Block 4

Nutze unsere Erfahrungen für deine Aktivitäten!

In diesem Block teilen wir Ansätze, die sich in unseren LIBRA.I.-Trainings bewährt haben, und zeigen dir, wie du diese Ideen für deine eigenen Aktivitäten nutzen kannst.

“Abstract illustration showing a document with text lines, a pointing hand, and a small connected node diagram in teal and blue tones on a light gray background, suggesting interaction between written content and structured data or technology. © Sandra Kastl

Wenn es um die Vermittlung von Kompetenzen geht, wird von Bibliothekar*innen häufig erwartet, die Rolle einer Lehrperson einzunehmen, Vorträge zu halten und direkt mit Nutzer*innen zu arbeiten. Das kann eine Herausforderung sein. Um dir den Einstieg etwas zu erleichtern, haben wir diesen Block zusammengestellt.

Das LIBRA.I.-Projekt begann mit drei Präsenztrainings für Bibliotheksfachpersonal in Lettland, Polen und Belgien, die wir liebevoll „Bootcamps“ genannt haben. In diesem Kapitel findest du zentrale Erkenntnisse aus unseren Workshops in Riga, Brüssel und Łódź. Sie sollen dir dabei helfen, Teilnehmende aktiv einzubeziehen und gleichzeitig selbst den Überblick zu behalten. Denn eine wirklich gute Aktivität wirkt oft noch lange über den eigentlichen Termin hinaus nach.

ZWEI ANSÄTZE

In BLOCK #3 haben wir darüber gesprochen, wie wichtig es ist, die eigene Zielgruppe zu kennen. Darauf aufbauend stellt sich die Frage, wie du Teilnehmende für deine Aktivitäten gewinnst. Auf Basis unserer Erfahrungen empfehlen wir einen von zwei unterschiedlichen Ansätzen.

Die erste Möglichkeit besteht darin, mit Personen zu arbeiten, die du bereits kennst. Das schafft ein vertrautes Umfeld, in dem sich auch komplexere KI-Tools gut erproben lassen. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass neue Perspektiven ausbleiben und die Ergebnisse vorhersehbar sind.

Dadurch entstehen oft vielfältigere und überraschendere Interaktionen, die neue Anwendungsfälle sichtbar machen können. Allerdings lässt sich hier schwerer einschätzen, ob die vermittelten Inhalte anschließend dauerhaft genutzt werden. Die zweite Möglichkeit ist, gezielt neue und bisher unbekannte Teilnehmende einzuladen.

Letztlich geht es darum, eine bewusste Entscheidung zwischen Verlässlichkeit und Offenheit für Neues zu treffen. Die zentrale Frage lautet: Wie stellst du dir den Verlauf deiner Aktivität vor – und welche Rolle möchtest du darin einnehmen?

RECHERCHE VOR DEM WORKSHOP

Vor unseren Trainings haben wir die Teilnehmenden zu ihrem Wissen über KI und ihren Erwartungen an die Workshops befragt. Die Ergebnisse haben unseren Referierenden dabei geholfen zu verstehen, was die Teilnehmenden tatsächlich lernen wollen (z.B. praktischer Umgang mit Tools, ethische Fragen, rechtliche Rahmenbedingungen oder Anwendungsmöglichkeiten im Arbeitsalltag). So konnten wir vermeiden, uns zu stark auf Themen zu konzentrieren, die für die Realität von Bibliotheksarbeit weniger relevant sind. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass viele Teilnehmende Unsicherheiten und Sorgen mitbringen, etwa in Bezug auf die Sicherheit von Arbeitsplätzen, Datenschutz oder die Zuverlässigkeit von KI-Systemen. Diese Rückmeldungen haben es uns ermöglicht, gezielt auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und Missverständnissen entgegenzuwirken.

Auch die Selbsteinschätzung der Teilnehmenden hinsichtlich ihrer Kenntnisse und ihres Vertrauens im Umgang mit KI erwies sich als hilfreicher Ausgangspunkt. Die gleiche Umfrage wurde nach dem Training erneut durchgeführt, um zu erfassen, inwieweit sich Wissen und Kompetenzen verändert haben. Ähnliche Umfragen können dir helfen, Lernfortschritte sichtbar zu machen und gleichzeitig ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse deiner Zielgruppe zu entwickeln (mehr dazu in BLOCK #3). Natürlich ist Selbsteinschätzung nicht immer vollständig objektiv, sie kann jedoch ein gutes Stimmungsbild liefern und zeigen, wie sicher sich die Teilnehmenden nach der Aktivität fühlen. Für eine vertiefte Auswertung kannst du ergänzend einen Wissenstest einsetzen, beispielsweise in Form eines Multiple-Choice-Fragebogens, der vor und nach dem Training ausgefüllt wird. Ein Beispiel hierfür findest du in den Printmaterialien dieser Methodik.

