist konzipiert für Schulen, die eine Brücke zur Arbeitswelt bauen oder ihre Firmenkontakte erweitern wollen. Es kombiniert Aspekte der beruflichen Orientierung mit einem Ideenwettbewerb, der Kreativität und Erfindergeist der Schülerinnen und Schüler stimuliert.

Austauschbörse - Rom 2016 Goethe-Institut Italien © Foto: Paola Libralato

Deutsch–italienische Austauschbörse für berufsbildende Schulen

Goethe-Institut Rom, 7.-8.11.2017
Gesucht werden Schulleiter und Lehrer berufsbildender Schulen aus Deutschland und Italien für die zweite Runde unseres Austauschprojekts zur Internationalisierung im Bildungsbereich.

Aktuelles

Internationale Berufsbildungszusammenarbeit

Auf der Bilanzkonferenz der Bundesregierung am 22. März 2017 in Berlin war Italien als eines der Partnerländer präsent, mit denen die Bundesregierung besonders eng und erfolgreich im Bereich der Berufsbildung zusammenarbeitet.

Mit Deutsch in den Beruf ist das Projekt des Goethe-Instituts, das seit 2012 einen wichtigen Beitrag zu dieser deutsch-italienischen Kooperation leistet. Es umfasst den Expertenaustauch bei Studienreisen, Konferenzen und Seminaren zum Dualen System ebenso wie das Berufsorientierungsprojekt Unternehmen Deutsch.

  • Bilanzkonferenz der Bundesregierung - Gruppe © BMBF
    Bilanzkonferenz der Bundesregierung - Gruppe
  • Bilanzkonferenz der Bundesregierung - Plenum © BMBF
    Bilanzkonferenz der Bundesregierung - Plenum
  • Bilanzkonferenz der Bundesregierung - G. Kreuter-Lenz | Goethe-Institut Italien © BMBF
    Bilanzkonferenz der Bundesregierung - G. Kreuter-Lenz | Goethe-Institut Italien
  • Bilanzkonferenz der Bundesregierung - F. Proietti | MIUR © BMBF
    Bilanzkonferenz der Bundesregierung - F. Proietti | MIUR

Absichtserklärung zwischen Italien und Deutschland

Links: Stefania Giannini; rechts: Johanna Wanka Links: italienische Bildungsministerin Stefania Giannini; rechts: deutsche Bildungsministerin Johanna Wanka
Am 3. Mai 2016 haben Deutschland und Italien im deutsch-italienischen Zentrum für europäische Exzellenz Villa Vigoni am Comer See eine neue dreijährige Absichtserklärung zum Thema Übergang von Schule und Beruf unterzeichnet. Das bilaterale Abkommen wurde von der deutschen Bildungsministerin Johanna Wanka und der italienischen Bildungsministerin Stefania Giannini sowie von den beiden Arbeitsministerien unterzeichnet. Unter den beteiligten Institutionen war auch das Goethe-Institut anwesend.