Verzicht auf Fleisch | Tereza Vandrovcová  „Schlachthöfe werden zu Museen der Unterdrückung“

Tereza Vandrovcová
Tereza Vandrovcová Foto: © privat

Was bringt einen Menschen dazu, auf Fleisch zu verzichten? Und wie lebt man mit dem Wissen, dass Tiere auf der ganzen Welt leiden, während der Großteil der Gesellschaft ihr Leiden nicht wahrnimmt? Der Weg zum Verzicht auf Fleisch kann vielfältig sein. Was hat die Sozialpsychologin Tereza Vandrovcová zum Veganismus geführt, und was bedeutet es für sie, in einer Welt zu leben, in der das Leiden von Tieren nach wie vor ein alltäglicher Bestandteil des Lebens ist?

Tereza Vandrovcová

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Psychologie an der University of New York in Prague

Erinnern Sie sich an einen bestimmten Moment oder einen Auslöser, als Sie sich gesagt haben, dass Sie kein Tierfleisch oder andere tierische „Produkte“ mehr essen wollen?

Als ich etwa achtzehn war, stieß ich ganz zufällig auf das Buch Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere von Peter Singer und sah auch einige Aufnahmen aus Schlachthöfen. Zur gleichen Zeit lief in Prag die Plakatkampagne „Wir haben die Wahl, kein Fleisch zu essen, wir haben die Wahl, leben zu lassen“, und der letzte Auslöser war, dass mir zur gleichen Zeit mein Hund starb, der mich meine ganze Kindheit über begleitet hatte. Plötzlich fügte sich alles zusammen, und ich dachte mir: Hier weine ich um ein einziges Tier, während dort in den Massentierhaltungsbetrieben Tausende einen gewaltsamen Tod sterben und niemand darüber nachdenkt.

Was fällt Ihnen am schwersten am Leben mit einer erhöhten Sensibilität dafür, wie die Menschheit mit der Natur und nichtmenschlichen Lebewesen umgeht?

Am schwersten fällt es mir, die alltägliche Normalisierung von Gewalt zu ertragen – dass unsere Gesellschaft etwas so Abscheuliches als selbstverständlich hinnimmt. Es hilft mir, mir vor Augen zu halten, dass die meisten Menschen dies nicht deshalb als unproblematisch empfinden, weil ihnen das Einfühlungsvermögen fehlt, sondern weil sie in einer von der karnistischen Ideologie geprägten Kultur aufwachsen und weil psychologische Phänomene wie kognitive Dissonanz oder Dissoziation sie daran hindern, dies zu durchschauen und etwas daran zu ändern.

Glauben Sie, dass wir jemals ein Ende des Leidens der Tiere und der Zerstörung der Natur erleben werden? Und was würde Ihrer Meinung nach am meisten zu einer solchen Wende beitragen?

Ich bin etwas skeptisch, wie die Menschheit mit den aktuellen Bedrohungen wie der Klimakrise, der allgemeinen künstlichen Intelligenz oder der Faschisierung der Gesellschaft umgehen wird, aber wenn wir überleben, bin ich überzeugt, dass wir erleben werden, wie die karnistische Ideologie, die gegenüber manchen Tieren sehr gewalttätig ist, nach und nach überwunden wird. Ich glaube, dass Gewalt gegen Tiere eines Tages als verwerflich angesehen wird und dass wir schließlich sogar die Schließung von Schlachthöfen erreichen werden. Ich stelle mir vor, dass diese zu Museen der Unterdrückung werden, ähnlich wie die ehemaligen Vernichtungslager.

Ich denke, dass eine Kombination aus kulturell-psychologischen und systemischen Veränderungen dem Wandel am meisten helfen würde: Mit kulturellem und psychologischem Wandel meine ich beispielsweise die Verbreitung von Erkenntnissen darüber, wie die karnistische Ideologie oder kognitive Dissonanz uns daran hindern, Mitgefühl für bestimmte Tiere zu empfinden, sowie die Suche nach sicheren Wegen, diese Barrieren zu überwinden, beispielsweise durch Begegnungen mit den betreffenden Tieren im Rahmen von Gnadenhöfen, wo diese Lebewesen wieder als Individuen wahrgenommen werden und nicht als anonyme Fleischpakete. Sicherlich wäre auch eine bessere Aufklärung über Ernährung von Vorteil, insbesondere darüber, wie man einen vollwertigen pflanzlichen Speiseplan zusammenstellt.

Systemische Veränderungen können sich beispielsweise auf Subventionen beziehen (Umschichtung von der tierischen hin zur pflanzlichen Produktion, damit eine mitfühlendere Entscheidung kein Luxus ist, sondern als wünschenswert wahrgenommen wird), auf Steuern (niedrigere Steuern für pflanzliche Produkte), Terminologie (damit es legal ist, pflanzliche Würstchen als pflanzliche Würstchen zu bezeichnen), die Verfügbarkeit pflanzlicher Alternativen (in Schulkantinen, Einrichtungen und Geschäften), Transparenz und Kontrolle (Kameras in Schlachthöfen) oder Tierschutz (ein Tierschutzgesetz, das alle Tiere vor Schmerzen und Leiden schützt, unabhängig davon, wie nützlich sie für den Menschen sind, da es heute eine Reihe von Ausnahmen gibt, bei denen etwas als Misshandlung gilt, es aber im Rahmen der tierischen Produktion erlaubt ist, Tieren dieses Leid zuzufügen).

 

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