INHALT UND ABLAUF DER AKTIVITÄT

Nachdem diese grundlegenden Fragen geklärt sind, kannst du dich der konkreten Gestaltung deiner Aktivität widmen. Wichtig ist dabei zunächst die Atmosphäre: Wenn Teilnehmende früh ankommen, solltest du vermeiden, dass sie in unangenehmer Stille warten müssen. Musik – eventuell sogar KI-generiert – kann helfen, die Stimmung aufzulockern. Zu Beginn der Aktivität empfiehlt es sich, mit einer kurzen Einstiegsphase zu starten, etwa durch eine einfache Frage an alle, eine kleine Bewegungseinheit oder ein spielerisches Format.

Als durchführende Person bist du dafür verantwortlich, einen Lernraum zu gestalten, in dem sich alle wohlfühlen. Hilfreich ist es, Unterstützung durch weitere Personen einzuplanen. Diese sollten die Teilnehmenden begleiten, Fragen stellen und moderierend unterstützen, jedoch nicht die gesamte Kommunikation übernehmen. Besonders bei Gruppenarbeit ist es sinnvoll, diese Rollen im Vorfeld klar zu verteilen und die Gruppen bereits im Vorfeld zu strukturieren, damit sich alle schnell orientieren können. Wir empfehlen, den Raum möglichst inklusiv zu gestalten. Wenn alle – unabhängig von ihrer Rolle – gemeinsam an einem Tisch sitzen, entsteht eine offene Atmosphäre, die Zusammenarbeit erleichtert. In mehrsprachigen Gruppen kann es hilfreich sein, Diskussionen in den jeweiligen Muttersprachen zuzulassen, während für gemeinsame Austauschphasen eine gemeinsame Sprache genutzt wird.

Größere Diskussionen, etwa zur Rolle von KI in Bibliotheken, solltest du eher gegen Ende der Aktivität einplanen. So kannst du sicherstellen, dass ausreichend Zeit dafür zur Verfügung steht und die Diskussion flexibel an den zeitlichen Rahmen angepasst werden kann. Wenn am Ende noch Zeit bleibt, kannst du diese für eine kurze Reflexion oder ein Quiz nutzen, um das Gelernte gemeinsam festzuhalten.

WEITERE PRAKTISCHE HINWEISE

Auch auf organisatorischer Ebene gibt es einige Punkte zu beachten. Wenn du Beispiele von KI-Prompts präsentierst, solltest du große, gut lesbare Schrift verwenden oder gezielt in Inhalte hineinzoomen – etwa auf 200 % im Browser. Falls Inhalte für Personen im hinteren Bereich des Raums schwer erkennbar sind, ist es hilfreich, sie laut vorzulesen oder vorab auszudrucken und zu verteilen. Testen solltest du auch alle eingesetzten Medien, insbesondere Videos. Untertitel unterstützen nicht nur Menschen, deren Erstsprache nicht der gesprochenen Sprache entspricht, sondern erhöhen auch insgesamt die Aufmerksamkeit und Zugänglichkeit.

Nach der Veranstaltung lohnt es sich, den Kontakt mit den Teilnehmenden aufrecht zu erhalten, um herauszufinden, wie nachhaltig die Aktivität war. Dies kann über Umfragen geschehen, aber auch über kleine Aufgaben im Nachgang. Ein mögliches Format besteht darin, dass Teilnehmende selbst eine Aktivität planen und vorbereiten. Für unsere ersten Bootcamps in Riga haben wir beispielsweise genau das getan. Eine entsprechende Vorlage findest du in den Printmaterialien.

Wenn du dich fragst, wie es weitergehen kann, wirf einen Blick in BLOCK #6, in dem es um die Entwicklung eigener Unterrichtsformate geht, oder vertiefe das Thema Community Building im entsprechenden Bonuskapitel.