Block 2

Beginne mit den Grundlagen!

In diesem Block beginnen wir mit den Grundlagen der Funktionsweise von KI, damit du verstehen kannst, wie diese Systeme ticken, und fundierte Entscheidungen über ihre Nutzung treffen kannst.

Abstract network graphic with a central circle labeled ‘AI,’ connected by lines to multiple small nodes in purple and red tones on a light pink background, suggesting interconnected systems or data relationships. © Sandra Kastl

Zu Beginn unserer Reise starten wir mit den Grundlagen. Dieses Kapitel vermittelt dir ein grundlegendes Verständnis dafür, wie KI-Anwendungen Daten verarbeiten, und erklärt, wie Bibliothekar*innen einen ethischen Umgang mit KI finden, Risiken managen und gleichzeitig verlässliche Vermittler*innen von Wissen bleiben können.
 

WAS IST KÜNSTLICHE INTELLIGENZ?

Wenn du in einer Bibliothek arbeitest, bewegst du dich wahrscheinlich schon an der Schnittstelle von Information, Technologie und Menschen. KI wird zunehmend Teil dieser Umgebung. Im Kern bezeichnet KI computergestützte Systeme, die große Mengen an Informationen verarbeiten, Muster erkennen und Ergebnisse erzeugen können – von der Beantwortung von Fragen über das Zusammenfassen von Dokumenten bis hin zur Organisation und Beschreibung von Inhalten. Im Gegensatz zu klassischen Suchwerkzeugen, die lediglich vorhandene Inhalte abrufen, können KI-Systeme Informationen interpretieren, zusammenführen und neue Inhalte erzeugen. Das macht sie mächtig, aber auch zu etwas, das man kritisch hinterfragen sollte. Für dich als Bibliothekar*in ist weniger entscheidend, wie KI „unter der Motorhaube“ funktioniert, sondern was sie mit Informationen macht, wem sie nützlich ist und wo ihre Grenzen liegen. Der gleiche kritische Blick, den du auf Quellen, Metadaten, Datenschutz und Zugang anwendest, bildet auch im Umgang mit KI die Basis.
 

KI IN DER PRAXIS: WAS DU SCHON GESEHEN HAST – UND WAS NOCH KOMMT

Du bist KI wahrscheinlich bereits häufiger begegnet, als dir bewusst ist. Zum Beispiel durch den Chatbot auf einer Bibliothekswebsite, ein Empfehlungssystem, das „ähnliche Titel“ vorschlägt, oder ein Übersetzungstool, das Nutzer*innen dabei hilft, sich im Katalog zurechtzufinden. All das ist KI im Einsatz. Auch außerhalb von Bibliotheken wird KI eingesetzt, etwa bei medizinischer Diagnostik, in der Moderation von Inhalten, bei Einstellungsprozessen oder in der Stadtplanung. Diese Vielfalt zeigt, dass KI kein Zukunftskonzept ist, sondern ein bereits jetzt wirksamer Faktor in den Informationsumgebungen, in denen du und deine Nutzer*innen euch täglich bewegt.
 

NOTWENDIGE VORAUSSETZUNGEN FÜR KI-SYSTEME

KI-Systeme entstehen nicht aus dem Nichts. Sie benötigen ein klar definiertes Problem, große Mengen hochwertiger Daten, technische Infrastruktur und vor allem menschliche Expertise. Ebenso wichtig ist Governance: Jemand muss Verantwortlichkeiten festlegen, Entscheidungen dokumentieren und sicherstellen, dass Systeme langfristig ethisch und rechtlich funktionieren. Wenn du als Bibliothekar*in ein KI-Tool bewertest oder einführst, sind genau das die Fragen, die du dir stellen solltest.
 

WARUM KI-KOMPETENZ WICHTIG IST

KI-Kompetenz bedeutet zu verstehen, was KI-Systeme leisten, was sie nicht leisten können und wo es zu Fehlern kommen kann. Für Bibliothekar*innen sind all das keine optionalen Zusatzqualifikationen, denn sie unterstützen Menschen bereits dabei, Informationen kritisch zu bewerten. KI-Ergebnisse – egal ob aus einem Chatbot, einer Übersetzung oder einer automatisch erstellten Zusammenfassung – sind ebenfalls Informationen, die mit denselben Risiken wie Bias, Fehlerhaftigkeit und Manipulation behaftet sein können. Die Förderung von KI-Kompetenzen ist daher eine direkte Erweiterung deiner bestehenden Arbeit im Bereich Informations- und Medienkompetenz.
 

RISIKEN IM ZUSAMMENHANG MIT KI

  • Bias und Diskriminierung infolge unausgewogener Datensets oder fehlerhafter Interpretationen.
  • Mangelnde Transparenz und Nachvollziehbarkeit, die es schwierig machen, KI-gestützte Entscheidungen zu verstehen oder anzufechten
  • Verletzungen von Privatsphäre und Datenschutz, insbesondere beim Umgang mit sensiblen oder personenbezogenen Daten.
  • Übermäßige Abhängigkeit von automatisierten Systemen, was zu vermindertem menschlichem Urteilsvermögen und weniger Verantwortungsbewusstsein führen kann.
  • Sicherheits- und Missbrauchsrisiken, etwa durch Manipulation, Überwachung oder böswillige Anwendungen.
  • Soziale und ökologische Auswirkungen, darunter Verlust von Arbeitsplätzen, soziale Ungleichheit und hoher Energieverbrauch.
Mehr zu informationsbezogenen Risiken findest du in BLOCK #9.
 

WIE KI DEN KULTURSEKTOR VERÄNDERT

KI verändert zunehmend den Kultursektor, und Bibliotheken befinden sich dabei an einem neuralgischen Punkt zwischen Chancen und Verantwortung. Traditionell erfüllen Bibliotheken die Aufgabe, den Zugang zu Wissen sicherzustellen, kulturelles Erbe zu bewahren und Bildung sowie Forschung zu unterstützen. KI-Technologien beeinflussen nun, wie diese Aufgaben umgesetzt werden. Gleichzeitig müssen sich Bibliotheken mit Fragen von Governance und Vertrauen befassen. Als öffentliche Institutionen sind sie dazu verpflichtet, offenzulegen, wie KI-Tools ausgewählt und eingesetzt werden, die Privatsphäre ihrer Nutzer*innen zu schützen und menschliche Aufsicht über Entscheidungsprozessen sicherzustellen. Die Rolle von Bibliothekar*innen verändert sich somit von der reinen Bestandsverwaltung hin zur kritischen Vermittlung von Wissen über KI-Systeme, zur Förderung von KI-Kompetenz bei Nutzer*innen und zur aktiven Mitgestaltung eines ethischen Technologieeinsatzes im Kultursektor.

Insgesamt erzeugt KI sowohl technologische als auch gesellschaftliche Veränderungen von Bibliotheken. Das Ausmaß des Einflusses hängt dabei nicht nur von den eingesetzten Werkzeugen ab, sondern vor allem von den Werten, Richtlinien und professionellen Praktiken, die ihre Nutzung bestimmen. Wenn diese im Einklang mit den Grundprinzipien von Bibliotheken stehen – darunter allgemeine Zugänglichkeit, Gleichberechtigung, Vielfalt und öffentliches Vertrauen –, kann KI den Kultursektor unterstützen und gleichzeitig die Rolle von Bibliotheken als Hüterinnen von Wissen im digitalen Zeitalter stärken.