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Goethecast© Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel

Der Literaturpodcast des Goethe-Instituts Turin
Goethecast. Jugendliche auf der Welle der Literatur

Weshalb ist Der Besuch der alten Dame noch heute aktuell? Und was machte Auerhaus von Bov Bjerg zu einem Bestseller, der alle überraschte? Goethecast ist eine Podcastserie für Jugendliche von Jugendlichen, die herausragende Werke deutscher Literatur erzählen: Jugendliche, die Spaß am Lesen haben und Spaß am Austausch; die das Buch in die Gespräche außerhalb des Klassenzimmers bringen, individuelle Kommunikationsfähigkeiten weiter entwickeln und ihr Bewusstsein von der deutschsprachigen Welt erweitern. Nach dem Erfolg der ersten Reihe geht Goethecast in die zweite Runde: mit einem Klassiker und drei zeitgenössischen Romanen, erzählt von Schülerinnen und Schülern italienischer Oberschulen – unkonventionell, jung, spannend, attraktiv.

Ein Projekt des Goethe-Instituts Turin, kuratiert von Alisa Matizen und in Zusammenarbeit mit Isabella Amico di Meane, entstanden im Rahmen von Leselust. Leseclub zur deutschen Literatur.

Auerhaus

von Bov Bjerg
Folge #8

Bov Bjerg, AUERHAUS © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel Mit offenen Augen träumen, Reisen per Anhalter, Musik, Sex, Liebe und Plaudern bis tief in die Nacht – das sind die Zutaten dieser Geschichte aus der deutschen Provinz der Neunziger Jahre: Auf der Flucht vor den engen Horizonten der kleinbürgerlichen Familien und auf der Suche nach einer Existenz, die nicht als Sequenz von Geburt, Schule, Arbeit und Tod gelebt werden will, gründet eine Gruppe Jugendlicher eine Kommune, die den Freund Frieder beschützen soll, der nicht weiß, ob es wirklich Sinn macht, weiter zu leben. Eine rauschende Hymne an die Jugend mit melancholischem Unterton.
 

Der Autor und Kabarettist Bov Bjerg wird 1965 in einem kleinen Ort bei Stuttgart geboren. Auerhaus ist sein zweiter Roman, der ein Bestseller wird und Kritik und Publikum gleichermassen erobert. Das Buch  wurde verfilmt und ebenfalls für die Bühne adaptiert.
Mit den Protagonisten dieses unrethorisch, nüchtern und manchmal respektlos geschriebenen Bildungsromans hat Bov Bjerg einiges gemeinsam: wie sie wächst auch er in der schwäbischen Provinz auf, ist der erste in der Familie, der studiert und der keine Lust hat, den Wehrdienst zu machen. Auch was den Musikgeschmack betrifft, liegt er mit den Protagonisten seines Romans auf einer Welle. „Auerhaus“, wie sie das Haus taufen, in dem sie leben wollen, ist dem Hit von Madness entlehnt, der Our House hieß.
Bov Bjerg ist das Pseudonym für Rudolf Böttcher und inspiriert von einem kleinen Ort an der Westküste Dänemarks, der für seinen Leuchtturm – Bovbjerg – bekannt ist.

Der Besuch der alten Dame

von Friedrich Dürrenmatt
Folge #7
 

Friedrich Dürrenmatt, DER BESUCH DER ALTEN DAME © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel Eine alte Dame, Witwe eines Millionärs, kehrt in ihre Heimat Güllen zurück, eine fiktive Kleinstadt in der Schweiz, deren Name bezeichnenderweise an einen Dunghaufen erinnert. Die Frau macht der Stadtbevölkerung ein so verlockendes wie unerhörtes Angebot: eine beträchtliche Geldsumme für den Tod Alfred III., der sie in der Jugend geschwängert und verlassen hatte. Innerhalb kurzer Zeit bröckelt der anfängliche Widerstand der Einwohnerschaft und entlarvt deren Scheinheiligkeit und Bestechlichkeit.
 

