Verzicht auf Fleisch | Gary Yourofsky  „Ich bin ein stolzer Misanthrop“

Gary Yourofsky
Gary Yourofsky Foto: Brendan Johnson | CC BY-NC 2.0

Was bringt einen Menschen dazu, auf Fleisch zu verzichten? Und wie lebt man mit dem Wissen, dass Tiere auf der ganzen Welt leiden, während der Großteil der Gesellschaft ihr Leiden nicht wahrnimmt? Der Weg zum Verzicht auf Fleisch kann vielfältig sein. Was hat den Tierrechtsaktivisten Gary Yourofsky zum Veganismus geführt, und was bedeutet es für ihn, in einer Welt zu leben, in der das Leiden von Tieren nach wie vor ein alltäglicher Bestandteil des Lebens ist?

Gary Yourofsky

Aktivist für Tierrechte

Erinnern Sie sich an einen bestimmten Moment oder einen Auslöser, als Sie sich gesagt haben, dass Sie kein Tierfleisch oder andere tierische „Produkte“ mehr essen wollen?

Die Detroit Red Wings, das Eishockeyteam meiner Heimatstadt, haben die widerwärtige Tradition, während der Playoffs tote Tintenfische auf das Eis zu werfen. Im Jahr 1995 geriet das Ganze außer Kontrolle, und jeden Abend landeten fünfzig bis hundert davon auf dem Eis. Ich rief beim Detroiter Sportsender WDFN an, um mich zu beschweren. Ich kam auf Sendung, und der Moderator fragte mich, was ich am Vorabend zu Abend gegessen hatte. Ich lüge eigentlich nie – der Beweis dafür ist die Liste all der Dinge, die ich im Laufe der Jahre gesagt habe und die mich in Schwierigkeiten gebracht haben. Aber in diesem Moment log ich und sagte, ich hätte Salat gegessen.

Kaum hatte ich das gesagt, überkam mich ein schreckliches Schuldgefühl, vor allem, als der Moderator nachgab und mich etwa zwei Minuten lang ohne Unterbrechung reden ließ. Als das Gespräch beendet war, schaute ich auf mein Handy und dachte mir beim Auflegen, dass dies die kurzlebigste Lüge aller Zeiten gewesen sei. Ich habe nie wieder ein Tier gegessen. Das war der Moment, in dem ich Vegetarier wurde.

Im folgenden Jahr fuhr ich zu einer Tierrechtsdemonstration nach Washington D.C. Ich saß in der Hotellobby, als eine Gruppe von Leuten aus Texas hereinkam. Auf ihren T-Shirts stand „Texans for Animal Rights“ (Texaner für Tierrechte). Ich stellte mich ihnen vor, und sie fragten mich, wo sie einen guten Veggie-Burger essen könnten. Ich empfahl ihnen das Hard Rock Cafe in der Nähe. Daraufhin sagten sie: „Aber dort gibt es keinen veganen Burger.“ Ich sagte: „Na und?“ Sie antworteten mir mit einer Gegenfrage: „Was glaubst du, was mit den Mutterkühen passiert, wenn sie keine Milch mehr geben können?“ Ich sagte nur: „Aha.“ Das war im Juli 1996. Und genau in diesem Moment wurde ich Veganer.

Was fällt Ihnen am schwersten am Leben mit einer erhöhten Sensibilität dafür, wie die Menschheit mit der Natur und nichtmenschlichen Lebewesen umgeht?

Sich dessen bewusst zu sein, ist bittersüß. Es ist wunderbar, die Wahrheit zu kennen und in der Wahrheit zu leben. Es ist jedoch schmerzhaft zu wissen, wie böse deine Freunde, deine Familie und die Menschheit tatsächlich sind. Nach 29 Jahren Veganismus bin ich ein stolzer Misanthrop. Ich verachte unsere Spezies und bete für unser Aussterben. Ohne uns wird es den Tieren und der Erde gut gehen.

Glauben Sie, dass wir jemals ein Ende des Leidens der Tiere und der Zerstörung der Natur erleben werden? Und was würde Ihrer Meinung nach am meisten zu einer solchen Wende beitragen?

Ich bin mir nicht sicher, ob die Befreiung der Tiere überhaupt möglich ist, da das Böse im Menschen so weit verbreitet ist. Es scheint, als könnten nicht einmal tausend friedliebende Götter und Göttinnen jene zweibeinigen Teufel aufhalten, die diesen Planeten beherrschen. Die einzige Hoffnung für die Tiere besteht darin, dass die Kulturfleischindustrie den Markt erobert. Das würde der Ausbeutung von Milliarden Landtieren und Billionen Meerestieren ein Ende bereiten. Zwar gäbe es weiterhin andere Formen des Missbrauchs, doch dies würde den allergrößten Teil davon beseitigen.

 

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