Witzige Schilder aus Indien
„Unwürdiger Ort der inneren Einkehr“

Schild mit der Aufschrift „Safety is pleasure“, Englisch für „Sicherheit macht Spaß“, Sangam, Arunachal Pradesh, Indien Foto (Detail): Frank Bienewald © picture alliance / imageBROKER

In Indien enthüllen wahnsinnig witzige Schilder die faszinierende Liebesbeziehung eines Volkes mit einer Fremdsprache.
 

Faizal Khan

Es gibt eine reizende Geschichte über das Erlernen der englischen Sprache. Generationen von College-Absolvent*innen in ganz Indien erzählen sie: Es geht um einen Bibliotheksassistenten. Er unterstützte junge Studierende, die aus dem indischen Hinterland neu an ein College in der Stadt kamen. Diesen jungen Menschen – sie hatten noch nie den Buchrücken eines englischen Romans gesehen – half er bei ihrem Einstieg in die neue Sprache. Er suchte für sie nach Büchern und Zeitschriften, mit denen sie neue englische Wörter lernen und vollständige Sätze bilden konnten. Obwohl viele dieser Studierenden von seiner Mildtätigkeit profitierten, sollten sie sich bald über ihn lustig machen. „Bibliothek ist nicht sprechen“, sagten sie und ahmten damit seine ermahnenden Worte bei Nichtbeachtung der Bibliotheksregeln zum ruhigen Arbeiten nach.
 
Diese Geschichte des freundlichen Bibliotheksmitarbeiters verdeutlicht den besonderen Status der englischen Sprache in Indien auf anschauliche Weise. Sie zeigt, wie Fehler den Menschen eines Landes, in dem hunderte von Sprachen gesprochen werden, dabei helfen, eine neue Sprache zu erlernen. Die große Mehrheit der Inder*innen besucht Schulen auf dem Land, wo alle Fächer, auch die englische Sprache, in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Außerdem gibt es noch die „angesehenen“ Klosterschulen und Colleges, die von britischen Missionaren während der Kolonialherrschaft gegründet wurden. Ein Großteil des Sprachunterrichts findet damit in einem Land statt, in dem Englisch eine der beiden Amtssprachen ist. Mit zweiundzwanzig weiteren wichtigen Geschäftssprachen, die von den 1,3 Milliarden Inder*innen gesprochen werden, entwickelt sich die Sprache häufig zu einer faszinierenden Mischung aus Worten und Klängen.
 
In einer derart komplexen Ausgangslage verdeutlichen Schilder an den Straßenrändern oder auf den Marktplätzen des Landes am allerbesten das besondere Verhältnis des indischen Staates zur englischen Sprache. Einige Geschäfte werben mit Spezialisten für „Änderungen an Damen und Herren“ („Alteration of Ladies and Gents“). Andere wollen mit verlockenden Angeboten wie „Flüssiger Tee“ (Liquid Tea available here“) auf sich aufmerksam machen. Auf einigen Schildern erhalten Vorschriften eine völlig neue Dimension: „Wer diese Tür als Ausgang nutzt, muss den Ort umgehend verlassen“ („Anyone caught exiting through this door will be asked to leave“). Für die Sicherheit von Autofahrer*innen lassen sich auch Verkehrspolizisten viel einfallen: „Decken in Krankenhäusern sind ein langweiliger Anblick – Unfälle vermeiden“ („Hospital ceilings are boring to look at - Avoid Accident“).
 
Und während Schilder in ganz Indien für „Hindi auf Englisch lernen“ werben mögen, werden gleichzeitig Inder*innen von Schulen in London als Englischlehrer*innen rekrutiert. Dank ihrer Softwarekenntnisse bieten Inder*innen zudem Online-Englischunterricht für ihre asiatischen Mitbürger*innen an. Durch Fehler erhält die Reise durch eine neue Sprache sogar eine zusätzliche Faszination. Und die fehlerhafte Zurechtweisung des freundlichen Bibliotheksassistenten hat doch immer ihre Funktion erfüllt.
 