Friedrich Dürrenmatt wurde 1921 in der Nähe von Bern geboren. Gemeinsam mit seinem Landsmann Max Frisch erneuerte er das deutschsprachige Theater, indem er die Probleme der damaligen Gesellschaft mit beißendem Witz und Mitteln der Groteske auf die Bühne brachte. Übersetzt in über vierzig Sprachen, war Dürrenmatt lange Zeit der meistgespielte zeitgenössische Autor in Deutschland, obwohl seine Werke nicht selten eine Ohrfeige für das Gewissen der Deutschen darstellten.
Der Besuch der alten Dame – das in seinem Kern der Frage nach den moralischen Grundfesten der Gesellschaft nachgeht – ist seit Langem fester Bestandteil der Lehrpläne in den Schweizer Schulen. Bei der Uraufführung 1956 im Schauspielhaus Zürich wurde es jedoch keineswegs einhellig positiv aufgenommen. Die Kulturstiftung Pro Helvetia beispielsweise lehnte eine Förderung ab mit der Begründung, das Werk repräsentiere nicht den Nationalgeist. Der vermeintliche Makel stellte sich am Ende als Stärke heraus: Gerade wegen der Universalität ihrer Themen wird die Tragikomödie noch heute auf den Bühnen der ganzen Welt gespielt.
Das Drama feierte auch im Kino beachtliche Erfolge. Das erste Mal auf der Leinwand erschien es 1964 mit der in Italien gedrehten Verfilmung The visit, die den Ort des Geschehens auf den Balkan verlegte. Die der Vorlage am treuesten folgende Fassung ist wohl Hyänen des senegalesischen Regisseurs Djibril Diop Mambéty, der eng mit Dürrenmatt zusammenarbeitete. Sein 1992 erschienener Film spielt in einem kleinen von Armut und Leid erschütterten Ort im Sahel. Der Film klagt die afrikanischen Führungsklassen und ein internationales System an, das Afrika ausbeutet, die Hyänen eben, auf die der Filmtitel anspielt: also all diejenigen, die den Verlockungen des Kolonialismus und Kapitalismus nachgeben.

Meine freie deutsche Jugend

von Claudia Rusch
Folge #6

Claudia Rusch, MEINE FREIE DEUTSCHE JUGEND © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel Als Tochter von Dissidenten in der DDR aufzuwachsen, ist sicherlich nicht einfach. Nolens volens ist Claudia eine Außenseiterin, hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, nicht aufzufallen und dem Impuls, sich einem ungerechten System zu widersetzen – ständig auf der Kippe zwischen Anpassung und Aufbegehren, erdrückender Beschattung durch die Stasi und engen Freiheitsräumen, veralteten Ritualen des sozialistischen Staates und Sehnsucht nach Rebellion.

Claudia Rusch, geboren 1971 in Stralsund, ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihr 2003 erschienener Debutroman Meine freie deutsche Jugend wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert und in viele Sprachen übersetzt.
Erzählt aus Sicht der jungen Protagonistin, führt dieser originelle autobiografische Roman mit unbekümmertem, aber stets klarem Blick über fünfundzwanzig Episoden durch die letzten fünfzehn Jahre der DDR. Eine Galerie amüsanter Anekdoten gibt den "alltäglichen Ausnahmezustand" wieder, in dem die Autorin lebt, bis mit hollywoodreifem Timing die Mauer genau in dem Moment fällt, als sie, volljährig und mit Abitur in der Tasche, bereit ist, die Welt zu entdecken.
Der leibliche Vater Claudias war ein der Parteilinie treuer Marineoffizier; die Mutter entstammte einer Kapitänsfamilie. Als die Ehe zerbricht, kommt ein langhaariger Opponent des Regimes in die Familie, der dem Mädchen viel besser gefällt als der eigene Vater, wie die Autorin in ihrem Buch freimütig zugibt.

