Beratung und Service

Deutsche Sprache – Beratung und Service Foto: Goethe-Institut Italien / Max Intrisano

Unsere Bildungsprojekte vor dem Hintergrund der Schulreform „La Buona Scuola“

Die Regierung Renzi hat im Juli 2015 das Gesetz 107 verabschiedet, das unter dem Titel La Buona Scuola eine umfassende Schulreform auf den Weg gebracht hat. Zentrale Themen dieser Reform sind die Alternanza Scuola-Lavoro, die Lehrerfortbildung und die angestrebte Stärkung der Fremdsprachen. Die Bildungskooperation Deutsch des Goethe-Instituts Italien hat verschiedene Projekte initiiert, die die Umsetzung der Schulreform auch im Kontext des Deutschunterrichts ermöglichen.

In den letzten drei Jahren hat sich das Goethe-Institut im Rahmen des Projektes Mit Deutsch in den Beruf Expertise und fundierte Kenntnisse in den Bereichen Berufsorientierung, duale Bildungssysteme und im Übergangsmanagement von der Schule in den Beruf aufgebaut und ist Mitglied in der entsprechenden deutsch-italienischen interministeriellen Arbeitsgruppe. Im Rahmen einer Absichtserklärung mit dem italienischen Bildungsministerium fördert das Goethe-Institut gemeinsam mit seinen Partnern den Expertenaustausch zwischen Deutschland und Italien auf der Basis von Netzwerken, Expertenreisen, Konferenzen und Seminaren. Duale Systeme und frühzeitige Berufsorientierung gelten heute in Europa als bewährte Maßnahmen zur Vorbeugung vor hoher Jugendarbeitslosigkeit.

Im Rahmen der Schulreform wurden auch in Italien duale Elemente in die Schulbildung integriert. Der Wechsel des Lernortes zwischen Schule und Betrieb (Alternanza Scuola-Lavoro) ist nun in den letzten drei Schuljahren in Italien Pflicht. Das Betriebspraktikum umfasst in den berufsbildenden Schulen (Istituti Tecnici und Istituti Professionali) insgesamt mindestens 400 Stunden, in den Gymnasien mindestens 200 Stunden. Die Praktika können in Unternehmen, öffentlichen Institutionen, Museen und im Sommer auch im Ausland abgeleistet werden. Hierfür wird ein Abkommen mit den Rechten und Pflichten der Jugendlichen „in Alternanz“ vorbereitet. In einem nationalen Register werden Institutionen und Unternehmen gelistet, die bereit sind, Alternanz-Programme durchzuführen. Die Jugendlichen können ihre Teilnahme an diesen Programmen und deren Effizienz evaluieren. Weitere innovative didaktische Programme und lokale Workshops auch an Nachmittagen sollen der Berufsorientierung dienen und dem Schulabbruch entgegenwirken. Des Weiteren sollen der Fremdsprachen- und der Wirtschafts-unterricht gestärkt werden.
Das Schulprojekt Unternehmen Deutsch integriert sich sehr gut in dieses Programm der Schulreform und erfüllt durch die Kombination der Fächer Deutsch und Wirtschaft mit Elementen der Berufsorientierung die Anforderungen eines innovativen und projektorientierten CLIL-Unterrichts.

Unternehmen Deutsch zielt darauf, Lernpartnerschaften zwischen Schulen und in der Region ansässigen Firmen zu gründen. Die Firmen können deutsche Niederlassungen in Italien oder italienische Firmen mit Geschäftsbeziehungen nach Deutschland sein. Nach einer wirtschaftsgeographischen Analyse ihrer Region entscheiden sich die Schüler, für welches „Partnerunternehmen“ sie eine neue Geschäftsidee entwickeln wollen. In einem Besuch bei „ihrem“ Unternehmen erhalten die Schüler Informationen über die Firma, lernen Berufsbilder kennen und bekommen einen tieferen Einblick in den Zusammenhang von Arbeitsprozessen. Das Projekt mündet in der Entwicklung eines innovativen Produkts oder einer innovativen Dienstleistung, das/die eine sinnvolle Erweiterung des Unternehmensangebots darstellen soll und mit Blick auf potentielle deutschsprachige Kunden simulativ beworben wird (z.B. Videospot). Eine von der Freien Universität Berlin durchgeführte Evaluation bestätigt, dass Unternehmen Deutsch den Schülern ein größeres Verständnis für die Arbeitswelt vermittelt, ihre Kooperationsfähigkeit untereinander fördert und den Spracherwerb um die Herausbildung einer stärkeren interkulturellen Kompetenz bereichert.

