Vergangenheitspolitik

Experten aus neun europäischen Ländern beurteilen die Jahre des Sozialismus und beschreiben die Auseinandersetzung damit nach 1990 in ihren Ländern.
    Kundgebung im Tallinner Hirvepark (möglicherweise sogar als Obersevationsaufnahmen vom KGB) | © Okkupationsmuseum Tallin

    Der Umgang mit dem Erbe der Sowjetzeit in Estland

    Estland erlebte Anfang der 1990er-Jahre eine intensive Epoche der Restitution, deren Ziel lautete, die von 1918 bis 1940 bestehende Republik wiederherzustellen. Enteignete Vermögen wurden rückerstattet, Staatsbetriebe privatisiert und Denkmäler restauriert. Man begann frühzeitig, die Repressionspolitik der sowjetischen Okkupation zu untersuchen.Mehr ...
    © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung; Foto: Engelbert Reineke

    Der Umgang mit der sozialistischen Vergangenheit in Deutschland

    Der Zusammenbruch der DDR stellte die Bundesrepublik 1990 vor große Herausforderungen. Die juristische Aufarbeitung des SED-Regimes geriet zu einer Gratwanderung zwischen Aspekten des Rechtsstaats und Fragen der Gerechtigkeit, die historische Aufarbeitung war und ist durch die gemeinsame nationalsozialistische Vergangenheit mitbestimmt.Mehr ...
    7 Tage im August; Foto: Romualds Pipars, Olegs Kotovics; copyright: Riga Documentary Film Studio

    Die Politik Lettlands: Immer noch im Rückblick?

    Fünf Jahrzehnte der Migration aus Sowjetrepubliken haben die lettische Gesellschaft gespaltet. Anfang der 1990er-Jahre diskutierte das Land vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Sowjetzeit über verschiedene Szenarien der weiteren Entwicklung. Zeitgleich fand eine Debatte über Mitläufertum und Mittäterschaft während der Sowjetzeit statt.Mehr ...
    Die sozrealistischen Skulpturen auf der 1952 rekonstruierten Grünen Brücke in Vilnius erhitzen bis heute die Gemüter der Öffentlichkeit über den Wert des sowjetischen Erbes. © Rasa Čepaitienė

    Die Einstellung zum sowjetischen Zeitabschnitt im postkommunistischen Litauen

    Nach der Befreiung vom kommunistischen Regime versuchte Litauen zunächst, „weiße Flecken der Geschichte“ zu füllen. Dabei traten radikale, moralisch motivierte Feindseligkeiten zwischen der politischen Rechten und Linken zutage. Durch die aktive Teilnahme ehemaliger Kommunisten am Reformprozess scheiterte eine eindeutige Desowjetisierung.Mehr ...
    Foto: Stanisław Gawliński | © Muzeum Historyczna Miasta Krakowa

    Das Erbe des Kommunismus in Polen

    In Polen, das im ehemaligen Ostblock aus verschiedenen Gründen eine Sonderstellung einnahm, wurde der Kommunismus noch vor 1989 von einer autoritären Mentalität verdrängt. Nach 1989 stand das Land vor dem Paradoxon, dass die Erben der Solidarność-Bewegung in höherem Maße Erben der Mentalität der Volksrepublik waren als postkommunistische Gruppen.Mehr ...
    Grenze | © Institut des nationalen Gedächtnisses

    Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit in der Slowakei

    Die Auseinandersetzung der Slowaken mit der totalitären Vergangenheit begann im gemeinsamen Staat mit den Tschechen, eine juristische Aufarbeitung folgte spät. Unterlagen der ehemaligen Staatssicherheit waren erst nach 2002 der Öffentlichkeit zugänglich. Im Anschluss daran setzte eine intensive wissenschaftliche Aufarbeitung ein.Mehr ...
    Jakub Platz; copyright: Goethe-Institut

    Das Heroische vs. das Persönliche
    Die Funktion von Statuen und Denkmälern im slowakischen öffentlichen Raum

    Als ich ein kleiner Junge war, stand auf dem Platz der Freiheit in Bratislava die monumentale Statue des ehemaligen kommunistischen Präsidenten Klement Gottwald. Im Park bei der Kreuzung Račianske mýto ragte das vier Meter hohe Denkmal der Volksmilizen auf, ein einzelner Milizionär mit den Händen in den Hosentaschen, der auf einem sozialistischen Hammer stand.Mehr ...
    © Goethe-Institut Ljubljana / Hendrik Kloninger

    Umgang mit der sozialistischen Vergangenheit in Slowenien

    Der Umgang mit der sozialistischen Vergangenheit ist in Slowenien – das Anfang der 1990er-Jahre Transformations-und Emanzipationsprozess gleichzeitig durchlief – problematisch. Der Gesellschaft gelang es von Ausnahmen abgesehen nicht, sich vom ehemaligen Regime, dem Titoismus, zu distanzieren.Mehr ...
    Das „Jan Palach und Jan Zajíc“-Denkmal am Wenzelsplatz | © Archiv ÚSD AV ČR und Tomáš Vlček

    Die Tschechen und die Last ihrer kommunistischen Vergangenheit

    Die „Samtene Revolution“ führte in Tschechien nach 1989 zu einem Kurs der „nationalen Versöhnung“, der eine Abrechnung mit dem kommunistischen Regime erschwerte. Die erste Lustrationswelle erfasste nur die eigenen Reihen, die Entkommunisierung blieb zunächst auf die staatliche Verwaltung beschränkt.Mehr ...
    Budapest 1956, Foto / © Ede Fabian

    Der Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit in der heutigen ungarischen Erinnerungskultur

    Ungarn, das bereits vor 1989 einige Freiheiten genoss, erlebte eine vergleichsweise harmonische Machtübergabe. Die Bewältigung der kommunistischen Vergangenheit durchlief drei Etappen, wobei sich die ungarische Erinnerungskultur nicht davon lösen konnte, vom antagonistischen Widerspruch zweier totalitärer Ideologien bestimmt zu werden.Mehr ...