Meistens alles sehr schnell

von Christopher Kloeble
Folge #5

Christopher Kloeble, MEISTENS ALLES SEHR SCHNELL © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel Albert ist 19 Jahre alt und ohne Mutter in einem Kinderheim aufgewachsen. Sein Vater Fred scheint ein in einem Erwachsenenkörper gefangenes Kind zu sein. Entschlossen, Licht in seine eigene Familiengeschichte zu bringen, bevor es zu spät ist, begibt sich Albert mit Fred, dem die Ärzte nur noch wenige Monate zu leben geben, auf eine Reise mit unvorhersehbaren Ereignissen, die ihn in eine dunkle und märchenhafte Vergangenheit und zu beunruhigenden Entdeckungen führt.

Christopher Kloeble, geboren 1982 in München, ist in einem kleinen Ort in den bayerischen Alpen aufgewachsen, der stark an das Dorf erinnert, in dem Fred lebt. Der Autor von Romanen, Erzählungen und Drehbüchern für Film und Fernsehen lebt heute in Berlin und Neu-Delhi.
In dieser skurrilen Familiengeschichte, die aus zwei Perspektiven erzählt wird – die des jungen Albert und die des alten Julius – ist nichts so wie es scheint oder wie es sein sollte: außergewöhnliche und wunderliche Charaktere, verworrene Geschichten, vertrackte Familiensituationen. Zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her pendelnd, begleitet uns diese bizarre Road-Novel durch ein Jahrhundert deutscher Geschichte und mischt dabei Humor, Poesie, Entsetzen und Tod, aber auch große philosophische Fragen: Was ist Normalität und wer entscheidet, was normal ist und was nicht? Gibt es eine absolute Wahrheit? Oder ist Wahrheit vielmehr das, woran wir uns entscheiden zu glauben, das Ergebnis der Illusion, das die Puzzleteile des Lebens irgendwann zusammenpassen werden?
Aufgrund der Eindringlichkeit seiner Bilder wird der Stil des Romans gemeinhin als filmisch bezeichnet. Tatsächlich ist eine Leinwandfassung geplant, was nicht weiter verwunderlich ist, da die Kamera eine feste Präsenz im Haus von Kloebles Kindheit war – mit einem Vater als Schauspieler und Produzent.

Nach Mitternacht

von Irmgard Keun
Folge #4

Irmgard Keun, NACH MITTERNACHT © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel Deutschland 1936: Vor der Frankfurter Oper jubelt die Menge dem Führer zu, der durch die Strassen marschiert. In dieser Menschenmenge ist auch die neunzehnjährige Sanna, die aus der Provinz kommt und mit Staunen und Bestürzung die Vorkommnisse beobachtet. Wie alle Mädchen ihres Alters möchte Sanna das Leben geniessen und Spass haben. Doch im Dritten Reich ist sogar die Liebe streng reglementiert. In den folgenden Stunden müssen Sanna und ihre Freunde über ihr Leben entscheiden: Sich dem Hitlerregime fügen oder in die Emigration gehen, um weiter leben und träumen zu können.   

Irmgard Keun wird am 6. Februar 1905 in der Nähe von Berlin geboren. Von Tucholsky verehrt und durch Döblin zum Schreiben gelangt, war Keun in den Dreißiger Jahren der neue Stern der deutschsprachigen Literatur: ihre ironischen und schneidend geschriebenen Romane werden von den Lesern verschlungen und vom Naziregime sofort verboten.
Nach Mitternacht wurde von Irmgard Keun im Exil geschrieben. Der Roman ist eine luzide Aufzählung der Niederträchtigkeiten des Nazistaates und war für seine Autenthizität bekannt. In einer Rezension definiert Klaus Mann ihn ein “wichtiges Buch”, ein “Dokument”, das in seiner Beschreibung des Alltags des Dritten Reiches die Wahrheit erzählt. Sein Atout ist das Erzählende Ich: die direkte und simultane Erzählung der Protagonistin, ihr ironischer und ein wenig zerstreuter Stil, ihre Art und Weise, sich spontan und lebendig auszudrücken begleitet uns durch das ganze Buch in einer ständigen Aktion des Szenenwechsels und der Enthüllung. Sanna beobachtet, kommentiert, beschreibt und dokumentiert Verhaltensweisen und Gespräche, die sie in der unvoreingenommenen und etwas naiven Art und Weise eines Mädchens vom Lande oft nicht verstehen kann, die aber die leeren Worte und grotesken Widersprüche des Regimes enthüllt, indem sie die Niedertracht und Mesquinität desjenigen aufdeckt, der es unterstützt.
Nach der deutschen Invasion in die Niederlande 1940 kehrt Keun nach vierjähriger Emigration nach Köln zurück, wo sie, geschützt durch die falsche Nachricht ihres Selbstmords, bis 1945 bei ihren Eltern lebt. Das ist nicht die einzige Korrektur der Biographie der Autorin, die sich bei Veröffentlichung ihres ersten Romans fünf Jahre jünger ausgab, um gleichalt mit der Protagonistin zu sein.

