Ein Brite in Deutschland
„German is wie pudding“

Kneipenszene Foto (Detail): © Zach Kadolph/Unsplash

Als ich nach Deutschland zog, sagten mir alle, dass man eine Fremdsprache entweder auf der Straße lernt oder im Bett. Schon immer eher ein Stubenhocker, entschied ich mich für das Bett – und suchte mir eine deutsche Freundin.
Die perfekt Englisch sprach.
Das war ein Fehler. 

Adam Fletcher

Nach fünf Jahren in Berlin sprach ich ihre Muttersprache immer noch nicht. In unserer bescheidenen Zwei-Zimmer-Wohnung wurde eigentlich nur dann Deutsch gesprochen, wenn sie mit ihrer Schwester telefonierte. Manchmal hörte ich zu, zur Übung.
„Ich hab dich lieb“, sagte sie, als sie auflegte. I have love for you. Ich hatte den Ausdruck nie vorher gehört. Sie legte sich neben mich auf die Couch.
„Ich hab dich lieb?“ fragte ich.
Sie neigte den Kopf. „Ich dich auch.“
No, I mean… well.“ Ich machte eine Pause. „Yes, of course. But why did you say that to her?
Sie zuckte mit den Schultern. „Because I love her?
So then why not say ‚Ich liebe dich‘?“
You don’t say that to your sister.
When do you say ‚Ich liebe dich‘ then? Just to romantic partners?
Exactly. It’s for less lusty love. Is lusty a word?
It should be. English only has one word for love. You can’t say ‚I platonic love you‘.
Strange right? It has a dozen words for everything.
It does.“ Ich schaute sie an. „I lust you.
Sie lächelte. „Me too.
 
So then.“ Ich hatte noch nicht aufgegeben. „Können wir ein bisschen Deutsch sprechen?”
Auch das war ein Fehler. „Oh no.“ Sie wackelte mit dem Finger. „I didn’t get an English boyfriend to speak German.“ Sie zog das Wort in die Länge wie Kaugummi. „It’s clunky. And you suck at it. If you want to learn German, go to a Kneipe.“
Also ging ich in eine Kneipe. Aber in Neukölln.
Auch das – wieder ein Fehler.
 
„Ich hätte gerne ein großes Bier vom Fass, bitte“, sagte ich und hoffte, dass niemand bemerkte, wie sehr ich die deutsche Grammatik vernachlässigte. „Sorry?“ Der junge Barkeeper sah mich über seinem Schnurrbart fragend an: „I don’t speak German yet.
Ich seufzte und ließ mich auf einen Barhocker sinken. Zu meiner Linken saß ein älterer Herr mit graumeliertem Haar und ledriger Haut. Er trug eine ärmellose Jeansjacke mit einem Aufnäher der Band Scorpions.
„Hallo“, sagte ich. „Wie geht’s?“
Just speak English.“ Er schaute kaum von seinem Bier auf. „It is fine.
„Nein. Ich will ein bisschen Deutsch sprechen.“
Langsam drehte er sich auf seinem Hocker. „German is wie pudding.
What? I mean wie, I mean warum, no wait I think I mean wie … sind Deutsche wie Pudding?“
Well“, sagte er. „Do you like pudding?
„Ja. Nicht alle, aber, ja.“
But you wouldn’t want to eat pudding three times a day, right?
No.“ Ich meine, „Nein.“
Exactly“, sagte er, drehte sich wieder zurück und nahm einen langsamen Schluck von seinem Bier. „Exactly.

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