Atemtherapie Wie atmet man richtig?

Martina Penxová Foto: © privat

Nach der Geburt bekommen wir als erstes einen Klaps auf den Hintern, damit wir einatmen. Der erste Atemzug zeigt unsere Unabhängigkeit, er ist der wichtigste und mächtigste Atemzug unseres Lebens. Er hat fast viermal so viel Kraft wie jeder weitere Atemzug.

Es ist die natürlichste Sache der Welt. Wir tun es unser ganzes Leben lang spontan, automatisch. Und wenn nicht? Das wäre schlecht und Ärzte würden Alarm schlagen, weil unser Leben auf dem Spiel steht. Je mehr wir wachsen und altern, desto mehr „pfeifen“ wir auf unsere Atmung.
 
Wir halten sie für absolut selbstverständlich. Unsere Aufmerksamkeit ist nach außen gerichtet. Je mehr Verantwortlichkeiten oder Wünsche wir haben, desto weniger nehmen wir die Grundbedürfnisse unseres Körpers wahr. Oft unterdrücken wir diese sogar bewusst. Dabei ist bekannt, dass wir mit zunehmendem Alter weniger Kollagen und Kalzium haben, sich die Zusammensetzung der Hormone verändert, die Funktionalität des Körpers ebenso, und die Elastizität der Organe abnimmt. Umso notwendiger ist es, bewusst an der Erhaltung unserer Gesundheit zu arbeiten.

Wegen meiner Allergien und meines Asthmas konnte ich vor allem im Sommer nicht atmen; ich musste ständig niesen und meine Augen waren geschwollen, rot und juckten. Das machte mich nervös und unausstehlich.“

Darauf, welch ernsthaftes Problem ungesundes Atmen für uns Menschen ist, weist Martina Penxová schon seit einigen Jahren hin. Die Wichtigkeit des Atems und der richtigen Atmung wurde ihr durch ihre Allergien und Asthma bewusst. „Im Alter von sieben Jahren landete ich mit meinem ersten Asthmaanfall im Krankenhaus. Ich erinnere mich noch an den bestürzten Blick meines Vaters. Er hatte mich bewusstlos gefunden und versucht, mein Leben zu retten“, erinnert sie sich.
 
Aber die Krankheit schränkte sie auch nach ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus stark ein. Seit sie ein kleines Mädchen war, hatte die gesungen und getanzt, doch nun konnte sie ihre Hobbys nur mit Mühe wieder aufnehmen. „Ich konnte nicht einmal Fahrrad fahren, rennen, auf Schulausflüge gehen oder ins Schullandheim mitfahren. Es war eine einsame Zeit – ohne meine Familie, die ihre Sommertage mit Arbeit im Garten verbrachte. Wegen meiner Allergien und meines Asthmas konnte ich vor allem im Sommer nicht atmen; ich musste ständig niesen und meine Augen waren geschwollen, rot und juckten. Das machte mich nervös und unausstehlich“, sagt sie und beschreibt damit nicht nur ihr eigenes Leiden, sondern auch das tausender Kinder, die die gleichen Symptome haben.

Am eigenen Leib

Die Besserung kam schrittweise. Schon als Jugendliche stellte Martina fest, dass sich ihre verengten Bronchien allmählich entspannten, wenn sie die Atmung verlangsamte. Sie begann, genau auf ihre Atmung zu achten. „Ich habe mir verschiedene Spiele ausgedacht, die mir halfen, zu einer gesunderen Atmung zu kommen – zum Beispiel habe ich beim Singen das Ausatmen verlängert. Nach und nach entwickelte ich eigene Atemtechniken, die ich als regelmäßige Übung in meinen Alltag integrierte.“

Wenn wir schlecht atmen, verkürzen wir buchstäblich unser Leben.

Mit 19 Jahren hörte Martina allmählich auf, Medikamente zu nehmen. Sie begann, mehr Wasser zu trinken, mehr Sport zu treiben, zu meditieren sowie zu lesen und sich weiterzubilden. Ohne fleißiges Studium wäre ihr das nicht gelungen, betont sie. „Die ersten Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten – ich schaffte eine Radtour, konnte schwimmen gehen oder eine einstündige Tanzaufführung mitmachen, und zwar ohne Medikamente“. Später kam sie auch zum Yoga.
 
Als gute Patientin ging sie trotzdem weiterhin zu den medizinischen Untersuchungen. Aber das Ergebnis der Spirometrie schockierte sogar den Arzt. „Er konnte nicht verstehen, dass ich solche Werte nur durch die regelmäßige Anwendung von Atemtechniken verschiedenster Art erreicht hatte. Die Untersuchung bestätigte auch eine Zunahme meines Lungenvolumens auf acht Liter, während die durchschnittliche Lungenkapazität vier bis sechs Liter beträgt.“ So hatte Martina es nun schwarz auf weiß, welche Veränderungen im Leben man alleine durch die Arbeit mit dem eigenen Atem erreichen kann. Viele Ärzte behaupten, Asthma bronchiale sei unheilbar, aber Martina betont, dass richtig eingeübte Atemtechniken nicht nur bei der Behandlung von Asthma äußerst hilfreich sein können.