Das Goethe-Institut führt das Projekt seit vier Jahren als nationalen Ideenwettbewerb durch, der bislang zu 65 Lernpartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen geführt hat. Unter den Firmen befinden sich u.a. Bosch, Illycaffè, Osram, SAP, Tod’s, Faber-Castell, Pietro Coricelli, Poltrona Frau, Lavazza und Volkswagen. Unternehmen Deutsch wird von einer bedeutenden Medienresonanz begleitet und verleiht Schulen wie Unternehmen eine erhöhte Sichtbarkeit in ihrer Region. Das Projekt ist in einem Kurzfilm dokumentiert und kann dank eines zweisprachigen Handlungsleitfadens, der vom deutschen und italienischen Bildungsministerium sowie vom Bundesinstitut für Berufsbildung gefördert wurde, mit Unterrichtsmaterialien von Deutschlehrern und Wirtschaftslehrern auch autonom und ohne Koordinierung durch das Goethe-Institut durchgeführt werden.

Die geplante weitere Entwicklung des Projektes Mit Deutsch in den Beruf soll nun zwei thematische Stränge zusammenführen, an denen das Goethe-Institut Italien schon seit längerem arbeitet:
  1. der dem Schulprojekt Unternehmen Deutsch inhärente Aspekt der Berufsorientierung: indem die Lernenden mit den internen Abläufen eines Unternehmens bekanntgemacht werden, erhalten sie nähere Einsicht in die reale Arbeitswelt und konkretere Entscheidungshilfen für die eigene Berufs- und Ausbildungswahl (Alternanza Scuola-Lavoro);
  2. das verstärkte Engagement im thematischen Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit der besonderen Absicht, vor allem junge Mädchen für technische Berufe zu interessieren.
Nachdem das Goethe-Institut Italien schon seit über einem Jahrzehnt mit Tagungen zur Didaktik der Mathematik, einem deutsch-italienisch-französischen Projekt zum fremdsprachlichen Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern sowie einem Projekt zur Bionik hervorgetreten ist, wird nun ein Gender-Projekt für technische Berufe in Angriff genommen, an dem sich auch der italienische Nationale Forschungsrat CNR und die Berliner Gruppe von Ingenieurinnen um die Assoziation LIFE e.V. beteiligen werden. Gedacht ist an Workshops für Schülerinnen, Fortbildungen für Lehrer, und Praxis-Parcours auf Berufsorientierungs-Messen.