Hier eine Auswahl witziger Schilder aus Indien:
  • „Achtung vor Autodieben – Bitte doppelt Glück haben“: In diesem Parkhaus scheint man großen Wert darauf zu legen, Autofahrer*innen nicht abzuschrecken. Dabei setzt man auf einen subtilen Hinweis, um eine offene Warnung zu vermeiden. Bei einem solchen Schild kommen wir ins Grübeln über den eigenartigen Zusammenhang zwischen Verriegelung (lock) und Glück (luck). © indiatoday.in
    „Achtung vor Autodieben – Bitte doppelt Glück haben“: In diesem Parkhaus scheint man großen Wert darauf zu legen, Autofahrer*innen nicht abzuschrecken. Dabei setzt man auf einen subtilen Hinweis, um eine offene Warnung zu vermeiden. Bei einem solchen Schild kommen wir ins Grübeln über den eigenartigen Zusammenhang zwischen Verriegelung (lock) und Glück (luck).
  • „BIT Bhagwantpuram - 4 Km. Vorher“: Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu verfahren. Beispielsweise beim Anblick dieses aussagekräftigen Schildes. Es informiert auf anschauliche Weise über den Standort einer nahegelegenen Ingenieurschule. Wegbeschreibungen sind immer eine schwierige Angelegenheit. © cartoq.com
    „BIT Bhagwantpuram - 4 Km. Vorher“: Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu verfahren. Beispielsweise beim Anblick dieses aussagekräftigen Schildes. Es informiert auf anschauliche Weise über den Standort einer nahegelegenen Ingenieurschule. Wegbeschreibungen sind immer eine schwierige Angelegenheit.
  • „Bitte nicht zwei Personen auf einem Teller teilen“: Manchmal kann eine Botschaft in der Übersetzung verloren gehen. Mit diesem Schild werden Kund*innen eines Restaurants in den drei Sprachen Marathi, Hindi und Englisch – zur Einhaltung der Vorschriften für das Teilen von Mahlzeiten aufgefordert. Es ist allerdings nicht ganz einfach, drei Sprachen auf einem Schild zu teilen. © amarujala.com
    „Bitte nicht zwei Personen auf einem Teller teilen“: Manchmal kann eine Botschaft in der Übersetzung verloren gehen. Mit diesem Schild werden Kund*innen eines Restaurants in den drei Sprachen Marathi, Hindi und Englisch – zur Einhaltung der Vorschriften für das Teilen von Mahlzeiten aufgefordert. Es ist allerdings nicht ganz einfach, drei Sprachen auf einem Schild zu teilen.
  • Weg nach Golconda/Mehdipatnam: Der unkontrollierte Einsatz von Schildern hat seine eigenen Fallgruben. Dieses Schild wurde als provisorischer Schutz über einem geöffneten Gully-Loch platziert. Eigentlich sollte es den Weg zu einer Ausgrabungsstätte mit den Überresten einer Stadt aus dem 16. Jahrhundert weisen. Manchmal kann Humor den besten Schutz bieten. © cartoq.com
    Weg nach Golconda/Mehdipatnam: Der unkontrollierte Einsatz von Schildern hat seine eigenen Fallgruben. Dieses Schild wurde als provisorischer Schutz über einem geöffneten Gully-Loch platziert. Eigentlich sollte es den Weg zu einer Ausgrabungsstätte mit den Überresten einer Stadt aus dem 16. Jahrhundert weisen. Manchmal kann Humor den besten Schutz bieten.
  • „Bitte stellen Sie die Häufchen Ihrer Haustiere nicht aus“: Es kommt nicht selten vor, dass Herrchen oder Frauchen in Parks, Gärten und Wohngebieten zur Seite gewunken werden. Den Bewohner*innen dieses Viertels wird dringend angeraten, die Exkremente ihrer Haustiere nicht auszustellen. Wenn auf einem Schild ein Hashtag anstelle eines Apostrophs verwendet wird, ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass es ernst gemeint ist. © Javed Anwer
    „Bitte stellen Sie die Häufchen Ihrer Haustiere nicht aus“: Es kommt nicht selten vor, dass Herrchen oder Frauchen in Parks, Gärten und Wohngebieten zur Seite gewunken werden. Den Bewohner*innen dieses Viertels wird dringend angeraten, die Exkremente ihrer Haustiere nicht auszustellen. Wenn auf einem Schild ein Hashtag anstelle eines Apostrophs verwendet wird, ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass es ernst gemeint ist.