Professionelle Atemtherapeutin

Heute beschäftigt sich Martina Penxová beruflich mit der Atmung. Sie lehrt in verschiedenen Kursen und Seminaren richtiges Atmen. Außerdem arbeitet sie mit mehreren medizinischen Zentren zusammen, wo sie mit ärztlicher Unterstützung Patienten mit verschiedenen Diagnosen hilft. Besonders während der Covid-19-Pandemie ist notwendig, da die Krankheit hauptsächlich die Atemwege betrifft.
 
Wenn wir schlecht atmen, verkürzen wir buchstäblich unser Leben. Die Atmung ist die absolute Grundlage unseres Lebens und beeinflusst jede einzelne Zelle im Körper. Ohne Essen und Wasser können wir zumindest einige Tage überleben. Ohne Atmen? Ein paar Minuten. „Die Atmung beeinflusst die Funktion sämtlicher Organe, Muskeln und Knochen. Sie beeinflusst den Energie-, Blut- oder Lymphfluss“, erklärt Martina. „Wie mehrere medizinische Studien gezeigt haben, führt falsches Atmen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzklopfen, Depressionen, Angstzuständen, Tetanie, verlangsamtem Stoffwechsel und Problemen mit dem Lymphsystem.“

Durch flache oder hyperventilierende Atmung erzeugen wir eine Art Druckkessel in uns, an dem wir schließlich ersticken oder der in Form von Krankheit explodiert.“

 

Gemeinsam mit Ärzten kam Martina zu dem Schluss, dass mehr als 90 Prozent der Menschen flach atmen. Darüber hinaus atmet mehr als die Hälfte der Menschen bei sportlichen Aktivitäten nicht richtig, was wiederum zu Energiemangel, Muskelverspannungen und häufigeren Verletzungen führt.

Martina erklärt, dass unsere Atmung von all unseren Erlebnissen beeinflusst wird. Druck auf der Arbeit, dysfunktionale Beziehungen, Ärger oder Frustration verursachen eine flache Atmung. Umgekehrt entspannt sich unsere Atmung und wird ganz automatisch länger, wenn wir etwas tun, das uns erfüllt: Einen schönen Film ansehen oder angenehme Musik hören.
 
„Menschen, die dauernd unter Stress stehen, haben eine flach und schnelle Atmung, sie atmen viel kürzer aus als ein. Das heißt, sie hyperventilieren sozusagen. Auf Dauer ist das sehr gefährlich für unsere Organe. Es ist wichtig, daran zu denken, dass Einatmen und Ausatmen gleichberechtigte Partner sind. Die Einatmung bringt Energie, Nahrung in Form von Sauerstoff in den Körper, und die Ausatmung entfernt nicht nur Kohlendioxid, sondern auch mehr als 70 Prozent der Giftstoffe, einschließlich emotionaler Gifte. Durch flache oder hyperventilierende Atmung erzeugen wir eine Art Druckkessel in uns, an dem wir schließlich ersticken oder der in Form von Krankheit explodiert.“

In den Brustkorb

Die falsche Atmung ist uns jedoch nicht angeboren. In der Tat atmen Kinder von Natur aus richtig. Erst allmählich, durch verschiedene schlechte Angewohnheiten, verlernen wir selbst das simple Ein- und Ausatmen. Veränderungen in unserer Atmung sind aber auch entwicklungsbedingt. Unsere menschlichen Vorfahren hatten eine viel bessere Atmung. Veränderungen in der Ernährung, der Körperhaltung, Lebensstereotypen, die Mode der Korsetts, Rüstungen oder einschnürende Gürtel, all das hat unsere Atmung über Generationen hinweg verändert.
 
Die meisten Menschen atmen heute schnell und in den Bauch. „Das ist wiederum falsch und unnatürlich für unseren Organismus“, sagt Martina und fügt in einem Atemzug hinzu, dass die richtige Atmung, laienhaft ausgedrückt, in die Breite der Rippen, also in den gesamten Brustkorb hineingeht. „Das ist jedoch nur die Grundatmung, um aber unsere Lebensqualität deutlich zu verbessern und zum Beispiel die erwähnten chronischen Krankheiten loszuwerden, muss man lernen, wie man mit dem Atem arbeitet. Lernen, gesund zu atmen – sanft zu atmen, tief genug in der Ein- und Ausatmung, durch die Nase zu atmen und dabei die richtige Atemmuskulatur einzusetzen.“
 
Aus psychosomatischer Sicht ist die Lunge das Organ des Mutes, Vertrauens und des Selbstwertgefühls. Erlauben wir uns ein Ausatmen in unserem Lebenstempo! Martina Penxová, Therapeutin für gesundes Atmen, fragt: „Wie wäre es, wenn Sie damit begännen, Ihr Leben zu verändern, indem Sie sich bewusst machen, was für ein Geschenk jedes leichte, sanfte und ausreichend tiefe Ein- und Ausatmen in sich birgt und Sie innerhalb weniger Sekunden Freude und Frieden in sich hineinströmen ließen?“

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