Block 8

Sei auf Veränderungen vorbereitet!

In diesem Block stellen wir dir ein einfaches Rahmenkonzept für den Umgang mit Veränderungen rund um KI vor, das du auf deine eigene Bibliothek übertragen kannst.

Abstract illustration of two overlapping right‑pointing arrow shapes in green with a curved dark green stroke forming a question‑mark‑like shape ending in a dot, set on a light neutral background, suggesting uncertainty or rethinking direction. © Sandra Kastl

Wenn es ein Wort gibt, das im Zusammenhang mit KI besonders häufig fällt, dann ist es „Veränderung“. Diese neue Technologie hat die Art und Weise verändert, wie wir arbeiten, denken, Informationen finden und verarbeiten. Gleichzeitig bietet sie Bibliothekar*innen die Chance, die Bedeutung von Quellen und die Überprüfung von Informationen noch stärker hervorzuheben. Auch wenn wir bereits verschiedene Rollen beschrieben haben, die du als Bibliothekar*in im Umgang mit KI einnehmen kannst, möchten wir eine weitere hinzufügen: die Rolle als „Change-Manager*in“.
 

CHANGE MANAGEMENT NEU DENKEN: MENSCHEN, NICHT TECHNOLOGIE

Auch wenn Veränderungen in der Bibliothek oft durch neue Technologien, Services oder Prozesse sichtbar werden, sollte Change Management in Bibliotheken vor allem als Arbeit mit Menschen verstanden werden – mit Vertrauen, Kommunikation und einem klaren Zweck. KI kann dabei als nächste große Veränderung betrachtet werden, und es ist vollkommen verständlich, dass dies zunächst Unsicherheiten auslöst, gerade aufgrund der Neuheit. In diesem Block möchten wir dabei helfen, diese Unsicherheiten zu reduzieren und dir Ansätze an die Hand geben, wie du mit Veränderungen im Kontext von KI umgehen kannst. An dieser Stelle versuchen wir als LIBRA.I.-Team auch, unsere eigene Vision zukünftiger Bibliotheken im Zusammenhang mit der Entwicklung von KI-Kompetenz in unserem Arbeitsfeld zusammenzufassen.

Bibliothekar*innen können sich auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer*innen einstellen, doch gleichzeitig haben sie selbst häufig Ängste im Hinblick auf die Auswirkungen von KI. Diese betreffen unter anderem berufliche Identität, ethische Fragen, Qualität, Verantwortung und Entscheidungsprozesse. Als Bibliothekar*in trägst du Verantwortung und musst mögliche Konsequenzen bedenken. Zugleich erwarten Nutzer*innen Orientierung, und auch Kolleg*innen erwarten von der Bibliotheksleitung eine klar vorgegebene Richtung.

Eine hilfreiche Strategie im Umgang mit diesen Ängsten besteht darin, mit Fakten und konkreten Beispielen zu arbeiten. KI sollte dabei als unterstützendes Werkzeug verstanden werden – nicht als Ersatz für menschliche Kompetenzen. Unsere Erfahrungen aus den Bootcamps (BLOCK #4) zeigen, dass Ängste deutlich abnehmen, sobald klar wird, was KI-Systeme sind, wie sie funktionieren und wo ihre Grenzen liegen. In diesem Moment verschiebt sich die Perspektive hin zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten im eigenen Arbeitsalltag.
 

GOVERNANCE-ANSÄTZE FÜR BIBLIOTHEKAR*INNEN UND NUTZER*INNEN

Gute Governance bedeutet für Bibliothekar*innen, Veränderungen schrittweise und bewusst zu gestalten. Sie sollte reflektierend wirken, Mitarbeitende schützen und den Aufbau von Kompetenzen sowie ein Bewusstsein für ethische Fragen fördern. Für Nutzer*innen hingegen sollte Governance offen, praxisnah und vertrauensbildend sein. Daraus ergibt sich ein zweistufiger Ansatz für den Aufbau von KI-Kompetenzen in Bibliotheken: eine Ebene für Bibliothekar*innen mit Fokus auf Fähigkeiten, Ethik und Verantwortung sowie eine Ebene für Nutzer*innen mit Fokus auf Sicherheit im Umgang und Urteilsfähigkeit.
 

