Latitude

Mit dem Online-Magazin „Latitude“ lädt das Goethe-Institut zum globalen Austausch über koloniale Machtverhältnisse, deren Folgen und Überwindung ein. In Interviews, Essays und zahlreichen anderen Formaten werden Themen wie Dekolonisierung, die Bewahrung indigener Kulturen, die Rolle von Museen, Restitution und der Umgang mit dem Kulturerbe verhandelt.

Der globale Austausch zu postkolonialen Themen ist unerlässlich für die Aufarbeitung kolonialer Machtverhältnisse, die kritische Auseinandersetzung mit der postkolonialen Weltordnung sowie deren Folgen für die Arbeit von Archiven und Museen. Der Diskurs beleuchtet nicht nur die Beziehungen zwischen den ehemaligen kolonisierenden und den kolonisierten Ländern, sondern es geht vielmehr darum, die Privilegien aus kolonialen Verhältnissen zu erkennen, zu hinterfragen und zu überwinden. Mit Latitude lässt das Goethe-Institut Protagonist*innen und Akteur*innen aus unterschiedlichen Ländern zu Wort kommen, um eine ebenso vielstimmige wie vielschichtige Geschichte zu erzählen.

Der Begriff „Latitude“


„Latitude“ verweist auf den kartografischen Begriff einer Demarkationslinie in Bezug auf den Äquator, der mit einer Unterscheidung zwischen den südlichen und nördlichen Breitengraden einhergeht. Der Begriff weist durch diese Trennung assoziativ auf die Ungleichheit hinsichtlich der Machtverhältnisse hin: das Aufzwingen der systematischen Macht vieler Länder des globalen Nordens über die Regionen aus dem Süden. Für ein positiveres Verständnis möchte das Online-Magazin den Begriff „Latitude“ in Zusammenhang mit dem Begriff der Freiheit verknüpfen, außerhalb der statischen Aufteilung in Norden und Süden. Ganz im Gegenteil sollen globaler und „freier“ Austausch gefördert werden, um eine gleichberechtigte Beziehung zwischen allen Akteur*innen zu ermöglichen. Das Online-Magazin Latitude ist ein solcher Raum für einen respektvollen Austausch – kulturell, politisch, wirtschaftlich und ästhetisch.

Auf Netzwerken aufbauen


Im September 2019 wurde das Online-Magazin gestartet und es bündelt in Zusammenarbeit mit Expert*innen aus Wissenschaft, Kultur und Kunst eine weitgefasste Auseinandersetzung mit dem Thema. Regelmäßig werden neue Schwerpunkte bezüglich der Diskurse gesetzt. Schriftsteller*innen wie Cidinha da Silva aus Brasilien und Philipp Khabo Koepsell aus Deutschland etwa haben Essays über „Schwarze Literatur“ und ihre Positionierung im globalen Literaturbetrieb geschrieben. Die ständig wachsende Zahl der Stimmen auf Latitude erschließt sich über einen Expert*innen-Index, der die Beteiligten sichtbar macht und eine Vernetzung untereinander ermöglicht. Darüber hinaus fließen Ideen und Erkenntnisse aus vielen Projekten des Goethe-Instituts zu Dekolonisierung und postkolonialen Machtverhältnissen in die Erzählungen des Magazins ein.

Multiperspektivische Diskurse


Die Themen auf Latitude reichen von der Rückgabe illegal erworbener Kunstobjekte an die Herkunftsgesellschaften und der Dekolonisierung von Museen bis hin zur Neudefinition von Machtverhältnissen zwischen dem Westen und dem globalen Süden und der Neuausrichtung postkolonialer Entwicklungszusammenarbeit. Beispielsweise wird der Umgang mit umstrittenen Kunstobjekten aus ehemaligen Kolonien aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, von Expert*innen, die bedingungslose Rückführungen fordern, ebenso wie von Befürworter*innen eines breiteren Spektrums von alternativen Ansätzen für die Zusammenarbeit zwischen den ehemaligen Kolonien und Kolonialmächten. Diese Debatten sind notwendig – im Sinne einer entkolonialisierten und antirassistischen Welt.

 
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