Kultur und Entwicklung: Beraten und Vernetzen

Mit „Musizierwut“ und Können

Das mittelamerikanische Jugendorchester mit dem Solisten Helmuth Mebert © Initiative „Todos listos, ya!“ Sie benötigen den Flashplayer , um dieses Video zu sehen
Junge Musikerinnen und Musiker aus Guatemala, Costa Rica, El Salvador, Honduras, Panama und Nicaragua trafen sich im Februar 2011 zum ersten Musikcamp und Konzerttreffen des neu gestalteten mittelamerikanischen Jugendorchesters am Atitlán-See in Guatemala. 12 Tage Zeit für die gemeinsame Leidenschaft zur Musik, professionellen Austausch und persönliche Begegnungen.

Logo mittelamerikanisches Jugendorchester © Initiative Todos listos, ya!Wenn sich mehr als 90 mittelamerikanische Nachwuchstalente zwischen 16 und 26 Jahren mit weltbekannten Musikern aus Deutschland, Spanien und Mexiko treffen, dann ist das außergewöhnlich. Wenn diese Orchesterakademie in einer faszinierenden Landschaft aus Seen und Vulkanen stattfindet, in der verschiedene indianische Bevölkerungsgruppen ihre uralte Heimat haben, wenn sich Klänge und Geschichten, Stimmen und Lachen, musikalische Energie und unbedingter Willen mit der Anmut der Natur und der Menschen verbinden, dann ist das Magie. Zehn Tage dort miteinander arbeiten und proben, voneinander erfahren und lernen, aufeinander hören und achten, rund um die Uhr, ohne Grenzen, „das war für alle ein Riesenerlebnis“, so Götz Teutsch, Cellist der Berliner Philharmoniker.

Panajachel am Atitlán-See, © Initiative Todos listos, ya!In Guatemala, in Panajachel am Ufer des malerischen Atitlán-Sees, fand auf Initiative des Goethe-Instituts Mexiko und seiner Partner vom 16. bis 27. Februar 2011 das erste Musikcamp und Konzerttreffen des neu gestalteten mittelamerikanischen Jugendorchesters statt. Das guatemaltekische Kulturministerium war Gastgeber dieses ersten Zusammentreffens außerhalb des „Geburtslands“ Costa Rica, wo die Initiative begann. Ab 2011 wird das Treffen jährlich in einem anderen Land stattfinden. Den Verantwortlichen ist ein glänzender Auftakt gelungen, so dass sie mit einem Dirigierstab als Symbol stolz die Staffel an die offizielle Vertreterin El Salvadors als Ausrichterland 2012 übergeben konnten.

Musiker des mittelamerikanischen Jugendorchesters, © Initiative Todos listos, ya!Jeweils 25 Musikerinnen und Musiker hatten sich zunächst in nationalen Auswahlverfahren bewiesen, dann wählte eine internationale Jury die besten 90 aus. Am Ende setzte sich das Orchester aus 23 Musikerinnen und Musikern aus Guatemala, 21 aus Costa Rica, 15 aus El Salvador, 13 aus Honduras, zehn aus Panama und fünf aus Nicaragua zusammen. Ziel ist eine gleich starke Beteiligung aus allen Teilnehmerländern, damit das Orchester Ausstrahlungskraft als Symbol für die Integration in Mittelamerika und für die Partizipation seiner Bürger gewinnt.

„Die Form dieser Jugendbegegnungen zum gemeinsamen Musizieren aller mittelamerikanischen Länder ist phantastisch“, betont Götz Teutsch. „Die Freundschaft zwischen den Jugendlichen und das Gefühl, gemeinsam etwas zu schaffen, sind das wohl Wertvollste. Sicher, der Unterricht, den sie in ihrer gewohnten Umgebung bekommen, ist nicht gut und entspricht nicht ihren wirklichen Fähigkeiten. Aber die „Musizierwut“ dieser jungen Menschen ist einfach umwerfend. Sie können nicht genug gefördert werden.“

Mittelamerikanisches Jugendorchester mit Enrique Barrios, © Initiative Todos listos, ya!Die Leitung des Orchesters übernahm der renommierte mexikanische Dirigent Enrique Barrios, die Meisterklassen wurden neben Teutsch vom Violinisten Helmut Mebert (ebenso Berliner Philharmoniker) und dem Posaunisten David Rejano (Münchner Philharmoniker) gegeben. Die angesichts der deutschen Medienbilder von Gewalt und Naturkatastrophen nicht ganz ohne Bedenken angereisten Spitzenmusiker aus Deutschland waren im Handumdrehen begeistert von dem Enthusiasmus und der Spielfreude der mittelamerikanischen Musiktalente.

Zuhörer bei der Generalprobe, © Initiative Todos listos, ya!Die Generalprobe wurde ein Ereignis der besonderen Art. Sie fand vor 1200 indigenen Schülern statt, die zum ersten Mal ein solches Konzert erlebten. Gleichsam mit der von Maestro Barrios einfallsreich pädagogisch präsentierten 9. Symphonie Dvoraks öffnete sich ihnen eine Neue Welt. Ebenso war es viele Jahre zuvor Alex Salazar widerfahren, der heute am Konservatorium der Hauptstadt Guatemala in leitender Funktion tätig ist. Die Generalprobe in seiner kleinen Heimatstadt Sololá war seine Initiative. Dort hatte sich sein Leben von Grund auf verändert, als er zum ersten Mal ein Konzert hörte und den Entschluss fasste, Violine zu studieren.

Den feierlichen Abschluss des Treffens bildete am 26. Februar vor der beeindruckenden Seekulisse ein Open-Air-Galakonzert vor 600 Zuhörern, eine wahrhaft bunte Mischung aus einheimisch-indigener Bevölkerung, Hauptstadtprominenz und Touristen. Das Orchester präsentierte neben Dvorak, Dukas, Bruch und Béirot auch ein zeitgenössisches Stück aus Guatemala, das „Konzert für Marimba und Orchester“, in Anwesenheit des Komponisten Paulo Alvarado. Nach nur acht Tagen gemeinsamer Arbeit unter prominenter Anleitung wurden nicht nur die Begeisterung, sondern vor allem das Können und das Potenzial dieser jungen Musiker aus Mittelamerika sicht- und hörbar.

Konzert des des mittelamerikanischen Jugendorchesters, © Initiative Todos listos, ya!„Es war sehr berührend, den ungeheuren musikalischen Bildungshunger, den nicht enden wollenden persönlichen Einsatz beim Üben, aber auch die menschlichen Begegnungen der jungen Musikerinnen und Musiker miterlebt zu haben.“ So empfand es Helmut Mebert. „Das Goethe-Institut und alle Beteiligten aus Mittelamerika haben den jungen Leuten mit diesem Projekt einen wertvollen Horizont eröffnet, ihrer bereits vorhandenen starken Motivation noch einen entscheidenden und sicher auch nachhaltigen Anstoß gegeben. Derartige Projekte sind eine überaus lohnende Investition in die Zukunft der jungen Generation und unbedingt wert wiederholt zu werden.“

Helmut Schippert, Goethe-Institut Mexiko, Juli. 2011

    Reportagen Bilder Gespräche: Kultur und Entwicklung

    Magazin des Goethe-Instituts (Foto: Goethe-Institut)
    Das Goethe-Magazin 02/2012 bietet spannende Einblicke in das Programm der Initiative „Kultur und Entwicklung“.

    Alumniportal Deutschland

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