Illusion der Nähe? – Programm

Mittwoch, 27. Oktober 2010

19.30 Uhr, Haupthalle Talk
in deutscher Sprache

Illusion der Nähe? ein Gespräch unter Nachbarn

Wie nah sind sich die europäischen Nachbarn heute? Ist Nähe eine Illusion? Und was bedeutet überhaupt Nähe im Verhältnis zwischen Nationen? Das sind Stichworte für eine zwanglose Annäherung an die Motive dieses Forums im Gespräch zwischen ausländischen Diplomaten und deutschen Kulturpolitikern,

mit
Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt
Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts
Marek Prawda, Botschafter der Republik Polen
Caroline Ferrari, Gesandte der Französischen Botschaft
Marnix Krop, Botschafter des Königreichs der Niederlande

Moderation
Thilo Kößler, Journalist, Deutschlandfunk, Köln

20.30 Uhr, Haupthalle Empfang

Donnerstag, 28. Oktober 2010

09.30–10.15 Uhr, Restaurant Vortrag
in deutscher Sprache

Herfried Münkler

Freundschaft, Nachbarschaft, Partnerschaft. Über Nähe und Distanz in der Politik

Nachbarschaft ist heikel, im persönlichen Bereich wie in der Politik, und das nicht nur im Hinblick auf den von Sigmund Freud beobachteten „Narzissmus der kleinen Differenzen“. Zumeist kommt man bei etwas mehr Distanz und weniger Nähe besser miteinander aus. Aber genau darüber verfügt die Politik nicht, sondern muss den geografischen Gegebenheiten folgen. Also muss Nachbarschaft bearbeitet und gepflegt werden, um nicht in Feindschaft umzuschlagen, sondern Partnerschaft oder gar Freundschaft zu werden. Es soll im Vortrag darum gehen, was beides unterscheidet und warum es gelegentlich klug ist, es bei Partnerschaft zu lassen und nicht von vornherein Freundschaft anzustreben: Partnerschaft kann politisch gepflegt und gestaltet werden. Freundschaft dagegen ist überaus enttäuschungsanfällig und deswegen politisch riskant.

von
Herfried Münkler, Politologe und Philosoph, Humboldt-Universität zu Berlin


11.00–12.00 Uhr, Restaurant Dialog I
in deutscher und französischer Sprache

Geteiltes Gedächtnis: Für eine Nachbarschaftskultur der Erinnerung

Unser historisches Bewusstsein oszilliert zwischen emotionalisierender Erinnerung, ideologisiertem Gedächtnis und objektivierender Geschichtsschreibung. Die emotionale Komponente ist wichtig zur Identitätsbildung, die objektivierende zur Einbettung in einen übergeordneten Kontext. Wenn wir zu einer stärkeren Europäisierung von Erinnerung und Gedächtnis gelangen wollen, ist der erste Schritt die Öffnung der nationalen Erinnerungskultur hin zum Nachbarn – denn zwischen ihnen nahmen und nehmen die Konflikte in der Regel die schärfsten Formen an. Diese bilaterale Form der Erinnerung kann sich zu europäisierter Erinnerung weiten. Wo stehen wir in diesem Prozess? Inwieweit sind die Kulturen von Gedächtnis und Erinnerung im Wandel begriffen? Welches könnten die nächsten Schritte sein?

mit
Norbert Frei Historiker, Friedrich-Schiller Universität Jena
Etienne François, Historiker, Freie Universität Berlin
Krzysztof Pomian, Philosoph und Historiker, Nikolaus-Kopernikus Universität Toruń / Europa Museum Brüssel

Moderation
Thomas Lackmann, Journalist, Der Tagesspiegel, Berlin


12.00–13.00 Uhr, Restaurant Dialog II
in deutscher Sprache

Wenn Esslingen vom Ruf des Muezzin erwacht: religiöse Nachbarschaft im Wandel

Das Bild der Städte hierzulande verändert sich zunehmend auch in religiöser Hinsicht; über 200 Moscheen mit Minaretten und Kuppeln sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten entstanden, weitere 120 sind im Bau oder in der Planung. Auch wenn diese der stattlichen Zahl von 45.000 christlichen Kirchenbauten gegenübersteht, ist die Vielfalt der Religionen im Alltag angekommen – und wirft gerade hier auch Probleme auf. Wie gelangen wir zu einem Modus Vivendi der verschiedenen Glaubenskulturen? Welche Schwierigkeiten ergeben sich daraus, dass auf der einen Seite verstärkt religiöse Vorstellungen und Lebenspraktiken in den Alltag einziehen und gleichzeitig die Säkularisierung vor allem im christlich geprägten Teil der Gesellschaft zunimmt? Diese Fragen sind sowohl für das Zusammenleben im lokalen Bereich als auch mit Blick auf die EU von Bedeutung, wo hinsichtlich der Erweiterung gefragt wird, inwieweit ein christliches Selbstverständnis prägend ist und in welcher Form eine religiöse Öffnung hin auch zum Islam sowie anderen Religionen europaweit geleistet werden muss.