Ein weiteres Vorhaben ist an der Schnittstelle zwischen Mit Deutsch in den Beruf und der Förderung des Deutschunterrichts angesiedelt und betrifft den Aufbau eines Austauschs zwischen deutschen und italienischen berufsbildenden Schulen. Durch die vom Goethe-Institut Italien organisierten Expertenreisen zum Studium des Dualen Systems in Deutschland verfügt das Institut über eine Datenbank von knapp 150 interessierten italienischen Schulen, die über eine zu errichtende Internet-Plattform kontaktieren können. Gedacht ist bei den Aufenthalten im jeweiligen Gastland an einen Mix aus Besuch der dortigen berufsbildenden Schule und Shadowing im Ausbildungsbetrieb. Diese mehrwöchige Erfahrung im Ausland kann als Alternanz-Aktivität verbucht werden. Hinzu kommt eine nicht zu unterschätzende „sprachliche Rendite“, da ein Schulaustausch mit Deutschland auch den Bedarf an Deutschunterricht steigern wird.
Generell soll laut Schulreform der Fremdsprachenunterricht gestärkt werden, seit langer Zeit ist erstmals wieder von der zweiten Fremdsprache nach Englisch die Rede. Allerdings setzt die Schulreform hier bei der Schulautonomie an: Es sind die Schulleiter, die gemeinsam mit dem Elternbeirat und dem Lehrerkollegium entscheiden, ob ein Teil des Budgets der Schule in den Fremdsprachenunterricht fließen. Nicht zuletzt durch den Einsatz des Deutschwagens in den letzten fünf Jahren und durch die Lobbyarbeit bei Bildungsministerium, Schulbehörden und Schulleitern war es dem Goethe-Institut Italien und seinen DACH-Partnern in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft gelungen, die Anzahl der Deutschlerner an den Mittelschulen und in der Sekundarstufe II trotz schwierigster schulgesetzlicher Vorgaben (Politik des „Nur Englisch“) stabil zu halten, bzw. zu steigern. Insgesamt lernten im Schuljahr 2014/15 431.083 Schüler an Schulen in Italien die deutsche Sprache, 8% mehr als im vorangegangenen Schuljahr. Von diesen Schülern legten mehr als 15.000 die Prüfungen am Goethe-Institut Italien auf den Sprachniveaus on A1 bis C1 ab. Die Anzahl der Deutschlehrer an Schulen mit festen Planstellen stieg vom Schuljahr 2014/15 auf das Schuljahr 2015/16 von 2.898 auf 3.278, was einer Steigerung um mehr als 11% entspricht (Quelle: MIUR).

In den kommenden Jahren rückt besonders die Zielgruppe der Eltern als Entscheidungsträger in den Mittelpunkt der Aktivitäten des Goethe-Instituts und seiner Partner: Werbematerialien werden speziell für diese Zielgruppe entwickelt, die Sympathiewerbung für Deutsch wird mit Kulturprogrammen an Schulen während der Orientierungsphase zur Wahl der Fremdsprachen gestärkt, zu denen Eltern und Familien eigeladen werden.
Um Deutschlehrerinnen und -lehrer in Italien noch besser auf die Herausforderungen des Unterrichts vorzubereiten, hatten das Goethe-Institut Italien und der DAAD schon 2009 eine gemeinsame Initiative gestartet: In Zusammenarbeit mit der Universität Neapel „L’Orientale“ und der Universität Mailand konnten zum Wintersemester 2010/2011 zwei einjährige Aufbaustudiengänge DaF-Didaktik und –Methodik als Pilotkurse eingerichtet werden, die großen Anklang fanden. Die Expertise des Goethe-Instituts im Bereich der Fort- und Weiterbildung ergänzte sich dabei mit der langjährigen Erfahrung des DAAD in der universitären Lehre vor Ort und der Curriculumsentwicklung.

Der Erfolg dieses Pilotprojekts hat DAAD und Goethe-Institut dazu bewogen, ihr gemeinsames Engagement fortzusetzen. Mit dem vom Goethe-Institut in Deutschland und mehreren DaF-Lehrstühlen entwickelten Programm Deutsch Lehren Lernen (DLL) steht nunmehr ein grundlegendes und innovatives Fort- und Weiterbildungsangebot zur Verfügung, das einen wichtigen Beitrag zur weiteren Professionalisierung der DaF-Lehrer weltweit leistet. Als ein modulares Konzept, das für den Blended-Learning-Einsatz entwickelt wurde, tragen die DLL-Einheiten einer Anwendung in verschiedenen Fortbildungskontexten Rechnung: sei es im TFA (Tirocinio Formativo Attivo), dem italienischen Pendant zum deutschen Referendariat, in der Fort- und Weiterbildung oder in der Nachqualifizierung. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Universitäten, Germanistik- und Linguistikprofessoren, DAAD- und Ortslektoren stellt das Projekt DLL eine wichtige Ergänzung zum didaktischen Angebot dar.