  • „Unwürdiger Ort der inneren Einkehr“: Diese einfache Unterkunft verdient nach eigener Meinung keine Aufmerksamkeit. Eine derart erfrischende Offenheit kann sie jedoch nicht davon abhalten, potenzielle Gäste mit einer poetischen Beschreibung der sie dort erwartenden Gastfreundschaft anzulocken. Für ein Zimmer in dieser Unterkunft mit Herz muss man nur auf den Schalter drücken. © Mit freundlicher Genehmigung von Kristin Allen
    „Unwürdiger Ort der inneren Einkehr“: Diese einfache Unterkunft verdient nach eigener Meinung keine Aufmerksamkeit. Eine derart erfrischende Offenheit kann sie jedoch nicht davon abhalten, potenzielle Gäste mit einer poetischen Beschreibung der sie dort erwartenden Gastfreundschaft anzulocken. Für ein Zimmer in dieser Unterkunft mit Herz muss man nur auf den Schalter drücken.
  • „Kein Mobiltelefon beim Trinken benutzen“: Scheinbar hat die Polizei beschlossen, gegen ihre eigene Warnung zu verstoßen: Kein Alkohol am Steuer. Wäre diese erstzunehmende Botschaft nicht von der Verkehrspolizei, dann könnte sie viele eifrige Nachahmer finden. Schließlich ist Abstinenz besser als Nachsicht. © indianexpress.com
    „Kein Mobiltelefon beim Trinken benutzen“: Scheinbar hat die Polizei beschlossen, gegen ihre eigene Warnung zu verstoßen: Kein Alkohol am Steuer. Wäre diese erstzunehmende Botschaft nicht von der Verkehrspolizei, dann könnte sie viele eifrige Nachahmer finden. Schließlich ist Abstinenz besser als Nachsicht.
  • „Besucher werden gebeten, keine Blumen oder Bäume zu pflücken“: Angesichts eines weltweiten Rückgangs der Waldflächen ist ein umfassendes Engagement für ihren Schutz erforderlich. Dieser Nationalpark glaubt, dass er seinen Besucher*innen durch bloße Kraft Umweltbewusstsein eintrichtern kann. Es braucht viel Schneid [Anm. d. Ü.: Hier steht im Englischen „pluck“, das als Verb „pflücken“, als Substantiv „Mut“ bedeuten kann], um eine solche, auf Baumstämmen angebrachte Nachricht zu lesen. © dainikbhaskar.com
    „Besucher werden gebeten, keine Blumen oder Bäume zu pflücken“: Angesichts eines weltweiten Rückgangs der Waldflächen ist ein umfassendes Engagement für ihren Schutz erforderlich. Dieser Nationalpark glaubt, dass er seinen Besucher*innen durch bloße Kraft Umweltbewusstsein eintrichtern kann. Es braucht viel Schneid [Anm. d. Ü.: Hier steht im Englischen „pluck“, das als Verb „pflücken“, als Substantiv „Mut“ bedeuten kann], um eine solche, auf Baumstämmen angebrachte Nachricht zu lesen.
  • „Bitte Einpacker nicht unterstützen“: In dieser indischen Stadt werden Titel ernst genommen. Man hat keine Hemmungen, einen potenziellen Spitznamen auf ein Schild zu setzen, obwohl eigentlich kein Interesse an einem solchen Beinamen besteht. Lieber setzt man eine Frist und rät Bewohner*innen davon ab, diese einzuhalten. © dainikbhaskar.com
    „Bitte Einpacker nicht unterstützen“: In dieser indischen Stadt werden Titel ernst genommen. Man hat keine Hemmungen, einen potenziellen Spitznamen auf ein Schild zu setzen, obwohl eigentlich kein Interesse an einem solchen Beinamen besteht. Lieber setzt man eine Frist und rät Bewohner*innen davon ab, diese einzuhalten.
  • „Kein Übermut auf hügeligen Straßen“: Das Fahren auf hügeligen Straßen mit Haarnadel- und Steilkurven ist keine einfache Angelegenheit. Es erfordert eine Extraportion gesunden Menschenverstand und Urteilsvermögen, um diese Aufgabe zu meistern. Ein bisschen Humor kann auch nicht schaden. © paxryan.blogspot.com
    „Kein Übermut auf hügeligen Straßen“: Das Fahren auf hügeligen Straßen mit Haarnadel- und Steilkurven ist keine einfache Angelegenheit. Es erfordert eine Extraportion gesunden Menschenverstand und Urteilsvermögen, um diese Aufgabe zu meistern. Ein bisschen Humor kann auch nicht schaden.

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