mit
Mouhanad Khorchide, Islamwissenschaftler und Religionspädagoge, Universität Münster
Johann Hinrich Claussen, Theologe, Buchautor und Propst, Hamburg

Moderation
Levent Aktoprak, Journalist, Deutschlandfunk, Köln


14.00–16.00 Uhr, Restaurant Forum I
in deutscher und polnischer Sprache

Architekten der Nachbarschaft: wie Polen seine Nachbarn neu entdeckt

Polen gehört – wie Deutschland – zu den Ländern in Europa mit besonders vielen Nachbarn. Der Blick nach Osten ist für das zentraleuropäische Land von besonderer Bedeutung, weshalb es mit Schweden zusammen auch die Östliche Partnerschaft in Brüssel angeregt hat. So sind die Beziehungen zu Deutschland zwar wichtig, aber nur ein Teil eines vielfältigen grenzüberschreitenden Geflechts: Verträge über gute Nachbarschaft wurden auch mit anderen Anrainerstaaten abgeschlossen. Die bi- und multilaterale Nachbarschaftskommunikation richtet sich intensiv auch auf Russland, Litauen, Tschechien und die Ukraine. Wie greifen zivilgesellschaftliche und staatliche Initiativen die auch hier teilweise schwierige gemeinsame Vergangenheit auf, welche (Kultur)Projekte wurden initiiert und welche Visionen entstehen für die Zukunft?

mit
Stefanie Peter, Kulturwissenschaftlerin, Berlin und Warschau
Jurko Prochasko, Autor/Literaturwissenschaftler/Übersetzer, L’viv
Andrzej Mencwel, Essayist und Kulturwissenschaftler, Universität Warschau

Moderation
Angelika Eder, Goethe-Institut Prag


14.00–16.00 Uhr, Deutsche Kantine Forum II
in deutscher Sprache

Pragmatische Wege gelebter Nachbarschaft am Beispiel der deutsch-französischen Grenzregionen

„Europa wächst an den ehemals konfliktreichen Grenzen zusammen. Dort wo eine gemeinsame Geschichte und gemeinsame kulturelle Wurzeln die Menschen verbinden, wird das europäische Bewusstsein am stärksten entwickelt sein.“ Diese These zieht sich durch zahlreiche politische Reden und liegt europäischen Förderprogrammen zugrunde. Als besonders weit integriert und modellhaft gelten die deutsch-französischen Grenzräume vom Oberrhein bis ins Saarland, weil dort schon sehr lange grenzüberschreitende Kooperation mit erheblichen öffentlichen Geldern gefördert wird. Diese These gilt es zu überprüfen. Wie steht es um die Identifikation mit dem gemeinsamen, transnationalen Lebensraum? Haben die Kooperationsprogramme zu mehr Gemeinsamkeit geführt als in anderen Nachbarschaftssituationen? Wie nutzen und erleben die Bürger die Situation heute? Kann es sein, dass die gemeinsame Geschichte und die kulturelle Nähe eher ein Problem denn eine spezielle Chance sind? In welchen Bereichen des Lebens greift das territoriale Verständnis von Nachbarschaft, in welchen spielt die physische Nähe eine geringere Rolle?

mit
Alexis Lehmann, Leiter Projekte Rhino und Eurodom
Willy Bodenmuller, Journalist, Dernières Nouvelles d’Alsace
Maurice Zimmerlé, Bürgermeister a. D. von Neuf-Brisach und ehemaliger Direktor der Communauté Essor du Rhin
Stefan Mörsdorf, Geschäftsführer der Asko Europa Stiftung, Saarbrücken

Moderation
Frank Baasner, Direktor Deutsch-Französisches Institut, Ludwigsburg


14.00–16.00 Uhr, BFG-Kantine Forum III
in deutscher Sprache

Die Stadt als transnationaler Raum: Von der Parallelgesellschaft zur „guten Nachbarschaft“?

