Verzicht auf Fleisch | Dewii  „Vegan ist gar nicht so extrem, wie ich dachte“

Karolína Rathousová (Dewii)
Karolína Rathousová (Dewii) Foto: © Dewii

Was bringt einen Menschen dazu, auf Fleisch zu verzichten? Und wie lebt man mit dem Wissen, dass Tiere auf der ganzen Welt leiden, während der Großteil der Gesellschaft ihr Leiden nicht wahrnimmt? Der Weg zum Verzicht auf Fleisch kann vielfältig sein. Was hat die Ernährungsberaterin Dewii zum Veganismus geführt, und was bedeutet es für sie, in einer Welt zu leben, in der das Leiden von Tieren nach wie vor ein alltäglicher Bestandteil des Lebens ist?

Karolína Rathousová (Dewii)

Bloggerin, Ernährungsberaterin und persönliche Fitnesstrainerin

Erinnern Sie sich an einen bestimmten Moment oder einen Auslöser, als Sie sich gesagt haben, dass Sie kein Tierfleisch oder andere tierische „Produkte“ mehr essen wollen?

Ja, was Fleisch angeht, weiß ich das ganz genau. Ich bin einmal auf eine Dokumentation über spanische Schweinezuchtbetriebe und Schlachthöfe gestoßen. In diesem Moment machte es bei mir klick: Das Fleisch auf meinem Teller = ein totes Tier. Gleichzeitig sah ich zum ersten Mal, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten und geschlachtet werden. Was andere tierische Produkte angeht, fielen mir die Scheuklappen dank des Musikfestivals Fluff Fest von den Augen, auf dem ausschließlich veganes Essen verkauft wurde, und so stellte ich fest, dass eine vegane Ernährung gar nicht so extrem ist, wie ich gedacht hatte. Das weckte meine Neugier, und zu Hause informierte ich mich dann darüber, welche Philosophie dahintersteckt. Und nach ein wenig Recherche war klar, dass ich Veganerin werden würde.

Was fällt Ihnen am schwersten am Leben mit einer erhöhten Sensibilität dafür, wie die Menschheit mit der Natur und nichtmenschlichen Lebewesen umgeht?

Jeder Moment, in dem mir bewusst wird, was in diesem Augenblick in der Welt geschieht. Jede Sekunde. Und auch das Bewusstsein, dass meine Vorstellung von einer ethischen und gerechten Welt eine Utopie ist.

Glauben Sie, dass wir jemals ein Ende des Leidens der Tiere und der Zerstörung der Natur erleben werden? Und was würde Ihrer Meinung nach am meisten zu einer solchen Wende beitragen?

Ich glaube, die Menschheit ist noch so weit davon entfernt, dass es schwer zu sagen ist, ob wir es noch schaffen werden, oder ob uns vorher etwas (etwa die Klimakrise) einholen wird. Wenn ich ehrlich sein soll, neige ich in den letzten Jahren eher zur zweiten Variante. Aber wie man so schön sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

Perspectives_Logo Die Veröffentlichung dieses Artikels ist Teil von PERSPECTIVES – dem neuen Label für unabhängigen, konstruktiven, multiperspektivischen Journalismus. JÁDU setzt dieses von der EU co-finanzierte Projekt mit sechs weiteren Redaktionen aus Mittelosteuropa unter Federführung des Goethe-Instituts um. >>> Mehr über PERSPECTIVES

 

Das könnte auch von Interesse sein

Empfehlungen der Redaktion

Meistgelesen