Was bringt einen Menschen dazu, auf Fleisch zu verzichten? Und wie lebt man mit dem Wissen, dass Tiere auf der ganzen Welt leiden, während der Großteil der Gesellschaft ihr Leiden nicht wahrnimmt? Der Weg zum Verzicht auf Fleisch kann vielfältig sein. Was hat den Fitnesstrainer Libor Pozníček zum Veganismus geführt, und was bedeutet es für ihn, in einer Welt zu leben, in der das Leiden von Tieren nach wie vor ein alltäglicher Bestandteil des Lebens ist?
Libor Pozníček
Fitnesstrainer und Ernährungsberater
Erinnern Sie sich an einen bestimmten Moment oder einen Auslöser, als Sie sich gesagt haben, dass Sie kein Tierfleisch oder andere tierische „Produkte“ mehr essen wollen?
Es ist das Jahr 2013, und meine Frau kommt nach Hause und erzählt mir, dass ihr eine Freundin ein Video auf YouTube empfohlen hat – „The best speech you will ever hear“ von Gary Yourofsky. Ich hatte gerade meinen Rindfleischburger aus dem Café Sladkovský aufgegessen und begann, über das Leiden der Tiere nachzudenken.Was fällt Ihnen am schwersten am Leben mit einer erhöhten Sensibilität dafür, wie die Menschheit mit der Natur und nichtmenschlichen Lebewesen umgeht?
Am schwersten sind die alltäglichen Strapazen, die mit dem Leben in einer nicht-veganen Welt verbunden sind, vor allem, was die Ernährung angeht. Außerdem fällt es schwer zu akzeptieren, dass man tatsächlich nur einen minimalen Einfluss auf das Leben anderer hat, dass meine Inspiration nicht ausreicht und dass ich eigentlich niemanden zu einer echten, langfristigen Veränderung bewegt habe.Glauben Sie, dass wir jemals ein Ende des Leidens der Tiere und der Zerstörung der Natur erleben werden? Und was würde Ihrer Meinung nach am meisten zu einer solchen Wende beitragen?
Manchmal vielleicht schon, aber ich fürchte, der Weg wird nicht über Mitgefühl führen. Meiner Meinung nach würde es einer Wende helfen, wenn es gelänge, echte, vollwertige Alternativen ohne Abstriche bei Nährwert und Gesundheit zu entwickeln – also perfektes und preiswertes kultiviertes Fleisch und dergleichen. Eine Welt, in der tierische Produkte Luxus und Dekadenz sind, während kultiviertes Fleisch und hervorragende pflanzliche Alternativen die leichter zugängliche Wahl darstellen, erscheint mir realistischer als eine Welt, in der Menschen aus Mitgefühl für Tiere oder aus Sorge um die Umwelt auf den Verzehr tierischer Produkte verzichten.Die Veröffentlichung dieses Artikels ist Teil von PERSPECTIVES – dem neuen Label für unabhängigen, konstruktiven, multiperspektivischen Journalismus. JÁDU setzt dieses von der EU co-finanzierte Projekt mit sechs weiteren Redaktionen aus Mittelosteuropa unter Federführung des Goethe-Instituts um. >>> Mehr über PERSPECTIVES
September 2026