Das Wesen nachbarschaftlichen Zusammenlebens hat sich grundlegend gewandelt. „Früher war Nachbarschaft Schicksal, heute ist sie wählbar, früher war Nachbarschaft eine räumliche Tatsache, die sich sozial organisiert, heute ist sie eine soziale Tatsache, die sich räumlich organisiert“, stellt der Soziologe Walter Siebel fest. Gleichzeitig erkennt er die Schwierigkeit, Integration sozial und kulturell unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen mit der Förderung gut nachbarschaftlicher Verhältnisse zur Deckung zu bringen. Was bedeutet dies für eine zunehmend heterogene städtische Gesellschaft? In welchem Verhältnis steht Integration zu „guter Nachbarschaft“? Wie eng sollen beziehungsweise müssen die Kontakte für eine gute Nachbarschaft heute sein? Wieviel Wertekonsens braucht eine Gesellschaft?

mit
Walter Siebel, Soziologe, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Manuela Bojadžijev, Politologin, Freie Universität Berlin
Heinz Buschkowsky, Bürgermeister Berlin-Neukölln

Moderation
Caroline Fetscher, Journalistin und Publizistin, Der Tagesspiegel, Berlin


16.30–18.30 Uhr, Restaurant Forum IV
in deutscher Sprache

Für eine Kulturpolitik der Nachbarschaft

In der Folge des 2. Weltkriegs gab es starke Versöhnungsbestrebungen, an denen die Kulturpolitik großen Anteil hatte. Der Fall der Mauer setzte ähnliche Prozesse in Gang. Diese Projekte befinden sich in unterschiedlichen Stadien: Für die „deutsch-französische Freundschaft“ kann man konstatieren, dass das vor 50 Jahren in Angriff genommene Ziel heute erreicht ist. Dies lässt vermuten, dass das Ziel der „deutsch-polnischen Versöhnung“ in einer entsprechenden Zeit erreicht sein wird, ein guter Teil des Weges liegt hier noch vor uns. Aber können wir wirklich davon ausgehen, dass diese Prozesse irgendwann zum Abschluss kommen oder bedürfen sie vielmehr einer kontinuierlichen Anstrengung, Überprüfung und Modifizierung? Wie sollte die kulturpolitische Agenda für die europäische Nachbarschaft der kommenden Jahrzehnte aussehen? Wieviel nationalstaatliche Kulturpolitik ist hierzu erforderlich, und wie verteilen sich die Aufgaben zwischen der EU und den Nationalstaaten? Und ließ sich in der Wendezeit eine Euphorie und Neugier von Seiten der EU-Länder auch in Hinsicht auf Mittel-, Ost- und Südosteuropa registrieren, so muss man heute fragen: was ist davon übriggeblieben, und was muss hier in Zukunft geschehen?

mit
Tomasz Dąbrowski, Direktor Polnisches Institut Berlin
Charles Malinas, Leiter Kulturabteilung der französischen Botschaft, Berlin
Rainer Seider, Leiter des Europa- und Außenwirtschaftsreferats in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft
Michael Thoss, Leiter Allianz Kulturstiftung, München

Moderation
Joachim Umlauf, Goethe-Institut Paris


16.30–18.30 Uhr, Deutsche Kantine Forum V
in deutscher Sprache

Kleine Theorie der Nachbarschaft

In den Kultur- und Sozialwissenschaften ist der Begriff „Nachbar“ beziehungsweise „Nachbarschaft“ theoretisch kaum festgelegt. So bietet er sich an, einige Probleme von Nähe und Fremde, von territorialer Abgrenzung und des Gefälles zwischen dem „wir“ und dem „sie (die anderen)“ neu zu durchdenken. „Nachbarschaft“ lässt sich beschreibend auf große wie kleinste Gebilde anwenden, gleichsam ein Regler zwischen Mikro und Makro, der sich verstellen lässt ohne dabei die Problemlagen zu verwischen. Denn in ihm bleibt die Liminalität, die ständige territoriale Schwellensituation zwischen Eigenem und Nächstgelegenem, reflektiert. Was also sind die Phänomene, die im unmittelbaren, alltäglichen Lebensumfeld ähnlich zu beschreiben sind wie im übergeordneten, entfernt scheinenden internationalen Kontext? Und welche kulturellen und kulturpolitischen Notwendigkeiten ergeben sich aus diesen Beschreibungen?

mit
Angelika Poferl, Soziologin, Ludwig-Maximilians-Universität München
Roman Herzog, Autor und Radiojournalist, Noto/Syrakus
Lucie Černohousová, Leiterin Deutsches Literaturhaus Prag