Das innovative Konzept von DLL basiert auf der Aktionsforschung und wurde mit Blick auf das tägliche Handeln und die an eine Lehrkraft im Klassenzimmer gestellten Herausforderungen entwickelt. Traditionelle Themen wie die Vermittlung der Fertigkeiten, von Grammatik und Wortschatz, Phonetik, Literatur, Sozialformen etc. werden in ein kompetenz- und praxisorientiertes Konzept von Fortbildung integriert. Mithilfe von Unterrichtsmitschnitten und durch die Durchführung von Praxiserkundungsprojekten (PEPs) können Lehrkräfte ihre bereits vorhandenen Kompetenzen reflektieren und aktualisieren und die neuen Erkenntnisse in ihrem Unterricht anwenden. Darüber hinaus bietet die gemeinsame Fortbildung mit anderen Lehrkräften im Rahmen von DLL die Möglichkeit zum direkten Austausch über den Unterricht mit motivierten Kollegen. 
                                                                                                                              
Als Basiseinheiten stehen folgende Module zur Verfügung:
  • Einheit 1: Lehrkompetenz und Unterrichtsgestaltung
  • Einheit 2: Wie lernt man die Fremdsprache Deutsch?
  • Einheit 3: Deutsch als fremde Sprache
  • Einheit 4: Aufgaben, Übungen, Interaktion
  • Einheit 5: Lernmaterialien und Medien
  • Einheit 6: Curriculare Vorgaben und Unterrichtsplanung
Jede DLL-Einheit erscheint in Buchform mit beigefügter DVD im Klett-Langenscheidt-Verlag, kann aber auch online und interaktiv auf der Lernplattform des Goethe-Instituts bearbeitet werden.
Ab Herbst 2016 führt das Goethe-Institut Italien seine Fortbildungen auch für Lehrer, die bereits an Schulen unterrichten, auf der Basis der DLL-Einheiten im Blended Learning-Verfahren durch. Einer eintägigen Präsenzphase folgt eine mehrwöchige Onlinephase mit einem Praxiserkundungs-Projekt, die dann wiederum mit einer eintägigen Präsenzphase abgeschlossen wird. Das Goethe-Institut ist durch das Dekret des italienischen Bildungsministeriums (D.M. n. 90/2003) offiziell als Institution für die Aus- und Fortbildung von Lehrenden an Schulen akkreditiert. Dadurch können die DLL-Teilnahmegebühren mit dem Budget, das seit 2015 jeder Lehrer jährlich vom italienischen Bildungsministerium für Fortbildungen erhält, gedeckt werden. Die Teilnehmer erhalten eine entsprechende Teilnahmebestätigung, die sie in ihrem Curriculum Vitae und ihrem Portfolio führen können. Die Vergabe von Punkten bzw. Credits außerhalb des universitären Ausbildungssystems sind nicht mehr vorgesehen. Die DLL-Tutoren werden regelmäßig durch das Goethe-Institut geschult.

Lehrer und Schulleiter finden auf diesen Internetseiten alle wichtigen Informationen rund um den Unterricht: Materialien, Projekte, Kulturprogramme für Schulen, Wettbewerbe und einen Terminkalender für Fortbildungen und Veranstaltungen. Sie sind herzlich eingeladen, sich dort in die Versandliste des Online-Newsletters der Bildungskooperation Deutsch einzutragen.

Nach Deutschland reisen und doch in Italien bleiben? Das geht mit dem neuen Programm des Goethe-Instituts Rom für Schulen.

Bei ihrem Besuch lernen die Schüler die Arbeit eines international wirkenden Kulturinstituts kennen, treffen Italiener und Deutsche, die dort arbeiten, können an einer Schnupperstunde Deutsch oder einer Prüfungssimulation teilnehmen. Jedes Besuchsprogramm wird in Absprache mit dem Klassenlehrer individuell ausgearbeitet.

Klassenbesuche führen wir nur nach bestätigter Voranmeldung durch. Wir bitten Sie, uns Ihre Anfrage weit im Voraus zu schicken. Dazu verwenden Sie bitte das unten stehende Formular.

Bringen Sie bitte unbedingt beim Besuch die Einverständniserklärungen mit den Unterschriften der Eltern für jeden Schüler mit. Ein Termin gilt erst, wenn Sie von uns die Bestätigung schriftlich erhalten haben.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
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