Dialog: Bildung und Zukunft Mehrsprachigkeit

Mehrsprachigkeit fördert Verständnis und Respekt
© Goethe-Institut/Loredana La Rocca

Im Jahr 2002 haben sich die europäischen Staats- und Regierungschefs in Barcelona darauf verständigt, dass alle Bürger schon ab dem frühen Kindesalter Unterricht in mindestens zwei Fremdsprachen erhalten sollten. Seither hat die Förderung des Fremdsprachenerwerbs in den nationalen Bildungssystemen an Bedeutung gewonnen. Fremdsprachenkenntnisse gelten als Schlüsselkompetenz für die persönliche und berufliche Entwicklung, für eine aktive Bürgerschaft und die Teilhabe an der Gestaltung der Zivilgesellschaft.

Die gelebte und geförderte Mehrsprachigkeit ist Voraussetzung für interkulturellen Dialog, kulturelle Vielfalt und damit für ein gelungenes Zusammenwachsen Europas. Wie sieht Mehrsprachigkeit als erlebte Realität in Schule, Beruf oder Familie aus? Was bedeutet Mehrsprachigkeit als Teil kultureller Identität? Welches Potenzial birgt eine eingewanderte Sprachenvielfalt?

Diese Fragen diskutieren Henny Rönneper, Berichterstatterin für die deutsche Kultusministerkonferenz für den Bereich „Fremdsprachen – Grundsatzfragen“ und Piotr Koscielniak von Skolverket. Dabei liegt der Fokus auf der Förderung der Mehrsprachigkeit an Schulen in Schweden und Deutschland. Darüber hinaus tauschen sie sich über gelungene Beispiele und Aktivitäten aus. Moderiert wird das Gespräch von Charlotta Seiler Brylla, Universitätslektorin an der Universität Stockholm.  Für die Übersetzung sorgt Elisabeth Poignant.

Henny Rönneper

Henny Rönneper, Leitende Ministerialrätin im Ministerium für Schule und Weiterbildung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, arbeitet im Bereich der Gymnasien, Gesamtschulen, Sekundarschulen und Weiterbildungskollegs. Seit 2001 ist sie Referatsleiterin für Fremdsprachen, bilingualen Unterricht und internationale Abschlüsse.

Europa zeichnet sich durch seine sprachliche und kulturelle Vielfalt aus. Diese Vielfalt bestimmt uns und schafft zugleich eine Gemeinschaft, die auf Verständnis und  gegenseitigem Respekt basiert. Mehrsprachigkeit ist die Grundlage für ein funktionierendes Europa, denn sie schafft Verständnis, erleichtert Mobilität und fördert Integration.

Mehrsprachigkeit ist ein grundlegender Aspekt der Sprachenpolitik in Europa. Die Förderung der Mehrsprachigkeit gelingt u.a.

durch ein breites und verbindliches Angebot von Fremdsprachenunterricht in allen Schulen, eine Vielfalt bilingualer/CLIL-Unterrichtsangebote, durch mehrsprachige Abschlüsse und europäische Exzellenzlabel.

Piotr Koscielniak

Piotr Koscielniak arbeitet als Referent bei der staatlichen Schulbehörde und ist Projektleiter für das Thema Muttersprache. Vorher war er Leiter des Sprachforschungsinstituts.

Piotr Koscielniak stellt aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Mehrsprachigkeit vor und spricht über wichtige Bestandteile für einen erfolgreichen Schulgang zweisprachiger Kinder.

Desweiteren beleuchtet er Bildungsstrukturen, die zu systematischer Diskriminierung führen können (was mehrsprachige Schüler angeht) und beantwortet die Frage, was für den Schulerfolg mehrsprachiger Kinder wichtig ist. Auch auf die Themenfelder Fremdsprachen in allen Fächern, Schul- und Alltagssprache sowie Unterricht in der Muttersprache geht er ein.