Moderation
Karl Braun, Ethnologe und Kulturwissenschaftler, Philipps-Universität Marburg


16.30–18.30 Uhr,
BFG-Kantine
Forum VI
in deutscher Sprache

Die Macht der Sprachen in nachbarschaftlichen Beziehungen

Wir brauchen kreative Ansätze, wenn wir die provinzielle Einkapselung im eigenen Idiom ebenso vermeiden wollen wiedie Reduktion sprachlicher Vielfalt auf das Englische. Wir müssen Perspektiven für ein nachbarschaftliches, vielsprachiges Europa entwickeln, gerade im Bereich der Nachbarsprachen. Gelebte Nachbarschaft ist angewiesen auf ein Verständnis von Mehrsprachigkeit, das von seiner integrativen Funktion und sozialen Bindekraft her begriffen ist – und zwar sowohl auf politischer wie auf individueller Ebene. Oder reden wir hier einer Utopie das Wort? Gibt es das eine Verständnis von Mehrsprachigkeit gar nicht? Ist die Kommunikation zwischen Nachbarn im Alltag auf individueller Ebene in den unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen vielleicht längst etabliert?

mit
Sonja Neef, Medienkulturwissenschaftlerin, Bauhaus-Universität Weimar
Ludwig M. Eichinger, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, Mannheim
Waldemar Martyniuk, Direktor des Europäischen Fremdsprachenzentrum EFSZ des Europarates in Graz
Hatice Akyün, Autorin und Journalistin, Berlin
Babak Saed, Künstler, Bonn

Moderation
Matthias Makowski, Goethe-Institut Zentrale, München


anschließend Empfang auf französische und polnische Einladung
mit Dank an das Polnische Institut Berlin und die Französische Botschaft

Freitag, 29. Oktober 2010

09.30–10.15 Uhr, Restaurant Von der Normalität einer außerordentlichen Nachbarschaft: Deutschland und Frankreich

Vortrag in deutscher Sprache

Hélène Miard-Delacroix

Sechzig Jahre nach der Aussöhnung der so oft in Feindschaft entzweiten Länder sind Deutschland und Frankreich heute ganz normale Nachbarn geworden. Zugleich bleiben sie sehr empfindlich, so dass bei jeder krisenhaften Entwicklung die privilegierte Partnerschaft auf den Prüfstand gestellt wird. Der Rückblick auf den eindrucksvollen Normalisierungsprozess lässt die außerordentliche Leistung erkennen, die von einer konstruktiven Mischung aus Willen und Interessen getragen war. Die Nähe der beiden Nachbarn ist keine Illusion, aber auch immer noch keine Selbstverständlichkeit. Die Erneuerung der Partnerschaft bedarf des steten Engagements beider Seiten und dabei zugleich einer nüchternen Herangehensweise.

von
Hélène Miard-Delacroix, Historikerin, Université Paris-Sorbonne


10.15–11.00 Uhr, Restaurant Deutsch-polnischer Fatalismus revisited

Vortrag in deutscher Sprache

Piotr Buras

Betrachtet man die deutsch-polnische Nachbarschaft in der erweiterten Europäischen Union aus dem Blickwinkel der Erwartungen, die in den 1990er-Jahren gehegt wurden, muss man von enttäuschten Hoffnungen sprechen. Sechs Jahre nach dem EU-Beitritt Polens ist vom „Frankreich im Osten“ nach wie vor nur in Sonntagsreden zu hören, von einer Achse Warschau-Berlin beziehungsweise einem deutsch-polnischen Integrationsmotor schon gar nicht. Im europäischen Maßstab scheint das deutsch-polnische Verhältnis derzeit provinziell und die Zusammenarbeit beider Länder für die Zukunftsfragen der EU unbedeutend. Kann sich dies in den kommenden Jahren ändern?