ZWEI ZIELGRUPPEN, ZWEI UNTERSCHIEDLICHE AUSGANGSPUNKTE

Beim Umgang mit Veränderungen ist es wichtig zu beachten, dass Bibliothekar*innen und Nutzer*innen sich in sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen befinden. Bibliothekar*innen tragen institutionelle Verantwortung und denken stärker über langfristige Auswirkungen, ethische Fragen und Qualitätsstandards nach. Nutzer*innen hingegen haben stark variierende Einstellungen zu KI. Sie sind häufig auf der Suche nach schnellen Lösungen und praktischer Unterstützung, anstatt sich mit theoretischen Grundlagen zu beschäftigen. Sie können KI übermäßig vertrauen oder ihr misstrauen – ohne dabei die gleiche Verantwortung zu tragen.
 
BIBLIOTHEKAR*INNEN NUTZER*INNEN
  • tragen Verantwortung und müssen die Konsequenzen ihres Handelns mitbedenken;
  • haben stark variierende Einstellungen gegenüber KI;
  • ihre berufliche Identität kann infrage gestellt werden;
  • suchen schnelle Hilfe und einfache Lösungen, nicht theoretische Einordnungen;
  • sorgen sich um ethische Aspekte, Qualität, Verantwortung und Rechenschaftspflicht;
  • können KI entweder zu sehr vertrauen oder ihr stark misstrauen;
  • Nutzer*innen erwarten von ihnen Orientierung und Anleitung;
  • tragen keine institutionelle Verantwortung.
  • Mitarbeitende erwarten von der Leitung klare Richtung und Unterstützung.
 

EBENE 1: CHANGE MANAGEMENT FÜR BIBLIOTHEKAR*INNEN
(KOMPETENZAUFBAU + ETHIK + VERANTWORTUNG)

1. Beginne mit psychologischer Sicherheit: Ängste nehmen ab, wenn Erprobung in einem sicheren Rahmen möglich ist.

  • Unsicherheiten und Vorbehalte sollten offen angesprochen werden
  • Es ist wichtig, experimentelle Nutzung klar von Leistungsbewertung zu trennen und geschützte Räume zu schaffen, in denen KI ohne Bewertungsdruck ausprobiert werden kann.

2. Kläre den Zweck der Technologie: Ein klarer Nutzen reduziert Widerstände. Bevor ein Tool eingeführt wird, sollte geklärt werden…

  • welches Problem gelöst werden soll;
  • wie sich die Servicequalität verbessert;
  • an welchen Stellen menschliche Entscheidungskompetenz unverzichtbar bleibt.

3. Baue Kompetenzen durch kleine Experimente auf: Verständnis reduziert Angst. Beginne mit niedrigschwelligen Anwendungsfällen wie:

  • Verfassen von Texten;
  • Zusammenfassen von Dokumenten;
  • Übersetzungen;
  • Entwicklung von Ideen für Workshops.

Nach jeder Anwendung sollte reflektiert werden:

  • was gut funktioniert hat;
  • wo menschliche Überprüfung notwendig ist;
  • welche Risiken bestehen.

4. Verankere Ethik in der Praxis. Anstelle abstrakter Debatten bieten sich konkrete Fragen an:

  • Wer trägt Verantwortung für dieses Ergebnis?
  • Würden wir es ohne Überprüfung veröffentlichen?
  • Welcher Bias könnte auftreten?
  • Welche Auswirkungen hat das Ergebnis auf besonders vulnerable Gruppen?


5. Arbeite in Phasen:

Exploration → Reflexion → Pilot → Governance

Governance sollte Mitarbeitende schützen und Verantwortlichkeiten klären, ohne Experimente frühzeitig zu begrenzen.

EBENE 2: CHANGE MANAGEMENT FÜR NUTZER*INNEN

(SICHERHEIT + URTEILSVERMÖGEN)

Nutzer*innen befinden sich in einer anderen Ausgangssituation:

  • Sie suchen oft nach schnellen Lösungen;
  • Sie haben stark variierende Einstellungen gegenüber KI;
  • Sie tragen keine institutionelle Verantwortung.

Der Fokus sollte daher liegen auf

  • praktischen Demonstrationen;
  • klaren Erklärungen von Stärken und Grenzen;
  • der Vermittlung von Kompetenzen zur Überprüfung von Informationen und kritischem Denken.

Governance im Umgang mit Nutzer*innen sollte offen, verständlich und vertrauensbildend sein.

DENKE DARAN: VERÄNDERUNG PASSIERT NICHT ÜBER NACHT. KLEINE, SICHERE EXPERIMENTE KÖNNEN JEDOCH VERTRAUEN IM GESAMTEN TEAM AUFBAUEN.