Der Trafikant

von Robert Seethaler
Folge #3

Robert Seethaler, DER TRAFIKANT © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel Sommer 1937: Der Anschluss Österreichs durch die Nazis steht vor der Tür. Aus seinem kleinen, aus der Zeit gefallenen Ort im Salzkammergut wird der siebzehnjährige Franz von seiner Mutter in den Tabakladen von Otto Trsnjek nach Wien geschickt. Hier begegnet er zum ersten Mal der Liebe, dem Hass und der Politik. Und Sigmund Freud, Gewohnheitskunde des Geschäfts, dem er die Liebesqualen für die schöne Anežka gesteht. Mit dem Anschluss überstürzen sich jedoch die Ereignisse: Otto wird verhaftet, Freud emigriert nach London. Franz ist jetzt auf sich selbst gestellt.  

Robert Seethaler wurde 1966 in Wien geboren. Er ist Schriftsteller, Schauspieler und Drehbuchautor. Für seine Romane, sowohl von Publikum als von Kritik hochgelobt, erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Derzeit lebt er in Wien und Berlin.
In seinem Roman mischt Seethaler gekonnt die Ereignisse der Zeitgeschichte mit den persönlichen Geschichten seiner Protagonisten: Die Geschichte der Phantasiefigur Franz ist verknüpft mit den Ereignissen der Zeit: Österreich vor, während und nach der deutschen Invasion von 1938. Der Trafikant ist gleichzeitig politischer, Bildungs- und Herzensroman eines Jugendlichen sowie historisch fundiertes Portrait einer Gesellschaft in einem der dunkelsten Momente der Geschichte Europas – so entsprechen beispielsweise die Hinweise auf das angekündigte Volksreferendum  der Wirklichkeit, welches dann von Schuschnigg wiederrufen wurde, sowie auch die Angaben zum Hotel Metropol, dem Hauptquartier der Gestapo. Real ist auch die Emigration von Freud, Vater der Psychoanalyse, dessen Figur in der Mitte zwischen Fiktion und Realität beschrieben wird: Aus Franzens etwas naiver Perspektive erscheint uns der alte Gelehrte, wie auch der junge Protagonist, als unbekümmerter Typ, der vorgibt, von Frauen und Liebe nicht das Geringste zu verstehen.
Im gleichnamigen Film, der 2018 erschien, spielt neben Bruno Ganz als Sigmund Freud Robert Seethaler einen Agenten der Gestapo.

Biedermann und die Brandstifter

von Max Frisch
Folge #2

Max Frisch, BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel In einer idyllischen Kleinstadt der Schweizer Provinz wird ein reicher Industrieller Komplize zweier Brandstifter, denen er gegen jede Vernunft Unterkunft in seinem Hause bietet. In der egoistischen Überzeugung, dass, diese einmal als Freunde gewonnen, sie ihn verschonen würden, übersieht Biedermann mit offenen Augen die vielen, nur allzu offensichtlichen Zeichen, die hingegen die Absichten der beiden nur allzu deutlich offenlegen. Schließlich gibt er ihnen auch noch die Streichhölzer, mit denen sie nicht nur sein Haus, sondern die gesamte Stadt in Schutt und Asche legen.

