Duales System – Ein Austausch zwischen den Hafenstädten Genua und Hamburg

Nachdem die ligurische Expertenabordnung des Bildungswesens im letzten Jahr in Hamburg war, lud das Goethe-Institut Italien vom 29. September – 2. Oktober 2015 eine hamburgische Delegation nach Genua ein.

Hafen von Genua Wikimedia Commons Ziel dieser Initiative war es, das Projekt des Austauschs zwischen Deutschland und Italien, mit dem Schwerpunkt Duales Bildungssystems, voranzutragen. Eine zentrale Rolle dabei spielte das Thema der sogenannten Blue Economy und deren durchführbare Übertragung auf Genua und Ligurien auf der Basis der deutschen Erfahrungen im Bereich.

Diese Initiative gleicht sich den Richtlinien der neuen Entwicklungen im italienischen Schulsystem an, das die italienische Regierung vor kurzem mit der Reform „La Buona Scuola“ initiierte. Das Duale System, also der Austausch zwischen Schule und Berufswelt soll ein integrierender Teil des Schulangebots werden und stellt eine wichtige Umstellung des italienischen Schulsystems dar. Das Ziel wird es sein, die Türen der Schulen für Erfahrungen und Kompetenzen zu öffnen, die sich die Schüler außerhalb des Klassenzimmers aneignen, um Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. In diesem Sinne werden jährlich insgesamt vierhundert Stunden für die Berufs- und Fachoberschulen und zweihundert Stunden für die Gymnasien ein offizieller Teil des Lehrplans.

Inspiriert vom deutschen Bildungswesen, dessen duales System viel Zuspruch und Anerkennung erhielt, unternahm das Goethe-Institut Italien mittels des Projekts „Mit Deutsch in den Beruf“ in den vergangenen Jahren einleitende Schritte, um die italienischen Schüler den Unternehmen anzunähern. Die Studienreise sowie der Austausch zwischen Genua und Hamburg repräsentieren darin eine ideale Weiterführung und konkrete Erweiterung der Perspektiven.

Die Reise der hamburgischen Delegation nach Genua begann mit einem Studientag, der in Zusammenarbeit mit der Region Ligurien (Settore Sistema Scolastico – Educativo Regionale) organisiert wurde. Die deutschen Gäste, begleitet vom Goethe-Institut Genua, konnten in diesem Zusammenhang verschiedene Themengebiete, wie zum Beispiel die Jugendarbeitslosigkeit und die NEET („Not engaged in Education, Employment or Training“ = Jugendliche, die sich nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung befinden) vertiefen und Fachleute der verschiedenen Schulen und Institute  in Genua sowie Vertreter der Akademie der Handelsschifffahrt und der städtischen Schifffahrtskompanie treffen.

Bei einem Besuch im benachbarten Städtchen Cogorno, wurden den Teilnehmern die Fachausbildung mit nachfolgendem Berufsdiplom als erste und konkrete Erfahrung mit dem dualen Bildungssystem in Italien veranschaulicht. In diesem Zusammenhang hatten die Experten die Möglichkeit sich ein Bild der örtlichen Verwirklichung der Projekte des Europäischen Sozialfonds zu machen und das Berufsbildungszentrum „Villaggio del Ragazzo“, und dessen Tischlereiwerkstatt zu besichtigen.
In der Stadt La Spezia wurden der Delegation die Erfahrungen der Blue und Green Economy präsentiert, die vor Ort entwickelt wurden. Auch die Bildungsmaßnahmen bezüglich der Transportlogistik wurden veranschaulicht und die Gruppe hatte die Möglichkeit persönlich den gastronomischen Service der Schüler der dortigen  Hotelfachschule zu probieren.

Zum Abschluss der Studienreise wurden die Gäste von Schülern des Kunstlyzeums auf der Entdeckung der historischen und künstlerischen Sehenswürdigkeiten Genuas begleitet, die dabei die Rolle professioneller Touristenführer einnahmen.

Die Studienreise wurde vom Goethe-Institut Italien (Goethe-Institut Genua und Goethe-Institut Rom) und der Region Ligurien in Zusammenarbeit mit dem regionalen Schulamt organisiert.