von
Piotr Buras, Politologe und Journalist, Berlin und Warschau

anschließend Diskussion mit Hélène Miard-Delacroix und Piotr Buras

Moderation
Christoph Mücher, Goethe-Institut München


12.00–13.00 Uhr, Restaurant Dialog III
in deutscher und polnischer Sprache

Das europäische Wir – neue Narrative für das 21. Jahrhundert

Für die nach 1989 geborenen Generationen in Europa verblassen 2. Weltkrieg und Fall der Mauer in ihrer Bedeutung als prägende und identitätsstiftende europäische Ereignisse. In Zukunft werden es andere Narrative sein (müssen), aus denen sich eine kollektive Identität speist. Wodurch werden die herkömmlichen Erzählungen ersetzt? Werden es politische Ereignisse sein oder vielleicht eher kulturelle Phänomene, zu denen auch globale Sport- oder Freizeitveranstaltungen wie Fußball-WM und Megafeiern auf öffentlichen Plätzen gehören? Welche Orte stehen als Kristallisationspunkte für dieses neue europäische Wir zur Verfügung? Eher kritisch steht der Identitätssuche der Soziologe Zygmunt Bauman gegenüber: „Die ‚Suche nach Identität‘ ist in aller Regel leeres Gerede. Eine ‚Identität‘ besitzen heißt sich abheben: anders sein, und aufgrund dieses Andersseins einmalig – wer sich eine Identität schaffen will, muss daher trennen und scheiden.“ Gegen wen und wie grenzen wir uns durch die Etablierung einer den Nationen übergeordneten europäischen Identität ab?

mit
Eva Sabine Kuntz, Generalsekretärin Deutsch-Französisches Jugendwerk, Berlin
Ulrike Guérot, Leiterin des Berlin-Büros des European Council on Foreign Relations
Marek Cichocki, Centrum Europejskie Natolin, Warschau

Moderation
Harry Nutt, Journalist, DuMont Redaktionsgemeinschaft, Berlin


14.30–15.30 Uhr, Restaurant Dialog IV
in deutscher Sprache

Europäische Nachbarschaftspolitik, oder: Wo endet Europa?

Die kulturellen und kulturpolitischen Bemühungen um die Nachbarschaft in Europa sind eng verwoben mit den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Dabei kennt und verfolgt die EU sehr unterschiedliche Prägungen von Nachbarschaftsbeziehungen. Wie ist es um die Kohäsion im Innern der EU bestellt? Welche Form der Erweiterung wird angestrebt – eine strategische oder eher eine identitäre? Welche Ziele, welche Hoffnungen und welche Befürchtungen leiten beziehungsweise begleiten die Nachbarschaftspolitik der europäischen Union? Wie ziehen wir die Grenzen zwischen Inklusion, privilegierter Partnerschaft und bewusster Ausgrenzung? Und wie steht es um die größer dimensionierten/entfernteren Nachbarschaften wie die euromediterranen Beziehungen, das Verhältnis zu Russland oder die transatlantische Nachbarschaft?

Günter Verheugen, Politiker, Potsdam
im Gespräch mit Ruprecht Polenz, Politiker, MdB, Berlin und Münster

Moderation
Berthold Franke, Goethe-Institut Brüssel


16.00-17.00 Uhr, Haupthalle Lesung und Gespräch
in deutscher Sprache

Péter Esterházy: „Donau abwärts“ und neue Texte

Auch in der Mathematik kennt man die Begriffe „Nachbar“ und „Nachbarschaft“. Ein Knoten x heißt Nachbar von einem Knoten y in einem ungerichteten Graphen (beziehungsweise Hypergraphen) G, wenn x und y zu einer Kante von G gehören. Mit NG (v) bezeichnet man die Menge aller Nachbarn eines Knotens v in G. Ferner bezeichnet man mit NG (X) die Menge aller Nachbarn der Knoten von X in G. NG (v) beziehungsweise NG (X) nennt man auch Nachbarschaft von v beziehungsweise X. Was hat das mit Peter Esterházy, dem großen ungarischen Schriftsteller, zu tun? Vielleicht nur das: Esterházy ist studierter Mathematiker und arbeitete in den 70er Jahren einige Jahre in der elektronischen Datenverarbeitung, ehe er sich der Literatur zuwandte. Seine Prosabücher und Theaterstücke (man denke an „Rubens und die nicht-euklidischen Weiber“, 2006) sind – auch wenn sie von ganz anderen Dingen handeln – getränkt vom Geist der Mathematik. Für diesen Anlass hat Péter Esterházy Texte ausgewählt, die sich mit dem Thema oder Motiv der Nachbarschaft befassen. Sie stammen aus „Donau abwärts“, Esterházys raffiniertem mitteleuropäischen Reisebuch (1992) und aus einem neuen Prosabuch, das derzeit von Terézia Mora ins Deutsche übersetzt wird.

Moderation
Lothar Müller, Literaturkritiker, Süddeutsche Zeitung


17.00 Uhr, Haupthalle Rede
in deutscher und englischer Sprache

Bundesminister des Auswärtigen Guido Westerwelle