Am 15. Mai 1911 wird Max Frisch in Zürich geboren. Der Architekt und Literat wendet sich ab 1954 ausschließlich der Literatur und dem Theater zu. Max Frisch ist eine der kritischsten und renommiertesten Stimmen des 20. Jahrhunderts.
Mit diesem “didaktischen Drama ohne Lehre”, so der Untertitel mit Blick auf Brecht – und gleichzeitig davon Abstand nehmend –, entwirft Frisch ein satirisches Portrait des Menschen, der auf seine Autonomie als denkendes Subjekt verzichtet und sich feige hinter den Trugschlüssen der eigenen Niederträchtigkeit versteckt. Der Autor demaskiert die Doppelmoral der Bourgeoisie, die Fassade ihres Gutbürgertums, die sich der Drohung nach Gewalt beugt, und denunziert das Versagen des bürgerlichen Humanismus, der sich einst der nazistischen Barbarie nicht nur entgegenstellte, sondern diese auch mit gleichzeitiger konkreter Unterstützung möglich machte. Ein Portrait, das die Universalität dieser Parabel stets aktuell und an die verschiedenen Kontexte adaptierbar erscheinen lässt.
“Wir suchten Arme und fanden Menschen”: das sagte Max Frisch, der mit diesem berühmten Satz, als Mitte der 60. Jahre viele Italiener in die Schweiz emigrierten, die fremdenfeindliche Haltung der Schweizer stigmatisierte.

Schachnovelle

von Stefan Zweig
Folge #1

Stefan Zweig, SCHACHNOVELLE © Goethe-Institut Turin | Grafik: Studio Grand Hotel Auf einem Schiff, das von New York Richtung Buenos Aires fährt, fordern sich der Weltmeister Czentovič, ein stumpfsinniger und berechnender Mensch, und der gebildete Dr. B., undurchschaubarer Protagonist der Novelle und viele Monate Gefangener der Gestapo, zu einer Partie Schach heraus. Dank eines kleinen Buches, das Dr. B. sich mit einem Trick beschafft und das Anleitungen zum Schachspiel enthält, gelingt es ihm während seiner Gefangenschaft, dem drohenden Verfall in den Wahnsinn zu entgehen. Die Spuren allerdings, die diese schizophrene Herausforderung gegen sich selbst in seinem Gemüt hinterläßt, sind jedoch unauslöschbar...

Am 28. November 1881 wird Stefan Zweig in Wien in einer wohlhabenden Familie des jüdischen Großbürgertums geboren. Heute noch einer der bekanntesten deutschsprachigen und meistverkauften Autoren weltweit, wurde er in 50 Sprachen übersetzt. Sein Werk war Inspiration für erfolgreiche Filme und Theaterstücke.
In der Person des Dr. B erkennt man das Alter Ego des Autors, der sich in seiner letzten Lebensphase dem Schachspiel widmete, um einer Depression zu entkommen, die das nationalsozialistische Exil hervorgerufen hatte. Trotz aller Idylle musste ihm die brasilianische Kleinstadt, in die er sich geflüchtet hatte, wie ein Gefängnis vorkommen: Dem Schriftsteller fehlten seine Bücher, und es gab nicht einmal eine Bibliothek, in die er gehen konnte. Da ihm intellektuelle und Denkanstöße fehlten, hatte er sich ein Handbuch mit Anleitungen zum Schachspiel gekauft und spielte fast täglich die Partien der Meister nach. Doch wie in der Novelle erliegt er der gnadenlosen Logik des Spiels gegen sich Selbst und die Rettung, die das Schach ihm bietet, ist leider nur eine provisorische.
In seinem Exil spielte Zweig oft Schach mit seinem brasilianischen Agenten; der Spielgefährte sagte später, dass er nicht wenig Mühe hatte, seinen Gegner wenigstens ab und an eine Partie gewinnen zu lassen!

Goethecast ist auch verfügbar über:

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